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Peter Mörtenböck, Helge Mooshammer

Occupy

Räume des Protests
2012, 200 S., kart., 18,80 €
ISBN 978-3-8376-2163-1
Reihe X-Texte
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Von New York bis Kairo, von Hongkong bis Berlin: Weltweit sind neue Protestbewegungen angetreten, öffentlichen Raum in ein politisches Commons zu verwandeln. Gegenüber dem Machtmonopol krisenhafter Systeme setzen sie auf die kreative Kraft von kollektiver Selbstbestimmung. Mit Zeltlagern, Straßenküchen und Volksuniversitäten hat die Occupy-Bewegung diese konfliktreichen Auseinandersetzungen um direkte Demokratie, soziale Gerechtigkeit und ökonomische Alternativen auch in die Zentren der westlichen Welt gebracht.
Dieser Essay diskutiert die Ausgangslage sowie Schauplätze und Perspektiven einer globalen Kultur des Widerstands: Welche Spannungen entfalten sich zwischen ihren physischen und symbolischen Räumen, subjektiven und globalen Dimensionen? Was hat sich mit den Besetzungen verändert und wie geht der Widerstand weiter? Ein Buch über die Chancen und Hindernisse von Protest zu Beginn des 21. Jahrhunderts.
Peter Mörtenböck (Prof. Dr. phil.) und Helge Mooshammer (Dr. techn.) lehren Visuelle Kultur an der Technischen Universität Wien und am Visual Cultures Department des Goldsmiths College, University of London. Sie forschen gemeinsam zum Verhältnis von Gegenwartskultur und globaler Ökonomie sowie zu Formen der Beteiligung in geopolitischen und urbanen Prozessen. Bei transcript erschienen »Netzwerk Kultur. Die Kunst der Verbindung in einer globalisierten Welt« (2010) und der Sammelband »Space (Re)Solutions. Intervention and Research in Visual Culture« (2011).
WWW: www.visuelle-kultur.net
»Das Buch [überzeugt] durch seine vielschichtige und ernsthafte Betrachtungsweise der Occupy-Bewegung sowohl in ihren inneren Widersprüchen als auch als Spiegel gegenwärtiger Gesinnungsverhältnisse vor allem in den USA und Europa.«
Simone Miller, Deutschlandradio Kultur/Radiofeuilleton, 22.04.2013
»Wickelte die Vereinnahmungskunst des Kapitalismus letztlich auch Occupy ein? Man kann auf den Gedanken kommen, wenn man die kluge Analyse [...] liest.«
Thomas Thiel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.11.2012
Besprochen in:
fellbeisser.net, 10 (2012)
Umwelt Briefe, 23 (2012)
DISS-Journal, 24 (2012)
socialnet.de, 11 (2012), Jos Schnurer
GMK-Newsletter, 1 (2013)
GMK-Newsletter, 3 (2013)
GMK-Newsletter, 4 (2013)
http://pw-portal.de, 06.05.2013, Björn Wagner
Raum, Protestbewegung, Finanzkrise, Netzwerke, Kultur, Occupy, Kapitalismus, Neoliberalismus, Globalisierung
Kultur- und Medientheorie, Soziologie, Architektur, Anthropologie und die politisch interessierte Öffentlichkeit
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Interview
... mit Helge Mooshammer und Peter Mörtenböck
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Die Massenproteste der letzten Jahre haben zu radikalen Veränderungen auf der globalen Bühne von Politik und Wirtschaft ... mehrgeführt: Zahlreiche Regierungen sind abgetreten, ein neuer wirtschaftlicher Ethos wird angestrebt und neue Modelle gesellschaftlicher Organisation stehen zur Diskussion. Um die Dringlichkeit der Lage und die Anliegen des Protests besser einschätzen zu können, braucht es eine genaue Betrachtung der Dynamiken und Effekte der gegenwärtigen politischen Bewegungen.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die neue Protestkultur und ihre Kommunikationsmittel haben gezeigt, dass sich der Schauplatz von Protesten heute neu definiert: Der Ort des Protests ist ›elastisch‹ geworden und kann so immer mehr Personen an sich binden. Oft wird aber übersehen, dass diese räumliche Dimension nicht nur Nebeneffekt, sondern Programmatik des Geschehens ist. Unser Buch setzt sich daher auf direkte Weise mit den Beziehungen zwischen der Occupy-Bewegung und den Räumen des Protests auseinander.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?
Anstelle einer konkreten Persönlichkeit hat das New Yorker Time Magazine die an den weltweiten Protestbewegungen beteiligten Personen 2011 zur einflussreichsten Figur im Weltgeschehen gewählt. Der Protest mag nun zwar oberflächlich verklungen sein, seine Grundlagen, Netzwerke und Akteure sind aber weiterhin aktiv. Zur Diskussion steht daher, wie es nach der jüngsten Phase von Demonstrationen und Besetzungen weitergeht und welche Zusammenhänge sich zwischen den aktuellen Formen von Protest und einer neuen Perspektive auf das Räumlich-Soziale bilden.
4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?
Die Frage des gemeinschaftlichen Lernens – in selbstorganisierten Gruppen oder auch in Form von freien Universitäten – war ein zentraler Punkt der Occupy-Bewegung und zugleich ein wichtiger Vorstoß, um politische Handlungsfähigkeit zurückzugewinnen. In diesem Sinn braucht es auch die öffentliche Aneignung von wissenschaftlichen Arbeiten, um alternative Erfahrungswelten zu entwickeln und neue Einsichten in die wechselseitige Abhängigkeit von kapitalistischem System und gesellschaftlicher Ordnung zu erzielen.
5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Die neuen Protestbewegungen haben es geschafft, die einst nur Spezialisten vorbehaltenen Diskurse von Finanzpolitik, Weltwirtschaft und Raumordnung in eine breite gesellschaftliche Diskussion über die Zukunft des Gemeinwesens zu verwandeln. Bei dieser Diskussion setzt nun unser Buch an: Es bespricht die heutige Situation der Krisenerfahrung und der daraus hervorgehenden Protestkultur aus der Perspektive der 99 Prozent, die zum politischen Symbol der Occupy-Bewegung geworden sind. Mit ihnen allen möchten wir die im Buch entwickelten Gedanken gerne diskutieren.
6. Ihr Buch in einem Satz:
Ein Buch über die physischen und symbolischen Räume der neuen Protestkultur unserer Zeit.
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