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Hubert Cancik

Europa – Antike – Humanismus

Humanistische Versuche und Vorarbeiten (hg. von Hildegard Cancik-Lindemaier)
2011, 524 S., kart., 39,80 €
ISBN 978-3-8376-1389-6
Reihe Interkultureller Humanismus
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»Humanismus« ist ein junger, offener – und daher umstrittener – Begriff. Hubert Cancik zeichnet in diesem Band die Wurzeln des Humanismus nach, die aus Konzepten bestehen, die in Philosophie und Kunst, Ethik und Politik, Wissenschaft und Recht der Antike entwickelt wurden. In von Brüchen und Verwerfungen gekennzeichneten Rezeptionsschüben sind diese in die europäische Geschichte eingegangen und haben beim Aufbau einer zivilen Gesellschaft und der Proklamation der Menschenrechte mitgewirkt. Deren Anspruch, Gemeingut aller Menschen zu sein, unabhängig von Ethnien, Religionen, Klassen und Machtmitteln, ist, so zeigt dieses Buch, die Basis eines kritischen Humanismus, also des Angebots, eine Welt-Gesellschaft menschlich zu denken.
Hubert Cancik (Prof. Dr. phil. Dr. h.c.) lehrte Klassische Philologie an der Universität Tübingen. Seine Forschungsschwerpunkte sind die antike Kulturwissenschaft, die Geschichte der antiken Religionen sowie die Rezeption der Antike.
Hildegard Cancik-Lindemaier (Dr. phil. Dr. theol. h.c.) ist klassische Philologin. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die antike Kulturwissenschaft sowie die Religionsgeschichte Roms und des frühen Christentums.
»Humanismus als Begriff ist ein Produkt vielfältigster historischer Kommunikationen und daher von Überforderung, Missverständnis und Vergessen bedroht. Dem will Hubert Cancik entgegenwirken.
Klar und geduldig [...] legt Cancik die Dimensionen von ›humanitas‹ bei Cicero, Seneca und Plinius dar, die Rezeptionen der italienischen Renaissance, die Karriere in den europäischen Sprachen und bei einzelnen Denkern seit dem achtzehnten Jahrhundert.«
Uwe Walter, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2012
Humanismus, Antike-Rezeption, Religionsgeschichte Europas, Altertumswissenschaften
Altertumswissenschaften, Geschichte, Literaturwissenschaft, Politikwissenschaft, Religionswissenschaft
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Interview
... mit Hubert Cancik
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Frage verführt zu Überheblichkeit und ironischen Antworten. Deshalb eine Anekdote: Ein weiser Mann aus Indien wurde gefragt: ›Was halten sie ... mehrvon der europäischen Kultur?‹ Er antwortete: ›Das wäre eine gute Idee.‹
Das Buch zeigt die Entstehung dieser ›Idee‹, einige notwendige Elemente im Konstrukt einer ›europäischen Kultur‹ und Versuche, die ›Idee‹ auf die Füße zu stellen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die systematische und historische Begründung von Humanismus in seinen Aspekten ›Bildung‹ und ›Barmherzigkeit‹ ist eine Aufgabe gegenwärtiger Humanismusforschung. Die Erinnerung an anspruchsvolle Texte, an eindrückliche und oft missbrauchte Bilder, Personen, Ereignisse der Antike und ihrer europäischen Rezeption ist notwendig, aber nicht ausreichend. Hinzukommen muss die Begründung von Menschenrechten und Menschenwürde und die humanistische Begründung humanitärer Praxis.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die kritische Analyse von Struktur und Geschichte des europäischen Humanismus ist eine Voraussetzung für die Bearbeitung der Frage, ob es außereuropäische Humanismen gebe und ob diese vereinbar seien mit den verschiedenen Ausprägungen der humanistischen Bewegung in Europa.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Am liebsten mit Johann Gottfried Herder, der aber z.Zt. in Weimar nicht erreichbar ist; mit Kurt Flasch (Mainz), Helmuth Hühn (Jena/Berlin), Volker Riedel (Berlin) und vielen anderen.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch lässt sich lesen als Anmerkung zu Friedrich Schillers Satz aus dem Jahr der Erklärung der Menschenrechte in Frankreich (1789): ›Unser menschliches Jahrhundert herbeizuführen, haben sich, ohne es zu wissen oder zu erzielen, alle vorhergehenden Zeitalter angestrengt.‹
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