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Marina Hilber

Institutionalisierte Geburt

Eine Mikrogeschichte des Gebärhauses
2012, 362 S., kart., 39,80 €
ISBN 978-3-8376-2035-1
Reihe Histoire
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Die Geschichte der Gebärhäuser ist ein viel diskutiertes Thema der feministisch orientierten Medizingeschichte. Am Beispiel der Innsbrucker Gebäranstalt stellt Marina Hilber die erste zusammenhängende und detailreiche Entwicklungsgeschichte der Tiroler Gebäranstalten im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert vor.
Mittels eines multiperspektivischen Ansatzes wird neben der Analyse des politischen Diskurses zur Legitimation der Institution auch die Mikrostruktur des Anstaltsalltags von Personal und Patientinnen rekonstruiert. Die Studie vereint so aktuelle Diskurse zur Institutionengeschichte, zur Medikalisierung und Hospitalisierung von Geburt sowie zur Geschlechtergeschichte.
Marina Hilber (Mag. Dr. phil.) ist wissenschaftliche Projektmitarbeiterin und Lektorin am Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie der Universität Innsbruck.
»Ein lesenswertes Buch.«
Christine Loytved, Hebammenzeitung, 1 (2013)
»Eine medizin- und sozialhistorische Untersuchung, für die Hilber die Archive gründlich studierte.«
an.schläge, 11 (2012)
Besprochen in:
Echo, 4 (2013), Andreas Hauser
Gebärhaus, Medizin, Tirol, Patientinnen, Institutionengeschichte, Feminismus, Medizingeschichte, Diskurs
Geschichte, Soziologie, Europäische Ethnologie
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Interview

... mit Marina Hilber
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Heute stellen Klinikgeburten in den westlichen Gesellschaften unzweifelhaft die Norm dar, doch noch vor 150 Jahren war die institutionalisierte ... mehrForm der Niederkunft in einem so genannten ›Gebärhaus‹ mit einem sozialen Stigma behaftet. Die Monographie beschreibt am Beispiel der Innsbrucker Gebäranstalt den sozialen Bedeutungswandel, welchen das Entbindungshaus im Laufe des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts durchlief und versucht die historischen Lebenswelten der beteiligten Akteure/-innen zu rekonstruieren.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Eingebettet in die aktuellen Diskurse um Goffman's Theorie der ›Totalen Institution‹ sowie den im Rahmen des ›spatial turn‹ propagierten ›Medikalen Raum‹, wirft die Studie einen gezielten Blick auf die unterschiedlichen Facetten der institutionellen Ausformung eines historischen Gebärhauses. Neben einer Aufarbeitung der klassischen ›Außensicht‹ mit all ihren politischen und regionalgeschichtlichen Aspekten, bietet die Studie zudem eine Art ›Innensicht‹, in der nicht nur den Patientinnen, sondern auch den involvierten medizinischen Professionisten/-innen Tribut gezollt wird.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Seit sich in den 1990er Jahren erstmals Sozialhistoriker, allen voran Jürgen Schlumbohm, kritisch mit der Thematik und den Quellen der einzelnen europäischen Gebärhäuser auseinandersetzten, ist das Interesse an derartigen medizinischen Institutionen nicht abgeflaut. Die anfänglich stark frauen- und geschlechtergeschichtlich orientierten Studien werden heute durch multiperspektivische Ansätze (siehe Totale Institution/Medikaler Raum) bereichert.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Gäbe es Zeitmaschinen würde ich die Monographie gerne mit Prof. Dr. Virgil von Mayrhofen, der langjährigen Gebärhaushebamme Anna Pezzei oder der Schwangeren Anna Leodolter, meiner Urgroßmutter, diskutieren wollen.
5. Ihr Buch in einem Satz:
Eine Mikrogeschichte des Gebärhauses.
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