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Mona Motakef

Körper Gabe

Ambivalente Ökonomien der Organspende
2011, 268 S., kart., 29,80 €
ISBN 978-3-8376-1631-6
Reihe Materialitäten
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Obwohl bei einer Organspende dem Körper Teile entnommen werden, gilt sie nicht als Tabu, sondern als Inbegriff einer guten Tat. Medizin und Bioethik diagnostizieren, dass es von diesen guten Taten zu wenige gibt und diskutieren, wie der Mangel an Organspenden überwunden werden kann.
Mona Motakef entreißt der Perspektive, die nur nach Optimierung fragt, ihre Selbstverständlichkeit. Im Rückgriff auf das soziologische Instrumentarium aus Gouvernementalitäts-, Körper- und Gabenforschung rekonstruiert sie, wie die Verfügbarkeit von Körpern und die Veräußerbarkeit von Subjekten im biopolitischen Diskurs der Organspende verhandelt wird.
Mona Motakef (Dr. phil.) arbeitet als Sozialwissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Körper, Gabe, Geschlecht, soziale Ungleichheit und qualitative Methoden am Institut für Soziologie der Universität Duisburg-Essen.
WWW: www.uni-due.de/soziologie/motakef.php
»Der Verdienst der Analyse ist in Distanz zur Regulierungsperspektive zu gehen. Anstatt zu fragen, wie der Mangel an Organspenden effizient überwunden werden kann, wird der Blick auf die ökonomischen Prozesse gerichtet.«
Imu!se, 77 (2012)
Besprochen in:
www.schattenblick.de, 6 (2011)
Soziologische Revue, 36 (2013), Stefanie Duttweiler
Organspende, Organmangel, Biopolitik, Körper, Gabe, Gouvernementalität
Soziologie, Medizin, Theologie, Philosophie, Anthropologie, Gender Studies und die interessierte Öffentlichkeit
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Mona Motakef ist für ihren Band »Körper Gabe« mit dem Nachwuchspreis der Sektion ›Soziologie des Körpers und des Sports‹ 2012 ausgezeichnet worden.
Interview

... mit Mona Motakef
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Mein Buch räumt mit der Gewissheit auf, dass es über Organspende nichts mehr zu verhandeln gibt, außer der Frage, wie sie effizienter gestaltet ... mehrwerden kann. Dagegen eröffnet es eine Perspektivenvielfalt und richtet den Blick auf die Ambivalenzen und Widersprüche des Feldes.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Mithilfe körper-, -gaben und gouvernementalitätstheoretischer Ansätze ›soziologisiert‹ es ein biopolitisches Phänomen, das häufig der Medizin und Bioethik überlassen wird. Dazu problematisiert und rekonstruiert es den Wandel von Körpern und Subjektformen im Diskurs des Organmangels und diskutiert den bemerkenswerten Befund zur Organspendebereitschaft, dass Frauen wesentlich häufiger als Männer Lebendorganspenden unternehmen und Angehörige der Mehrheitsgesellschaft häufiger als Minderheiten.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Mit dem Thema der Organspende bildet das Buch einen Beitrag zu biopolitischen Debatten. Es füllt hier eine wichtige Lücke, wenn es die Frage stellt, was es bedeutet, dass wir Teile des Körpers verschenken. Über Organspende gab es bis Mitte der 1990er Jahre eine intensive Diskussion, insbesondere über das Hirntodkonzept. Seitdem hat sie sich massiv verändert, aber die Auseinandersetzungen sind ausgeblieben. Von daher verbinde ich mit dem Buch das Anliegen einer Wiederbelebung und auch Politisierung des Themas.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit Kaushik Sunder Rajan, dem Autor von »Biokapitalismus«, prinzipiell aber mit allen, die sich die Frage stellen, was es bedeutet, dass Ökonomien in unsere Körper eingedrungen sind.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Anstatt nach Strategien zu suchen, wie Organspende optimiert werden kann, verhandelt das Buch die Frage, wie über Körper verfügt werden soll und welche neuen biopolitischen Rechte und Pflichten daraus entstehen.
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