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Sebastian Neußer

Die verborgene Präsenz des Künstlers

Inszenierungen der Abwesenheit bei Salvador Dalí, Joseph Beuys, Robert Morris und Vito Acconci
2011, 228 S., kart., zahlr. z.T. farb. Abb., 28,80 €
ISBN 978-3-8376-1635-4
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Verborgen präsent ist ein Künstler dann, wenn er seinen Körper vollständig verhüllt, vergräbt, einmauert, einwickelt oder auf andere Weise unsichtbar inszeniert. Er schafft einen Innenraum, mit dem er das Abgetrenntsein von der Außenwelt markiert, zugleich aber direkten Kontakt hält, um alternative Interaktionsmöglichkeiten zu erforschen.
Sebastian Neußer zeigt, dass diese Inszenierungen im Verborgenen, die von der Kunstwissenschaft bislang wenig beachtet wurden, im Schaffen von Salvador Dalí, Joseph Beuys, Robert Morris und Vito Acconci einen zentralen Stellenwert einnehmen.
Sebastian Neußer (Dr. phil.) arbeitet als Autor und Kurator. Sein Forschungsinteresse gilt den Berührungspunkten von bildender Kunst, Politik, Geistes- und Naturwissenschaften.
Kunst, Körper, Inszenierung, Subjekt, Anthropologie
Kunstgeschichte, Kulturwissenschaften, Bildwissenschaften, Philosophie, Soziologie
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Interview

... mit Dr. phil. Sebastian Neußer
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die verborgen präsente Anwesenheit des menschlichen Körpers ist seit den Anfängen ägyptischer Bestattungsrituale und dem Entstehen ... mehrder biblischen Texte kulturprägendes Motiv. Sein Einfluss auf Philosophie, Literatur, Ethnologie, Anthropologie und die bildende Kunst wurde bisher nicht untersucht und so verstehe ich meine Arbeit als eine Art Karte zur ersten Orientierung. Kein anderes Buch vermittelt die Kontexte und Bezüge des künstlerisch inszenierten Körperverbergens im 20. Jahrhundert.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Im Schaffen der hier untersuchten Künstler spielt das Motiv der verborgenen Körperpräsenz eine zentrale Rolle. Die intensive Beschäftigung mit bereits angesprochenen Motivquellen war in der Regel Basis der Auseinandersetzung, doch die künstlerischen Motivformulierungen eröffnen jeweils zeit- und ortspezifische Bezüge. Methodisch verzichtet die Arbeit auf eindimensionale Bedeutungszuschreibungen und zielt vielmehr auf eine Rekonstruktion heterogener Bezugssysteme.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Inszenierungen der verborgenen Körperpräsenz gehören bei Dalí, Beuys, Morris und Acconci zu den bekanntesten und meist diskutierten Arbeiten im Gesamtwerk. Die kunstwissenschaftlichen Untersuchungen hierzu verlieren sich allerdings in der oberflächlichen Betrachtung der performativen Handlung. Bezüge zu anderen Arbeiten, Interviews oder schriftlichen Ausführungen der Künstler selbst werden nicht erkannt. Auch allgemeine Texte zur künstlerischen Performance ließen das Motiv unberührt.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Der liebste Gesprächspartner wäre mir fraglos Samuel Beckett gewesen. Als einer der ersten erkannte er die Kraft des mythologischen Motivs, mit dem er beispielsweise die Isoliertheit eines Murphys zum Ausdruck brachte. Sein Einfluss auf die Kunst der 1960er Jahre ist kaum zu überschätzen und ohne seine Bücher wäre die verborgene Präsenz des Körpers wahrscheinlich nicht zu einem Thema geworden, das bis in die Gegenwart hinein Künstler und Literaten beschäftigt.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein Buch für diejenigen, die der Kampf mit allzu breit getretenen Pfaden und verbohrten Sekundärliteraten ermüdet hat.
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