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Ralf Bohn, Heiner Wilharm (Hg.)

Inszenierung und Vertrauen

Grenzgänge der Szenografie
2011, 392 S., kart., 32,80 €
ISBN 978-3-8376-1702-3
Reihe Szenografie & Szenologie
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Was sich in sozialen Praktiken auf Undarstellbares bezieht, verlangt nach Vertrauenserweisen. Inszenierungen als Konstruktionen gesellschaftlicher Beziehungen sondieren und besorgen solche Verbindlichkeiten. Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Frage, wo – von der Warenpräsentation bis zur Inszenierung von Krisen und Katastrophen – die Grenzen und Möglichkeiten szenografischer Konzepte liegen und welche ökonomischen, ethischen und gestalterischen Kriterien der Vertrauenskonstruktion denkbar sind. Die Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Kunst und Design thematisieren die Wirkungen szenografischer Arbeit und den Stand der szenologischen Reflexion.
Ralf Bohn (Prof. Dr.) ist Professor für Medienwissenschaften und arbeitet im Schnittpunkt von philosophischer, psychoanalytischer und technischer Medienanalyse.
Heiner Wilharm (Prof. Dr.) ist Professor für Designtheorie und Gestaltungswissenschaften und arbeitet mit Schwerpunkt Zeichen, Kommunikation und Inszenierung.
Die Herausgeber lehren am Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund und begleiten den Master-Studiengang »Szenografie und Kommunikation« wissenschaftlich und konzeptionell.
WWW: www.scenology.eu
»[I]nsgesamt ist der Band eine Fundgrube an klugen und inspirierenden Beobachtungen.«
Die Deutsche Bühne, 8 (2011)
Szenografie, Inszenierung, Vertrauen, Krise, szenologische Reflexion
Szenografie, Kunstwissenschaft, Gestaltungswissenschaften, Kulturwissenschaft, Philosophie
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Interview
... mit Prof. Dr. Ralf Bohn
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Alle Welt beschwört derzeit die Kapitalisierung von Vertrauen. Die Bundeskanzlerin erklärt 2011 zum Jahr des Vertrauens. Um Vertrauen zu ... mehrerwerben, muss man Handlungen, ihre Motivationen und Strategien offen legen. Vertrauensbildung stellt eine soziale Inszenierungspraxis dar, die in einer Mediengesellschaft professionell gelernt werden kann. Wie man sowohl im ästhetischen wie politischen Sinne Vertrauen entfaltet, simuliert und dissimuliert, zeigt im szenografischen Zusammenhang dieses Buch.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Ästhetik und Politik – das sind in einer Medienwelt nicht länger getrennte Handlungsfelder. Auch die Trennung von Akteuren und Beobachtern ist seit der performativen Wende nicht aufrecht zu erhalten. Was sich auf Aktualität, Spontanität und Unsichtbarkeit bezieht, bedarf besonderer Bindungskräfte und Vertrauensmaßnahmen. Die Beiträge zeigen, dass solche Initiativen im Rahmen szenografischer Professionalisierung narrative Leitstrategien und Grenzgänge beinhalten, die mehr tun als nur magische Handlungsoptionen zu beschwören.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Luhmanns systemtheoretische Darstellung aus dem Jahr 1968 ist immer noch die Referenzschrift zum Thema Vertrauen. Wenn von der Finanz- über die Atom- bis zur Umweltkrise Vertrauen beschworen wird, dann handelt es sich um magische Akte der Hilflosigkeit, die zeigen, dass der aus systemischer Sicht abgeleitete Beobachterstatus kein Kriterium für Vertrauen abgeben kann. Nicht als Rationalisierungen, sondern gerade als deren affektiv aktualisierte Infragestellung sind Vertrauensinszenierungen neu zu denken.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Bei den derzeitigen Vertrauenskrisen mit der noch amtierenden Regierung, aber auch mit den populären Führungsfiguren der allenthalben aus dem Boden sprießenden Empörungsaktivisten, die die herkömmlichen Strategien des Vertrauens subversiv herausfordern.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Es wird gezeigt, dass mediale Inszenierungen vertrauensbildend sein können, wenn sie ihre Motive und Strategien im narrativen Spiel offen legen und dadurch Handlungsoptionen initiieren, statt sie zu befehlen.
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