Im Frühjahr 1957 bedienten sich 18 Kernphysiker einer uralten Methode, Politik zu machen. Sie verfassten ein politisches Manifest: die »Göttinger Erklärung«, mit der sie zu Ikonen der friedensbewegten Anti-Atomwaffenproteste avancierten.
Robert Lorenz geht den politischen Wesenszügen der erklärten Nichtpolitiker nach, untersucht ihre Motive und Wirkung. Er fragt, weshalb ehrwürdige Nobelpreisträger wie Max Born, Otto Hahn und Werner Heisenberg öffentlich die Bundesregierung angriffen, und beleuchtet, wie der Physiker Carl Friedrich v. Weizsäcker zum prominenten »Friedensphilosophen« aufsteigen konnte.
Robert Lorenz (Dr. disc. pol.) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Demokratieforschung an der Universität Göttingen. Bei transcript erschien zuletzt sein mit Johanna Klatt herausgegebener Band »Manifeste. Geschichte und Gegenwart des politischen Appells« (2010).
WWW: www.demokratie-goettingen.de
»Eine interessante Lektüre.« Jürgen Altmann, Wissenschaft & Frieden, 2 (2013)
»Ein neues Standardwerk zur Göttinger Erklärung, das in einem gekonnten Schreibstil verfasst, überaus spannend zu lesen ist und nachhaltig zur Lektüre empfohlen werden kann.« Christian Forstner, Berichte zur Wissenschaftsgeschichte, 35 (2012)
»Robert Lorenz bietet einen umfassenden Einblick in den geschichtlich-politischen Hintergrund jener Zeit und legt großen Wert darauf, dem Leser sowohl die durchaus konträren Ansichten der beteiligten Akteure verständlich zu machen als auch deren Motive kritisch zu beleuchten.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2012
»Zusammenfassend kann [...] gesagt werden, dass Lorenz sich in seiner Arbeit einem wichtigen Thema aus einer neuen Perspektive nähert, es kritisch hinterfragt und zum Nachdenken anregt. Seine Untersuchung der Göttinger Erklärung ist zweifelsohne lesenswert.« Detlef Busse, Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte, 84 (2012)
»Das Werk verarbeitet ein historisches Thema mit hochaktuellem Bezug fesselnd und mit einem kreativen Schreibstil.« www.stiftungen.org, 04.11.2011
»Kenntnisreich, sprachlich anregend geschrieben und auf dem Stand der neuesten Forschung.« Simon Renkert, H-Soz-u-Kult, 21.10.2011
»Ein umfassender Einblick in den geschichtlich-politischen Hintergrund jener Zeit.« Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2012
Interview
... mit Robert Lorenz
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Buch gibt einen Einblick in eine turbulente Zeit, den 1950er Jahren, in der Atomforscher ihre wissenschaftliche Rolle der ›prometheischen Menschen‹, ... mehrderen Arbeit Wohlstand für jedermann verhieß, zu einer politischen erweiterten und sich in die Arena der politischen Meinungsbildung begaben.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Der Band zeigt an einem prominenten Beispiel, wie ihrem Selbstverständnis nach apolitische Wissenschaftler auf dem Weg des politischen Manifests versuchten, politische Entscheidungen herbeizuführen und dabei auch den Umgang mit der Öffentlichkeit nicht scheuten. Außerdem beleuchtet es den Mythos der ›Göttinger Erklärung‹, die häufig als Gewissensakt couragierter Professoren begriffen wird, jedoch auch andere Ursachen hat.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Zum einen stehen die ›Göttinger Achtzehn‹ beispielhaft für die Übernahme einer gesellschaftlichen Verantwortung für die wissenschaftliche Erkenntnis, die sich im Fall der Kernphysiker durch deren Bereitschaft zum Bau der Atombombe besonders drastisch darstellte. Mit ihrem Manifest trugen sie als Akteure der Zivilgesellschaft zu einer kritischen Öffentlichkeit, zur Korrektur von Politik bei. Zum anderen zeigt sich im Hinblick auf eine wachsende Sehnsucht der Bürger nach ›richtigen‹ Entscheidungen, dass die Beratung der Politik durch Experten nicht zwangsläufig zu ›besseren‹ Ergebnissen führt – verharmlosten die Kernphysiker aus eigenem Interesse doch bewusst die Risiken von Atomkraftwerken und verlangsamten dadurch die Bildung einer differenzierten Meinung im Anschluss an die Euphorie des Atomzeitalters.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Eigentlich mit dem verstorbenen Initiator und Autor der ›Göttinger Erklärung‹, Carl Friedrich v. Weizsäcker – für den das Manifest ein Schlüsselereignis seiner Karriere war.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Die Geschichte von achtzehn Kernphysikern, die das Unbehagen über die Atombombe in politische Worte fassten und damit die Massen bewegten.