|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
David Johannes Berchem

Wanderer zwischen den Kulturen

Ethnizität deutscher Migranten in Australien zwischen Hybridität, Transkulturation und Identitätskohäsion
2011, 708 S., kart., 42,80 €
ISBN 978-3-8376-1798-6
Reihe Kultur und soziale Praxis
|
 |

Bestellen |
Migranten gehören zu den wohl einflussreichsten Agenten der »Globalisierung von unten«. Diese auf einer ethnographischen Feldforschung basierende kulturanthropologische Mikrostudie zur Ethnizität deutscher Migranten in Sydney untersucht nicht nur bewegte Lebensformen vor einem deutsch-australischen Gesellschaftshorizont, sondern analysiert auch die Verlaufsmuster von Integration, Akkulturation und Differenzgenerierung. Über einen erfahrungsnahen methodischen Zugang zeichnet das Buch ein kaleidoskopisches Bild vom deutschen Alltag am buchstäblich anderen Ende der Welt.
David Johannes Berchem hat Kulturanthropologie/Volkskunde, Ethnologie und Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn studiert und im Bereich Kulturanthropologie/Volkskunde promoviert. Zu seinen Arbeitsschwerpunkten gehören Migration und Ethnizität, ethnographische Feldforschung, Brauch- und Ritualforschung, Interkulturelle Kommunikation und die Wissenschaftsgeschichte der Disziplin Kulturanthropologie.
»Das Buch [ist] sehr informativ und gibt eine Reihe von Einsichten in den Alltag deutscher Einwanderer in Australien, die für jeden interessant sind, der sich mit Australien und insbesondere mit der Einwanderung nach dem zweiten Weltkrieg beschäftigen möchte.«
Barbara Jordans, Rundbrief Pazifiknetzwerk e.V., 3 (2013)
Migration, Auswanderer, Ethnizität, Multikulturelle Gesellschaft, Integration, Akkulturation, Interkulturelle Kommunikation, Sydney
Kulturanthropologie, Europäische Ethnologie, Empirische Kulturwissenschaft, Cultural Studies
Weiterempfehlen
|
 |
Interview

... mit David Johannes Berchem
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Gerade in unserer heutigen Welt sind wir nahezu täglich mit mehr oder weniger seriösen Kommentaren von Meinungseliten konfrontiert, die ... mehruns unter Zuhilfenahme sowohl quantitativer Daten als auch einer fragwürdigen symbolischen Ikonographie vor ethnischen Partikularismen, angestammten Loyalitäten, primordialen Identitäten und der Revitalisierung ethnisch etikettierter Kulturpraxen in vorgeblich parallelgesellschaftlich strukturierten Migrantengemeinden warnen, und damit gleichzeitig das ›Scheitern der Integration‹ verkünden. Gerade vor dem Hintergrund der in kontinuierlichen Abständen aufflackernden Integrationsdebatte sowie dem weitreichenden Verflüssigungsprozess von kulturellen Grenzen aufgrund global gestimmter Migrationsdynamiken, ist ein Buch, das Aufklärung über die alltagskulturellen Realitäten von mobilen Menschen bietet, nie fehl am Platze.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Neben der Fokussierung auf die sich zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Sydney aufspannenden Mobilitätsströme, deren Strukturfaktoren und gesamtgesellschaftlichen Rahmenbedingungen u. a. eine Rolle spielen, beleuchtet das Buch grundsätzlich die weniger hinterfragten Sphären migrantischen Daseins, in denen die Wanderer zwischen den Kulturen mit Hilfe von Identitätskonzepten und Differenzentwürfen nuancenreiche Konstruktionen von Ethnizität erzeugen, die den bewegten Lebensformen zwischen Disapora und Heimat wieder erkennbare Strukturen verleihen. Insbesondere an soziokulturellen Phänomenen, die mit der transnationalen Migration einhergehen, lassen sich anschaulich gesamtgesellschaftliche Transformationen von gängigen Vorstellungen wie Fremdheit, nationalstaatliche Zugehörigkeit, Beheimatung und De-Territorialisierung ablesen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In der jüngsten Vergangenheit entwickelten in erster Linie die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen aus der Europäischen Ethnologie und Kulturanthropologie eine theoretisch sowie methodisch fundierte Expertise bei der Untersuchung von Wanderungsbewegungen, Akkulturation, Ausgrenzungsmechanismen und den Wechselwirkungen von Kulturkonflikten. In diesem akademischen Kontext verortet sich auch das vorliegende Buch. Im Vergleich zu den enzyklopädisch angelegten Publikationen zu gesellschaftlichen Problemstellungen im Kontext von Migration und Multikulturalismus von Autoren wie Steven Vertovec, Gerd Baumann, Klaus J. Bade oder James Jupp, die allesamt dazu tendieren, die Alltagskultur der ›einfachen Menschen‹ auszuklammern, besticht der auf direkter Kulturerfahrung in überschaubaren Mikroräumen sich stützende Ansatz in erster Linie dadurch, dass er dem Migranten die Rolle als aktiven Bedeutungsgeber zugesteht.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Im Anbetracht des Nachhalls der Writing-Culture Debatte, bei der u. a. die Repräsentation, Referentialität, Autorität und Authentizität ethnographisch erhobener Quellen im Spannungsfeld von ›poetics‹ und ›politics‹ kontrovers erörtert wurden, wäre es mir eine außerordentliche Freude ins Untersuchungsfeld zurückzukehren, um die nun in Textform vorliegenden Ergebnisse mit meinen Gewährsleuten zu diskutieren und damit die Validität der empirischen Erkenntnisse auf den Prüfstand zu stellen. Möglicherweise haben die Auswanderer bereits alternative Lesarten von ihren kulturellen Bedeutungswelten entwickelt.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch über die deutschen Migranten in Sydney offeriert nicht nur kulturanalytisch generierte Aufschlüsse über mobile Lebenswirklichkeiten im Zeitalter der Globalisierung, sondern trägt darüber hinaus maßgeblich zum Verständnis der kulturellen Komplexität von Wanderungsdynamiken bei.
Weitere Titel zu
|