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Miriam N. Reinhard

Entwurf und Ordnung

Übersetzungen aus »Jahrestage« von Uwe Johnson. Ein Dialog mit Fragen zur Bildung
2012, 248 S., kart., 32,80 €
ISBN 978-3-8376-2010-8
Reihe Lettre
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Ein Dialog mit Uwe Johnsons »Jahrestage«, der nicht eindeutig literaturwissenschaftlich ist, sondern sich in Übersetzungen bewegt – zwischen Literatur und Philosophie, Wirklichkeit und Fiktion, Entwurf und Ordnung –, in denen sich Dasein zu orientieren versucht. Mit Gesine Cresspahl, der Hauptfigur der Erzählung, sucht Miriam N. Reinhard in Geschichte und Geschichten nach Spuren in diesen Zwischenräumen. Sinn, so die Prämisse der Studie, wird nur in der Hybridität von Übersetzungen lesbar. Bildung kann nur da ein Ereignis dieses Sinns sein, wo sie sich durch die Möglichkeiten des Anderen begründet – und damit Nicht-Wissen und nicht Wissenschaft als ihre Aufgabe begreift.
Miriam N. Reinhard hat Germanistik, Evangelische Theologie, Pädagogik und Performance Studies in Duisburg und Hamburg studiert.
Uwe Johnson, Jahrestage, Übersetzung, Entwurf, Wissen
Literaturwissenschaft, Philosophie, Erziehungswissenschaft
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Interview

... mit Miriam N. Reinhard
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Trifft vielleicht zu. Ich weiß nicht, welche Bücher die Welt braucht – ich wollte auch keinen globalen Gebrauchsgegenstand liefern. Ich habe ... mehrversucht, einen Dialog mit Texten zu führen, der zeigt, dass nur dort, in diesem Dialog mit dem Anderen, Sinn möglich werden kann. Deswegen braucht mein Buch die lesende Welt, um überhaupt sinnvoll zu sein.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Zunächst eine Erweiterung der Forschung zu Uwe Johnsons ›Jahrestage‹ um den Aspekt der Übersetzung. Dieser wurde von der Forschung schon bedacht, allerdings nur sehr punktuell in die Reflexionen einbezogen. Ich nehme ernst, dass die Protagonistin der Erzählung eine Dolmetscherausbildung hat und versuche, ihren Übersetzungen und Entwürfen zu folgen. Davon ausgehend, stelle ich Fragen zur Bildungsphilosophie, die hoffentlich eine irritierende Perspektive auf die Ordnung der Universität ermöglichen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Der Gedanke, dass Übersetzungen für unser Verstehen zentral sind, wird gerade in den postmodernen Theorien diskutiert. Daran knüpfe ich mit meinem Dialog von ›Jahrestage‹ an. Dass auch Bildung nur als Übersetzung und nicht als feste Institution gedacht werden kann, das ist ein Gedanke, der mir in aktuellen Bildungsdebatten verloren zu gehen scheint, in denen man durch Bildungspläne und Modulprogramme den Sinn von Bildung festzuschreiben versucht und ihn gerade dadurch auszuschließen beginnt.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Mit denen, die meine Art zu denken und zu schreiben zu beunruhigen beginnt. Unruhe ist immer die Voraussetzung für eine kontroverse Diskussion.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Sinn erscheint nur durch die Übersetzungen des Anderen.
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