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Die sozialdemokratische Arbeiterbewegung in Deutschland hat sich bis 1914 kontinuierlich entwickelt. Man trat optimistisch und zukunftsgewiss auf und wähnte sich im Einklang mit dem Fortschritt der Gesellschaft. Der Erste Weltkrieg und die gescheiterte Revolution von 1918/19 jedoch führten zu einem jähen Einschnitt.
Gleichsam als Seismographen für die Krise in der Arbeiterbewegung der Zwischenkriegsjahre wirkten ihre Jugendorganisationen. Hier lebten sich die Zweifel am bisherigen Fortschrittsparadigma aus, hier traten Lebens- und Individualreform gleichwertig neben die klassische Gesellschaftsreform. Am Ende der Weimarer Republik hatten neue gesellschaftliche Bewegungen weit links und weit rechts an Terrain gewonnen; zudem verdrängten die kommerziellen Freizeitkulturen die überkommenen Verbandsangebote der sozialistischen Jugend in den Arbeiterquartieren der Industriestädte.
Franz Walter zeichnet die Krise des Weimarer Sozialismus nach und weist auf die tiefe, konfliktträchtige Kluft zwischen den Generationen im Sozialismus hin. Er zeigt, wie die alten sozialistischen Offerten an Zugkraft verloren – aber auch den Weg frei gemacht haben für neue Entwürfe im jungen Sozialismus der 1920er und 1930er Jahre.
Franz Walter (Prof. Dr.) ist Direktor des Instituts für Demokratieforschung an der Universität Göttingen. Er publiziert vor allem zur Geschichte und Entwicklung der deutschen Parteien, u.a. regelmäßig auf SPIEGEL ONLINE. Bei transcript erschien zuletzt sein Buch »Gelb oder Grün? Kleine Parteiengeschichte der besserverdienenden Mitte in Deutschland« (2010).
WWW: www.demokratie-goettingen.de
»Der Studie gelingt es, vielfältige methodische Zugänge zum Weimarer Jungsozialismus zu finden.«
Matthias Busch, H-Soz-u-Kult, 12.12.2011
»Eine eindringliche, ebenso einfühlsame wie reflektierte Darstellung der kurzen, aber außerordentlich bewegten und konfliktreichen Geschichte der sozialdemokratischen Pateijugend zwischen Kaiserreich und ›Drittem Reich‹.«
Eberhard Kolb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2011
»Walters Untersuchung ist überaus materialreich, lesenswert und anregend, macht sie doch die fast unüberschaubare Vielfalt unterschiedlicher Strömungen deutlich, die es in der deutschen Sozialdemokratie zwischen der Novemberrevolution und dem Beginn der NS-Diktatur gegeben hat.«
Manfred Weißbecker, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 59/10 (2011)
Besprochen in:
PW-Portal, 11 (2011), Stephan Klecha
Jugendbewegung, Lebensreform, Linkssozialismus, Arbeiterjugend, Jungsozialisten, SPD, Generationen, Klassenkampf, Austromarxismus
Politikwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaft, Bewegungsforschung sowie die interessierte Öffentlichkeit
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Aus dem Medienecho
»Eine eindringliche, ebenso einfühlsame wie reflektierte Darstellung.«
Eberhard Kolb, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.12.2011
Interview

... mit Franz Walter
1. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Manche, hoffe ich. Auf eine möchte ich kurz hinweisen: Es wird deutlich, welche Zäsur die Jahre 1926/27 in kultureller, politischer und generationsspezifischer Hinsicht bedeuten. ... mehrIn der politisierten Jugend der Weimarer Republik vollzog sich ein enormer Radikalisierungsschub in diesen beiden Jahren – also längst vor den gemeinhin hierfür verorteten Krisenjahren 1929-1932.
2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
In der Wissenschaft ist in den letzten Jahren die Kategorie der ›Generation‹ negativ ins Gerede gekommen; in dieser Schrift wird sie zu rehabilitieren versucht. Und in Gesellschaften ohne viel Jugend könnte ein Blick auf historische Konstellationen mit viel Jugend doch ganz interessant sein.
3. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Ich diskutiere gar nicht so gerne über Bücher. Über die eigenen erst recht nicht. Denn ist das Buch draußen, dann bewegt man sich in der Regel bereits auf einem ganz anderen Gebiet.
4. Ihr Buch in einem Satz:
Das Buch handelt von jungen Arbeiter-Intellektuellen zwischen wütendem Aktivismus und resignierter Melancholie im sich abzeichnenden Abstieg von Sozialismus und Arbeiterbewegung in Deutschland.
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