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Mit der »Ataxiologie« präsentiert Christian Lavagno einen neuartigen philosophischen Ansatz im Schnittbereich von Kritischer Theorie und Dekonstruktion. Abgeleitet vom griechischen Wort »ataxia« (Unordnung, Insubordination) unternimmt die Ataxiologie den Versuch, einen Argumentationsraum jenseits eingeschliffener Ordnungs- und Klassifikationsmuster zu besetzen. Unter Verzicht auf systemische Geschlossenheit geht es ihr darum, das Denken für das Neue, Unvorhersehbare und womöglich Unkontrollierbare zu öffnen – in erkenntnis- wie in gesellschaftstheoretischer Hinsicht.
Christian Lavagno (Dr. phil. habil.) lehrt Philosophie an der Universität Osnabrück. Seine Forschungsschwerpunkte sind Sozialphilosophie, Erkenntnistheorie und philosophische Ästhetik.
WWW: www.philosophie.uni-osnabrueck.de
Philosophie, Dekonstruktion, Ordnung, Kritische Theorie, Nietzsche, Adorno
Philosophie, Soziologie, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Filmwissenschaft
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Interview

... mit Christian Lavagno
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Was die Welt nicht braucht, sind Bücher, die die bestehende Ordnung bloß bestätigen. Mein Buch versucht im Gegenteil, die Ordnung in Frage ... mehrzu stellen, sie abzuklopfen und im Idealfall gedanklich zu unterwandern. Dieses kritisch-subversive Potential ist das Elixier der Demokratie.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Das Buch zeigt, dass Ordnungsmuster jedweder Art auf den Prüfstand gehören. Bekanntlich haben die totalitären Regime des 20. Jahrhunderts es in perfider Weise verstanden, Vernunft und Ordnung in den Dienst des Unrechts zu stellen. Folglich sollten wir von Ordnung um ihrer selbst willen kuriert sein. Das Buch erweist die Notwendigkeit, fatale (weil die Demokratie aushöhlende) politische Ordnungsstrukturen auf ihre gedanklichen Anfänge im technisch-wissenschaftlichen Weltverständnis zurückzuführen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Die Überlegungen des Buches nehmen ihren Ausgang von den beiden wichtigsten kritischen Diskursen unserer Zeit, der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule und der Dekonstruktion. Es wird gezeigt, dass in den Texten von Adorno und Derrida ein Feld jenseits der Ordnung zwar bereits anvisiert ist, dass es jedoch weiterer, gezielter Anstrengungen bedarf, um dem Feld umfassend theoretisch gerecht zu werden. Weitere Autoren, die hierfür herangezogen werden, sind Nietzsche, Foucault, Lyotard und andere.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit allen kritischen Geistern unserer Zeit. Einzige echte Vorbedingung ist eine undogmatische Haltung, die bereit ist, sich auf eine neue Fragestellung einzulassen.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Jenseits der Ordnung liegt ein theoretisches Feld, das philosophisch noch nicht erschlossen ist.
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