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Christoph Jacke
Medien(sub)kultur
Geschichten – Diskurse – Entwürfe
2004, 354 S., kart., 26,80 €
ISBN 978-3-89942-275-7
Reihe Cultural Studies
Schlagworte:Medien, Popkultur, Subkultur, Starkult, Kritische Theorie, Cultural Studies, Konstruktivismus Adressaten: Medienwissenschaft, Kulturwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Cultural Studies
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Die wissenschaftliche Analyse der Mediengesellschaft ist häufig normativ geprägt. Dementsprechend vorhersehbar und unbefriedigend sind ihre Befunde und Deutungen. Die Studie von Christoph Jacke sucht nach Auswegen aus dieser Sackgasse, indem sie innovative Lesarten der drei prominenten Theoriestränge Kritische Theorie (Frankfurter Schule und Nachfolger), Cultural Studies und soziokultureller Konstruktivismus präsentiert. Aus ihnen wird ein eigenes Medienkultur-Beobachtungsraster mit den Ebenen Main und Sub herauspräpariert. Die Erträge dieser neuen Methode zeigen sich in der abschließenden Fokussierung der zentralen Akteure in der Medien- und Popkultur, der Stars.
Christoph Jacke (Dr. phil.) ist Universitätsprofessor für Theorie, Ästhetik und Geschichte der Populären Musik im Studiengang »Populäre Musik und Medien« an der Fakultät für Kulturwissenschaften der Universität Paderborn. Er ist als freier Autor für u.a. De:Bug, Testcard, Telepolis und Frankfurter Rundschau tätig.
Pressestimmen
»Der Autor hat die maßgeblichen theoretischen Ansätze zur Erklärung von Medien- und Populärkultur recherchiert und systematisch kompiliert. Überzeugend ist dabei der Nachweis einer Theorie übergreifenden Genealogie seiner eigenen Konzeption, die von ... mehr Denkern der Kritischen Theorie begründet, von Vertretern der Cultural Studies 'benutzt, entdramatisiert und ausgeweitet' (S. 303) und nun von ihm in Anlehnung an Schmidt ausformuliert wird. Damit hat er nicht nur einen ergiebigen 'Steinbruch' vorgelegt, sondern auch einen viablen Weg aufgezeigt, gravierende Desiderate der Kommunikationswissenschaft zu beheben.«
Joachim Westerbarkey, PUBLIZISTIK, 4 (2005)
»Durch den konsequent verfolgten Blick über disziplinäre Tellerränder gelingt (Jacke) die Zusammenstellung eines terminologischen Inventars, das in der bisweilen unübersichtlichen Küche kulturwissenschaftlichen Theoriebildung hilfreiche Dienste leisten kann.«
Silke Borgstedt, www.lo-net.de, 19.08.2005
»Christoph Jacke [...] geht es um die wissenschaftliche Analyse der Mediengesellschaft. Allerdings - und das unterscheidet seinen Ansatz von den meisten anderen - will er nicht mit dem starren Blickwinkel einer gefestigten Theorie an dieses Unterfangen herangehen, sondern mit einem open mix dreier einflussreicher Theoriestränge (Cultural Studies, Kritische Theorie und Soziokultureller Konstruktivismus). Das Ergebnis seiner Symbiose ist ein reizvolles Analyseraster für Medien, in dem als grobe Unterscheidungskriterien Sub und Main bedeutsam sind, es aber auch feinere Unterpunkte gibt, die den Blick ins kulturelle Detail erlauben. Ein Raster, das sich in der Anwedung auf die Popakteure zwischen subkultureller Indie-Größe und Mainstream-Star als fruchtbar erweist.«
Thomas Venker, intro, 4 (2005)
»Kultur als wesentlichen Begriff der Kommunikations-, Publizistik-, Medienwissenschaft ein Stück weit mitzubetimmen, das gelingt Jacke mit seiner synoptischen und synthetischen Arbeit vorzüglich. Die Art und Weise wie er selbstbewusst Medienkulturwissenschaft betreibt - oder wie auch immer ein humanwissenschaftlich geerdetes Interesse am Kulturellen als Sozialen (und umgekehrt) irgendeinmal heißen wird - ist lesenswert. Darüber hinaus legt Jacke mit Medien(sub)kultur ein gelungenes Glied in der noch zu vollendenden Kette zwischen Kritischer Theorie und Cultural Studies.«
Marian Adolf, medien & zeit, 1 (2005)
»Christoph Jackes umfängliche Publikation über unterschiedlichste Diskurse zur Medien(sub)kultur, hier vor allem verstanden als Formen der 'popular culture', versucht anhand dreier Theoriemodelle - der Kritischen Theorie, der Cultural Studies und des soziokulturellen Konstruktivismus - nicht nur einen Überblick über gängige theoretische Zugriffsweisen auf das Thema zu geben, sondern diese differenten Ansätze produktiv zu verbinden.
