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Bettina Heintz, Martina Merz, Christina Schumacher

Wissenschaft, die Grenzen schafft

Geschlechterkonstellationen im disziplinären Vergleich
2004, 320 S., kart., 26,80 €
ISBN 978-3-89942-196-5
Reihe Sozialtheorie
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Anhand ethnographischer Fallstudien in vier Disziplinen – Architektur, Botanik, Pharmazie und Meteorologie – geht das Buch der Frage nach, ob und auf welche Weise sich die Geschlechterdifferenz im wissenschaftlichen Alltag artikuliert. Mit ihrer disziplinär vergleichenden Perspektive betritt die Studie Neuland: Sie vermittelt einen Blick auf die vielfältigen Unterschiede zwischen den Disziplinen und identifiziert damit die Konstellationen, unter denen geschlechtliche Zuschreibungen das wissenschaftliche Universalismusprinzip unterlaufen können. Damit stellt sie für die Geschlechter- wie auch für die Wissenschaftsforschung einen wichtigen und innovativen Beitrag dar.
Bettina Heintz ist Professorin für Soziologie an der Universität Bielefeld.
Martina Merz (Dr. rer. nat.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Observatoire Science, Politique et Société der ETH Lausanne.
Christina Schumacher (lic. phil. I) ist Dozentin für Soziologie am Departement Architektur der ETH Zürich.
WWW: Heintz
»Schaut man diese Kriterien durch, dann fällt auf, dass in der Wissenschaft wirksame Geschlechterdifferenzen offenbar vorwiegend in anderen sozialen Feldern erzeugt und insbesondere im 'wissenschaftlichen Alltag' virulent werden. Dies würde erklären, weshalb sie in vielen Fällen erstaunlich wissenschaftsunspezifisch sind. Die Autorinnen nehmen dazu nicht Stellung, was ein Beleg dafür ist, wie sorgsam sie sich dem Thema genähert, wie weit sie sich von allen Vorannahmen distanziert und welch vorbildlichen ethnographischen Blick sie entwickelt haben.«
Eva Barlösius, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 12 ( 2005)
»Kaum eine Fachrichtung, ein Forschungsprojekt, eine Kommission, die nicht nach Frauen suchen. Man will sie offenbar, die jungen Forscherinnen - warum kommen sie nicht in hellen Scharen gelaufen? Für ein Nationalfondsprojekt unter der wissenschaftlichen Leitung von Bettina Heintz, Professorin für Soziologie an der Universität Bielefeld, haben sich Christina Schumacher und Martina Merz deshalb aufgemacht in den Dschungel der Wissenschaft, um das Problem dort zu erforschen, wo es allem Anschein nach entsteht: in den wissenschaftlichen Instituten, an jener Nahtstelle zwischen Studium und Forschung, wo Doktorarbeiten zu ersten Assistentenstellen führen und wo dann die Entscheidung fällt, ob frau bleibt - oder geht.
Das Resultat des Unternehmens ist mindestens so komplex wie die Untersuchungsanlage und fördert durchaus Amüsantes zu Tage.«
Annette Zimmer, NZZ, 26.09.2004
»Dem jüngst erschienenen Buch 'Wissenschaft, die Grenzen schafft' geht es nun nicht um diese Rahmenbedingungen - etwa die größeren familiären Belastungen oder das Fehlen sozialer Netzwerke von und für Frauen. Die drei Soziologinnen Bettina Heintz, Martina Merz und Christina Schumacher untersuchen darin vielmehr die Karrierebedingungen aus der Perspektive der Betroffenen. Dazu wählten sie vier Institute einer Schweizer technischen Hochschule aus, beobachteten deren Alltag und führten mit Mittelbau-Vertretern beiderlei Geschlechts Interviews. Was im Jargon 'soziologische Ethnografie' heißt, führt zu einer Reihe interessanter Ergebnisse - nicht zuletzt für die Autorinnen selbst. Ihre ursprüngliche Forschungsthese, wonach Distanzierung und Entfremdung von der Wissenschaft als Beruf mit dem Mittelbau beginne, ließ sich in dieser Einfachheit nämlich nicht verifizieren. Geschlechtliche Differenzierung sei vielmehr 'vielschichtig', so die Autorinnen. Obwohl Frauen in den höheren Rängen des Wissenschaftssystems deutlich unterrepräsentiert sind, konnten auf der Ebene der Selbstbeschreibungen keine durchgängigen Geschlechterunterschiede festgestellt werden. 'Weiblich' oder 'männlich' wird hier zu einem Faktor unter vielen, der zur wissenschaftlichen Identität beiträgt. Als mindestens ebenso wichtig stellen sich aber die Unterschiede zwischen den wissenschaftlichen Disziplinen selbst heraus - und diese seien bisher von der Wissenschaftsforschung viel zu wenig beachtet worden, so Heintz und ihr Team.«
Lukas Wieselberg, Falter, 41 (2004)
»Die Autorinnen haben eine gut strukturierte und schlüssig aufgebaute Studie vorgelegt. Sie betreten mit ihrem disziplinenvergleichenden Ansatz Neuland in der Kombination von Wissenschaftssoziologie und Geschlechterforschung. Trotz der Komplexität des Untersuchungsansatzes ist die Darstellung gut lesbar, und die Schlussfolgerungen sind allesamt nachvollziehbar. Aufgrund des streckenweise hohen Abstraktionsgrads ist das Buch für die Nicht-Soziologin keine leichte Kost. Die bisweilen etwas trockene soziologische Terminologie wird an vielen Stellen durch Zitate aus den Interviews aufgelockert. Allerdings sind die für die Schweiz gewonnen Ergebnisse durch Studien zu anderen Ländern zu bestätigen, zu modifizieren oder zu verwerfen.«
Anett Moses, www.querelles.net, 14/11 (2004)
Geschlechtersoziologie, Wissenschaftsforschung, Ethnographie
Geschlechterforschung, Wissenschaftsforschung, Soziologie, Architektur, Naturwissenschaften, Gleichstellungsbeauftragte, Wissenschafts- und HochschulpolitikerInnen
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