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Franziska Torma

Turkestan-Expeditionen

Zur Kulturgeschichte deutscher Forschungsreisen nach Mittelasien (1890-1930)
2011, 286 S., kart., zahlr. Abb., 34,80 €
ISBN 978-3-8376-1449-7
Reihe 1800 | 2000
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Forschungsreisen nach Mittelasien erlebten zwischen 1890 und 1930 eine Konjunktur. Obwohl die Wissenschaft und Gesellschaft des Kaiserreichs und der Weimarer Republik maßgeblich von Expeditionen geprägt waren, sind sie in der deutschen Geschichtsschreibung bislang kaum thematisiert worden. Dabei liegt ihre Bedeutung nicht nur in der Erkundung und Erforschung von Regionen, die aus europäischer Perspektive als unerschlossen galten. Ihre Funktion liegt vielmehr auch darin, dass sie das heute fast vergessene Turkestan als deutschen Möglichkeitsraum erschlossen, der historische Alternativen zu späteren nationalsozialistischen Ostraumplänen bot. In einer Zeit der beginnenden Dekolonisation vermittelte die Faszination an Turkestan Konzeptionen und Kategorien einer postkolonialen Weltordnung.
Franziska Torma (Dr. phil.) ist Research Fellow am Rachel Carson Center der Ludwig-Maximilians-Universität München.
»Nicht zuletzt aufgrund [der] Diskussionen zentraler Fragen der Kultur- und Politikgeschichte des 19. und frühen 20. Jahrhunderts und der behutsamen Einbettung aktueller theoretischer Debatten in diesen Zusammenhang erweist sich die Lektüre der Studie keinesfalls nur für Experten auf dem Gebiet der Geschichte der Asienforschung als äußerst lohnenswert.«
Felix Wiedemann
»Eine sorgfältig recherchierte und zudem gut lesbare Untersuchung.«
Claudia Moisel, www.sehepunkte.de, 1 (2012)
»[Die Studie zeigt] eindrucksvoll, wie ein scheinbar marginales Thema sinnvoll im geschichtswissenschaftlichen Diskurs verortet werden kann.«
Ingo Löppenberg, Das Historisch-Politische Buch, 59/6 (2011)
»Franziska Torma gelingt es mit dieser wichtigen Arbeit, nicht nur den Blick der deutschen und österreichischen Forschung auf den Raum ›Turkestan‹ zu richten, sondern ihn auch auf das Wilhelminische Reich wie die Weimarer Republik zu lenken.«
Kurt Scharr, OSTEUROPA, 11 (2011)
»Franziska Torma ist ein spannend geschriebenes Buch gelungen.«
Jörn Happel, H-Soz-u-Kult, 17.05.2011
»Das Buch [...] zeichnet sich durch ein hohes theoretisches Niveau, eine umfassende Recherche und eine gute Lesbarkeit des Textes aus.«
Prof. Dr. Jörg Stadelbauer, DAMALS, 7 (2011)
Turkestan, Kolonialismus, Raum, Heimat, Wissenschaft, Expeditionen
Geschichte, Wissenschaftsgeschichte, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Geographie
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Interview
... mit Dr. phil. Franziska Torma
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch ist alleine aus diesem Grund wichtig, da es spannende und bislang unerforschte Expeditionen nach Mittelasien untersucht. ... mehrZwischen 1890 und 1930 interessierten sich deutsche Wissenschaftler, Bergsteiger, Wirtschaftsspezialisten und Reiseschriftsteller für die Region ›Turkestan‹, die heute als Landschaftsbegriff von den Karten verschwunden ist. Das Buch leistet eine Archäologie der deutschen Faszination an dieser Region und legt Erzählungen, Handlungen und Deutungsmuster frei, die neue Interpretationen zur Geschichte der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zulassen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Bislang hat die Geschichtswissenschaft Mittelasien vorrangig als Raum der britisch-russischen Machtkonfrontation im Hochimperialismus beschrieben. Mein Buch untersucht die deutsche, vor allem kulturimperialistische Beteiligung am ›great game‹ und zeigt dadurch zur klassischen Machtpolitik alternative Formen von Einfluss auf. Außerdem wurden die Jahre des Kaiserreichs und der Weimarer Zeit häufig im Hinblick auf Kontinuitäten zur darauffolgenden nationalsozialistischen Zeit interpretiert, insbesondere in Bezug auf die Räume im ›Osten‹ oder ›Orient‹. Zu dieser Geschichtsinterpretation eröffnete jedoch Turkestan als deutscher ›Möglichkeitsraum‹ Alternativen, die Anknüpfungspunkte für die (post-)koloniale Geschichte der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts boten.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Einer der Schlüsselbegriffe des Buches ist derjenige der ›Ambivalenz‹. Prozesse, Ereignisse, Handlungen und Deutungsmuster, die unter dem Schlagwort der ›Ambivalenz der Moderne‹ in aktuellen Forschungsdebatten abstrakt verhandelt werden, macht das Buch an historischen Fallbeispielen nachvollziehbar. Grundlegende Begriffe sind Raum, Zeit und Kolonialismus. Raum ist heute für den ›spatial turn‹ zentral und gilt in der historischen Debatte als eine der Grundkategorien von Globalisierung. Zeit erhält eine neue Bedeutung in geschichtswissenschaftlichen Versuchen, Moderne nicht mehr nur als (normatives) Gesellschaftsmodell, sondern auch theoretisch fundiert zu beschreiben. Kolonialismus wird aktuell vor dem Hintergrund postkolonialer Theorien und Fallstudien neu überdacht. Diesen drei Forschungsdebatten gibt mein Buch eine historische Perspektive, indem die (Selbst-)Reflexion der Zeitgenossen zu diesen drei Kategorien rekonstruiert wird.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen Leserinnen und Lesern, die sich für das Thema interessieren.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Mein Buch beleuchtet durch konkrete Fallstudien die fragmentarische und bruchstückhafte Entstehung von Deutungs- und Handlungsmustern, die heute unter dem Begriff des Postkolonialen gefasst werden, wobei die historische Perspektive dafür sensibilisieren soll, wie vielfältig, subtil und wandelbar (post-)koloniale Machtstrukturen sein können.
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