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Thomas Hecken

Das Versagen der Intellektuellen

Eine Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter
2010, 250 S., kart., 21,80 €
ISBN 978-3-8376-1495-4
Reihe X-Texte
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Nichts wird von der intellektuellen Klasse schärfer kritisiert und tiefer verachtet als der alles und jeden durchdringende Konsum. Dabei stellt der massenhafte Konsum einen unverzichtbaren Bestandteil jeder auf Wohlstand abzielenden Wirtschaftsordnung dar. Dennoch einigt die Ablehnung einer »materialistischen Einstellung« Rechte wie Linke, Avantgardisten wie Bildungsbürger, Verfechter einer Elite wie Vertreter der Mittelschicht.
Thomas Hecken zeichnet in seinem Essay die Geschichte dieser Versagung von Böll bis Habermas, von der KPD bis zur CDU und von der FAZ bis zur »konkret« nach. Er entlarvt die zwiespältigen Versuche der Pop-Linken und der Neoliberalen, daran etwas zu ändern – und unternimmt schließlich selbst eine Verteidigung von Konsum und Materialismus.
Thomas Hecken (Dr. phil. habil.) ist Privatdozent für Deutsche Philologie an der Ruhr-Universität Bochum. Veröffentlichungen zuletzt u.a.: »Pop. Geschichte eines Konzepts 1955-2009« (Bielefeld 2009), »Theorien der Populärkultur« (Bielefeld 2007).
WWW: Hecken
»Das Buch [hat] einen positiven Effekt: Wer es gelesen hat, ist sich dessen bewusst, dass die schöngeistige Ablehnung des Konsums in erster Linie ein Geschmacksurteil der Bessergestellten ist.«
Paul-Philipp Hanske, Süddeutsche Zeitung, 24.01.2011
»Bewundernswert, mit welchem Mut sich der Autor in die Höhle der (vermeintlichen) intellektuellen Löwen vorwagt.«
NZZ, 14.12.2010
»Heckens Plädoyer für die Anerkennung und Honorierung des Massenkonsums ist eine brauchbare Argumentation, gerade, wenn es um die Anerkennung der Bedürfnisse derer geht, die als Unterschicht bezeichnet werden, die einen sog. Unterschichtenkonsum vollziehen [...]. Sinnvoll ist auch seine Kritik an der fortgesetzten Einteilung in gute, anspruchsvolle Kultur und Schund-Konsum, denn beides sind Massenprodukte.«
Nils Greiten, Radio Unerhört Marburg, 02.01.2011
»Wer gerne shoppen geht, so Hecken, kommt wenigstens nicht in die Versuchung, sich ideologisch zu verrennen.
Natürlich sagt Hecken, der Geisteswissenschaftler, dies nicht explizit. Aber die Logik seiner Verteidigung des Konsums gegen seine deutschen Verächter ist so bestechend wie banal. Denn der oft intellektuell und feuilletonistisch überhöhten Konsumkritik, sagt Hecken, liegen ein anspruchsvolles Programm und heroische Denkakte zugrunde, die ›ausnahmslos die Verachtung des privaten, unspektakulären Alltags‹ als Inhalt haben.«
Thomas Andre, Hamburger Abendblatt, 19.04.2011
Besprochen in:
Zeitschrift für Medienwissenschaft, 12 (2010), Martin Seeliger
Deutschlandfunk-Büchermarkt, 09.03.2011, Thomas Palzer
www.literaturkritik.de, 5 (2011), Walter Delabar
Konsum, Neoliberalismus, Wohlstandsgesellschaft, Popkultur, Zeitgeschichte
Politologie, Soziologie, Kulturwissenschaften, Geschichte, Literaturwissenschaften, Ökonomie, Philosophie und die interessierte Öffentlichkeit
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Interview

... mit Dr. phil. habil. Thomas Hecken
1. «Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Der Konsum von Haushaltswaren, Mode, schönen Dingen, kulturindustriellen Erzeugnissen und touristischen Landschaften und Erlebnissen ... mehrgeschieht weitgehend unabhängig von Büchern zum Konsum. In dieser Hinsicht braucht das Buch niemand. Da es aber kaum intellektuelle Verteidigungen des Konsums gibt, kann das Buch einen Zweck erfüllen. Denn mit einer stärkeren Bejahung des gegenwärtigen Konsums lassen sich politische Ziele, die auf eine gleichmäßigere Beteiligung der lohnabhängigen Bevölkerung am produzierten Warenreichtum drängen, schlüssiger begründen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die Wichtigkeit des Konsums sollte nicht weiter von den Leitworten der offiziellen Politik und der journalistischen und intellektuellen Artikel – Freiheit, Verantwortung, Bildung – verdeckt und überspielt werden.
3.Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Das Buch zeigt die nach wie vor wichtige Rolle der Konsumkritik in fast allen politischen und weltanschaulichen Lagern auf, nicht nur dem der Konservativen. Die Darstellung sowie die Kritik der gegenwärtigen Konsumkritik besitzt deshalb eine breit gefächerte Bedeutung.
4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Die Analyse bisheriger Konsumdebatten schärft den Blick dafür, dass die Szenarien kommender demographischer Krisen und der Gefahren hedonistischer Dekadenz so alt sind wie die Abneigung gegen den alltäglichen, mittelmäßigen Konsum. Als Prognosen waren und sind die Szenarien also untauglich, als politisches Mittel bedauerlicherweise nicht.
5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit jenen, die unentwegt daran glauben, dass ein feinerer oder besonderer Geschmack einen nicht nur vom herkömmlichen Konsum distanziere, sondern auch in politischer Hinsicht wertvoll sei.
6. Ihr Buch in einem Satz:
Die Geschichte der bundesdeutschen Konsumkritik als eine Geschichte vielfachen Versagens.
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