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Christine Dissmann

Die Gestaltung der Leere

Zum Umgang mit einer neuen städtischen Wirklichkeit
2010, 248 S., kart., zahlr. Abb., 28,80 €
ISBN 978-3-8376-1539-5
Reihe Urban Studies
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Städtische Leerräume sind zu einer Realität geworden, die sich längst nicht mehr auf Krisenregionen beschränkt: Es dominiert die Wahrnehmung urbaner Brachen als Missstand. In diesem Buch wird eine andere Perspektive eingenommen: Christine Dissmann wagt einen architekturtheoretisch geprägten Blick auf die städtische Leere und betrachtet diese nicht mit der Intention einer möglichst erfolgreichen Stadtreparatur, sondern interessiert sich für deren ästhetische Eigenschaften.
Gängige Umgangsweisen mit urbaner Leere werden auf ihren kulturellen Bedeutungsgehalt hin befragt, und es wird ein alternatives Leitbild entwickelt, das unter dem Titel »Dornröschenprinzip« Verfahren des geschützten Liegenlassens der Leere erlaubt.
Christine Dissmann (Dr.-Ing.) arbeitet freiberuflich als Architektin, Stadtforscherin und Autorin. Ihr Forschungsinteresse richtet sich auf Konstruktion, Wahrnehmung und Vermittlung städtischer Wirklichkeit.
WWW: www.realstudio.de
»Für eine neue Wertschätzung verlassener, brachliegender und überflüssig gewordener Räume plädiert auch die Cottbusser Architekturtheoretikerin Christine Dissmann. Sie geht von der theoretischen Analyse des Kulturphänomens der Leere aus, das mal als Luxus und Läuterung gefeiert, mal als Deprivation und Depression gefürchtet wird.
Am aufschlussreichsten gelingt der Autorin die kultur- und begriffsgeschichtliche Herleitung des Reinen, Klaren, Leeren als Komplementärvorstellung zum Abwesenden, Amorphen und Mangelhaften.«
Michael Mönninger, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.04.2011
Besprochen in:
Forum Wohnen und Stadtentwicklung, 2 (2011)
Fraunhofer IRB, 5 (2011)
Kunstbulletin, 4 (2011)
Leere, Stadt, Raum, Brache, Strukturwandel, Kultur
Raumwissenschaften, Stadtplanung, Kulturwissenschaften, Urbanistik und die interessierte Öffentlichkeit
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Interview

... mit Dr.-Ing. Christine Dissmann
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch setzt sich mit einer grundlegenden Frage auseinander, die sämtliche ›ausgewachsenen‹ Stadtgesellschaften betrifft: nämlich ... mehrwie wir mit unserem gebauten Erbe als wichtigen Teil unserer kulturellen Identität umgehen angesichts von Leerstand und fehlender finanzieller oder ideeller Ressourcen. Das Buch betrachtet dabei die Leere nicht als zu lösendes Problem, sondern als kulturelle Herausforderung.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
»Die Gestaltung der Leere« bietet zum ersten Mal eine theoretische Verarbeitung unserer Umgangsweisen mit urbaner Leere. Mit dem ›Dornröschenprinzip‹ wird eine Alternative zur gängigen Tendenz vorgestellt, Leere entweder durch Abriss oder Sanierung vernichten zu wollen. Das ›Dornröschenprinzip‹ formuliert die Idee, leerstehende Räume vorübergehend aus unserer Wahrnehmung fallen zu lassen, um sie kulturell vorhalten zu können.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der Diskurs zu den städtebaulichen Folgen des Strukturwandels wird seit rund zehn Jahren geführt und war zunächst gekennzeichnet von Grundlagen- und Laborarbeit. Mittlerweile ist die Zeit gekommen, Ergebnisse zu präsentieren, Rückschlüsse zu ziehen und Ausblicke zu wagen. In diesem Zusammenhang sehe ich mein Buch als einen zum richtigen Zeitpunkt veröffentlichten, wichtigen Beitrag zur Reflexion über die gemachten Erfahrungen.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich würde mich sehr freuen, die Idee des ›Dornröschenprinzips‹ mit Hauseigentümern, Anwohnern, Bürgern, Denkmalschützern, Baufachleuten und Stadtplanern zu diskutieren. Außerdem träume ich davon, mit experimentierfreudigen Gesinnungsgenossen dieses Konzept in der Praxis zu erproben und daraus neue Anschauung zu gewinnen.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Die »Gestaltung der Leere« bietet eine theoretische Reflexion auf die Debatte zum Umgang mit den stadträumlichen Folgen des Strukturwandels.
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