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Jörg Gertel, Sandra Calkins (Hg.)

Nomaden in unserer Welt

Die Vorreiter der Globalisierung: Von Mobilität und Handel, Herrschaft und Widerstand
2011, 304 S., Hardcover, durchgehend vierfarbig bebildert, 19,80 €
ISBN 978-3-8376-1697-2
Reihe Global Studies
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Nomaden scheinen aus unserem Alltag fast vollständig verschwunden zu sein. Doch die Abhängigkeit von Mobilität, die Bewältigung finanzieller Unsicherheiten sowie der ausgewogene Umgang mit unserer Umwelt fordern alle, auch ›moderne‹ Gesellschaften heraus.
In der Wahrnehmung von Sesshaften verkörpern Nomaden und andere Mobile bis heute allerdings oft das Rückständige, Fremde und Bedrohliche, besonders im Hinblick auf staatliche Ordnungen. Dieser Band zeigt Nomaden hingegen als frühe Globalisierer. Er verdeutlicht, welche Flexibilität sie im Umgang mit widrigen Bedingungen entfalten, wie sie ihr Überleben in karger Umwelt gestalten und wie sie es schaffen, über Jahrtausende nachhaltig mit knappen Ressourcen zu wirtschaften.
Jörg Gertel (Prof. Dr.) lehrt Wirtschaft und Sozialgeographie am Orientalischen Institut der Universität Leipzig und ist Sprecher des Sonderforschungsbereiches »Differenz und Integration«.
Sandra Calkins (M.A.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB »Differenz und Integration« an der Universität Leipzig. Sie promoviert zur institutionellen Aushandlung sozialer Sicherheit bei Kamelnomaden im Nordostsudan.
WWW: Sonderforschungsbereich »Differenz und Integration«
»Wenn aus dem Mythos des Nomadentums Erkenntnisgewinne für die Frage, wie wir Menschen geworden sind, was wir sind, entstehen sollen, bedarf es einer anthropologischen, historischen, kulturellen, geographischen und politischen Nachschau, die mit diesem Sammelband geleistet wurde. ›Der Nomade in uns‹, das ist nicht nur eine Metapher!«
Jos Schnurer, socialnet.de, 21.12.2011
Besprochen in:
pw-portal.de, 1 (2012), Natalie Wohlleben
Nomaden, Viehhaltung, Mobilität, Afrika, Asien, Globalisierung
Geographie, Ethnologie, Geschichte und die interessierte Öffentlichkeit
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Interview
... mit Sandra Calkins
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Technologie und Fortschritt sind fast zu Glaubensbekenntnissen in kapitalistischen Gesellschaften geworden. Nomaden, die mit ihren Viehherden herumziehen, ... mehrwirken da wie ein Anachronismus, ein merkwürdiges Überbleibsel einer überholten Lebensweise. Das Buch zeigt: Moderne Gesellschaften haben mehr mit Nomaden gemein als landläufig vermutet. Denn gerade der Kern des ›Nomadischen‹ – die ständige Mobilität und die flexible Anpassung an sich wandelnde Bedingungen –, sind heute wichtiger als je zuvor.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ethnologen, Geographen, Historiker, Archäologen und Orientwissenschaftler berichten anschaulich aus ihrer langjährigen Forschung über Nomaden. Die 27 Kurzbeiträge des Buchs führen den Leser an unterschiedliche Schauplätze zwischen Marokko im Westen, Sudan im Süden, Sibirien und Tibet im Nordosten, und das in der Zeitspanne der letzten 5.000 Jahre. So erhält der Leser ungewohnte Einblicke in den Alltag von Nomaden in Vergangenheit und Gegenwart.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Seit alters sind Nomaden hoch mobil, reagieren flexibel auf Krisen und wirtschaften mit knappen Ressourcen. Damit sind sie eine Art Vorreiter der Globalisierung. Nomadenforschung brachte bisher einen weitgehend eigenständigen Literaturkorpus hervor. Unser Forschungsprojekt zielt darauf ab, neue Erkenntnisse, auch aus der historischen und archäologischen Arbeit, stärker in die sozialwissenschaftliche Mobilitäts- und Globalisierungsforschung zu integrieren.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Das Buch richtet sich besonders an ein breites Publikum, das nichts mit Nomaden zu tun hat. Am liebsten würde ich mit Leuten darüber sprechen, die sehr romantische Vorstellungen des Nomadendaseins hegen. Da ist schnell die Rede von Ursprünglichkeit, Freiheit, Wildnis und Abenteuer. Nomade zu bleiben, bedeutet heute aber vor allem harte Verhandlungen um knappe Weiden, wiederkehrende Dürren und Viehseuchen sowie grundlegende existenzielle Ängste zu meistern.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Der Titel spricht von Nomaden in ›unserer Welt‹. Liebe Leser, wir laden Sie damit ein, sich diesem wenig beachteten und dennoch der Zeit trotzenden Segment unserer Welt zu öffnen.
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