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Andreas Heilmann

Normalität auf Bewährung

Outings in der Politik und die Konstruktion homosexueller Männlichkeit
2011, 354 S., kart., 29,80 €
ISBN 978-3-8376-1606-4
Reihe Gender Studies
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»Ich bin schwul – und das ist auch gut so.« Klaus Wowereits spektakuläres Bekenntnis löste 2001 eine Kaskade von homosexuellen Politiker-Outings aus. Nach Jahren des einvernehmlichen Verschweigens scheinen homosexuelle Männlichkeit und Staatsräson im massenmedialen Diskurs nun erstmals vereinbar. Anhand der vier prominenten Fallbeispiele Volker Beck (Grüne), Klaus Wowereit (SPD), Ole von Beust (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) untersucht Andreas Heilmann die Normalisierung homosexueller Männlichkeit in der printmedialen Berichterstattung – und zeigt, warum der homosexuelle Staatsmann einstweilen nur eine prekäre Normalität auf Bewährung repräsentiert.
Andreas Heilmann (Dr. phil.) lehrt als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Sozialwissenschaften und am Zentrum für Transdisziplinäre Geschlechterstudien der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich Geschlechter-, Wissens- und Mediensoziologie sowie der Politischen Soziologie.
WWW: HU Berlin
»Eine lesenwerte und anregende Studie, die auf einer breiten theoretischen und methodischen Grundlage aufbaut. Ein exzellentes Beispiel qualitativer Sozialforschung, das insbesondere zum Einstieg in diesen Methodenbereich eine gelungene Anleitung bzw. Orientierung bieten kann.«
Johannes von Stritzky, Zeitschrift für Sexualforschung, 26 (2013)
»Spannend zu lesende Studie.«
Gudrun Hauer, LAMBDA nachrichten, 143/1 (2012)
»[H]eilmanns Arbeit [zeigt] u.a., dass die neue Toleranz gegenüber Homosexuellen enge Grenzen kennt und nur so weit reicht, wie sich Spitzenpolitiker den Mustern hegemonialer Männlichkeit unterordnen.«
Marius Hildebrand, PW-Portal, 11 (2011)
»Exzellente Analyse.«
Bettina Bock von Wülfingen, Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien - Bulletin Info, 43 (2011)
Besprochen in:
Rosige Zeiten, März/April 2011, Heinz-Jürgen Voß
www.schwule-seite.de, 3 (2011)
Psychologie Heute, 2 (2012), Christine Weber-Herfort
Männlichkeit, Homosexualität, Normalisierung, Identität, Diskursanalyse, Mediendemokratie, Modernisierung, Stereotype
Soziologie, Gender Studies, Politikwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaften
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Interview

... mit Dr. phil. Andreas Heilmann
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu? Der zunehmend offene Umgang mit Homosexualität in den Spitzen der Politik wirft die Fragen auf: Ist unsere Gesellschaft, unser Staat tatsächlich ... mehrliberaler und pluraler geworden? Repräsentieren offen schwule Politiker in vorbildlicher Weise eine aufgeklärte ›modernisierte‹ Männlichkeit? Und wo schlägt Emanzipation um in erneute Normierungen von Geschlecht und Sexualität? Welche Rolle spielen dabei die Medien und die Medialisierung der politischen Kommunikation?
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Erstmals wird das Phänomen homosexueller Outings in der Politik systematisch empirisch erschlossen. Outings werden im spezifischen Kontext der Mediendemokratie als eigensinnige Handlungsweisen autonomer Akteure ebenso wie als subjektivierende und normierende Sprechweisen des massenmedialen Diskurses beleuchtet. In diesen verschiedenen Perspektiven zeigen sich die Ambivalenzen einer neuen ›Normalität auf Bewährung‹ zwischen Transformation und Resouveränisierung männlicher Herrschaft.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In der Geschlechterforschung hat das Thema Männlichkeit Konjunktur. Die Analyse homosexueller Outings in einer Männlichkeitsarena wie der Politik trägt neue empirische und theoretische Erkenntnisse zu der aktuellen Debatte bei, inwieweit sich hegemoniale Männlichkeit durch Flexibilisierung erneuert und transformiert – oder ob sie gar erodiert. Für die politische Kommunikationsforschung liegt ein elaboriertes empirisches Fallbeispiel für die Symbiosebeziehung zwischen Politik und Medien vor.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
In sozial-, kultur- und medienwissenschaftlichen Fachkreisen ebenso wie im konkreten Praxisfeld. Darüber hinaus natürlich gerne in einer vertiefenden Nachlese ›unter Vieren‹: mit den Herren Volker Beck, Klaus Wowereit, Ole von Beust und Guido Westerwelle – ihre Fälle lesen sich als wirklich fesselnde Geschichten! Oder mit Fritz J. Raddatz, der im Focus am Beispiel Westerwelles die These vertritt, dass ›der deutsche Spießer‹ nur erfolgreichen Homosexuellen ihre Neigung ›verzeihe‹.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Warum geoutete schwule Politiker nicht etwa trotz, sondern auch wegen ihrer Homosexualität gewählt werden – und zu welchem Preis.
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