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Jan Erhorn

Dem »Bewegungsmangel« auf der Spur

Zu den schulischen und außerschulischen Bewegungspraxen von Grundschulkindern. Eine pädagogische Ethnographie
2012, 300 S., kart., zahlr. Abb., 29,80 €
ISBN 978-3-8376-1973-7
Reihe Theorie Bilden
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Die Annahme eines »Bewegungsmangels« ist Gegenstand der öffentlichen und wissenschaftlichen Diskussion um die gesunde Entwicklung von Grundschulkindern. Trotz des breiten Interesses sind die Bewegungsaktivitäten der Kinder als alltägliche soziale Praxis kaum erforscht. Diesem Desiderat widmet sich die ethnographische Studie von Jan Erhorn, die Kinder als Akteure in einem komplexen sozialen Beziehungsgeflecht in Erscheinung treten lässt.
Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf den Schulsport und dessen Bildungs- und Erziehungsauftrag gerichtet. Der Autor plädiert für einen verstärkt am Alltag der Kinder orientierten Schulsport und arbeitet Ansatzpunkte und Handlungsstrategien einer alltagsorientierten Sportdidaktik heraus.
Jan Erhorn (Dr. phil.) lehrt Sportdidaktik und Bewegungserziehung an der Universität Hamburg. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Bewegungspraxen von Kindern, die Alltagsorientierung des Schulsports, Schulsport in der Ganztagsschule, Bewegung und Raum sowie die motorische Entwicklung von Kindern. Im Kontext des Sprach- und Bewegungszentrums, welches im Zuge der Internationalen Bauausstellung 2013 entsteht, beschäftigt er sich mit den Möglichkeiten einer Sprachförderung im Medium der Bewegung.
WWW: Uni Hamburg
»Durch die konkrete Benennung und Analyse der vielfältigen Ausprägungen kindlicher Aktionsformen sowie die Beschreibung der Beziehungen zwischen schulischen und außerschulischen Bewegungspraxen ermöglicht [der Autor] interessierten Sportlehrern einen wissenschaftlich fundierten Zugang zum untersuchten Problemfeld.«
Petra Sieland, SportPraxis, 11/12 (2012)
»Im Endeffekt kann man Jan Erhorn zweifelsfrei bescheinigen, dass er durch sein Buch einen wertvollen Beitrag zur Sportpädagogik bzw. Sportdidaktik im Grundschulbereich geleistet hat.«
Werner Becker, www.socialnet.de, 10.12.2012
Besprochen in:
BISp, 6 (2012)
www.lehrerbibliothek.de, 7 (2012), Dieter Bach
Stadt und Raum, 5 (2012)
Bewegung, Spiel, Sport, Schulsport, Ethnographie, Kinder, Gesundheit
Erziehungswissenschaft, Sportwissenschaft, Soziologie, Kindheitsforschung sowie insbesondere Studierende der Pädagogik, Lehrkräfte und Eltern
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Interview

... mit Jan Erhorn
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Das Buch greift ein sehr aktuelles Thema auf. Die Sorge um einen Bewegungsmangel und sich daraus ergebende negative Folgen für die Entwicklung und ... mehrdie Gesundheit von Kindern ist in Wissenschaft und öffentlicher Diskussion präsent. Wer allerdings Bewegung fördern oder Bewegung als Mittel der Erziehung fruchtbar machen möchte, sollte eine differenzierte Vorstellung davon haben, warum sich Kinder bewegen, wie sie sich bewegen, mit wem sie sich bewegen und welche Erfahrungswelt sich ihnen erschließt bzw. dabei erschlossen werden kann.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
In der öffentlichen und wissenschaftlichen Debatte droht die Fokussierung auf das rechte Maß an Bewegung den Blick für die Vielschichtigkeit des Phänomens zu verstellen. Bewegung von Kindern wird deshalb nicht aus einer Defizitperspektive, sondern als alltägliche soziale Praxis betrachtet. Bewegung stellt einen wichtigen Teil des Kinderalltags dar. Kinder bewegen sich in der Schule, im Sportverein, in der Kita, im Wohnumfeld und bei vielen anderen Gelegenheiten auf sehr vielfältige Art und Weise und sind dabei Teil eines komplexen Beziehungsgeflechts.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Im Rahmen sportdidaktischer Konzepte wird dem Bewegungsalltag der Kinder – als Bedingung für den Unterricht und als Bezugsfeld für die Auswahl von Zielen und Inhalten – zwar durchaus eine hohe Bedeutung beigemessen, jedoch wird die Aufgabe, den Bewegungsalltag der Kinder zu explorieren und Bezüge zwischen schulischer und außerschulischer Bewegung herzustellen, zumeist unvermittelt an die Lehrkräfte abgegeben. Die unternommene Studie gibt in exemplarischer Weise Einblicke in die Strukturen des Bewegungsalltags von Kindern und zeigt Möglichkeiten einer pädagogischen Bezugnahme im Rahmen des Schulsports auf.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Das Buch richtet sich an Personen aus der Theorie und Praxis der Sportpädagogik sowie an interessierte Eltern. Mit Theoretikern würde ich gerne über die pädagogischen Potenziale des Bewegungsalltags der Kinder, mit Praktikern über verschiedene Möglichkeiten der praktischen Umsetzung und mit Eltern über die Bedeutung dieses durch ein hohes Maß an Selbstverantwortung und Selbsttätigkeit gekennzeichneten Lebensbereiches für die Entwicklung ihrer Kinder diskutieren.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Ein Versuch, von der Praxis über die Praxis zu lernen.
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