Er vermittelt insbesondere in den Abschnitten über Cultural Studies (S. 160-210) und dem sozio-kulturellen Konstruktivismus Siegfried J. Schmidts ein sorgfältig recherchiertes Bild unterschiedlicher Theoriemodulationen zur Medien(sub)kultur und ihrer differenten Positionierungen zum emanzipatorischen Charakter der 'popular culture'.«
Norbert M. Schmitz, MEDIENwissenschaft 1 (2005)
»Was macht Menschen zu Stars? Welche Theorien können solche pop-/medienkulturellen Praktiken angemessen beschreiben? Christoph Jacke [...] widmet sich dieser Frage.
Sein Beobachtungsraster 'Main' und 'Sub' erscheint anfangs zwar arg angestrengt dichotomisierend - erweist sich aber als nützliches Medium des Theorieabgleichs.
Stark wird der Band, wenn er abschließend [...] Stars, Anti-Stars und Anti-Stars-Stars untersucht: Mehr davon bitte! 'Medien(sub)kultur' ist dennoch (auch durch ein reiches, textgenaues Literaturverzeichnis) ein nützliches Buch, um sich in die theoretischen Positionen zum pop/medienkulturellen Star- und Mediensystem einzuarbeiten.«
DE:BUG, 88/12 (2004)
»In guter Luhmanscher Schule bestückt Jacke seinen Werkzeugkasten mit der Säge der Leitdifferenzmarkierung und macht sich ans Werk, eine Theorie der Popkultur zu liefern, publiziert in der durchweg lesenswerten Reihe Cultural Studies [...]. Statt also gehobenes Fantum oder Kulturpessimismus erwartet den Leser Hardcore-Wissenschaft, aber nachvollziehbar geschrieben. Bei der Verwissenschaftlichung der vermeintlich sich der Wissenschaft entziehenden alten Dame Pop leistet ein Buch wie Medien(sub)kultur wertvolle Dienste.«
Thomas Düllo, JAZZTHETIK, 196/6 (2006()
»Christoph Jacke legt einen gelungenen Versuch vor, Kultur, insbesondere Popkultur zu erklären. In der Korrelation zwischen Medien und Kultur sieht er die Grundlage für seine Analyse. Popkultur ist seit langem eng verbunden mit den Theorien der Culture Studies und so bekommen die LeserInnen [...] einen umfassenden Überblick über aktuelle Theorien.
Doch nicht nur die Beschreibung findet sich bei Jacke wieder, er schafft es, diese Theorien [...] fruchtbar zu machen und auf aktuelle Bezüge zu fokussieren.
Insgesamt kann Jackes Veröffentlichung als Einstiegsliteratur nützlich sein, für Interessierte an Geschichte, Differenzen und Parallelen der Popkulturforschung sowie der Kulturindustrieforschung. Aber auch KennerInnen finden in seinen ausführlichen Analysen neue Ansatzpunkte mit anschaulichen Beispielen.«
Stephanie Schmoliner, Forschungsjournal NSB, 19/2 (2006)
»Der Clou der Arbeit besteht darin, dass der Autor sich dem normativ verminten Feld (Massen- und Hochkultur etc.) durch Einführung eines eigenen Beobachtungsrasters, welches (Pop-) Kultur in verschiedene Main- und Sub-Ebenen differenziert, nähert.
Dadurch liefert er sehr lesenswerte Einführungen in die Perspektive der genannten Theorien auf das Verhältnis von Medien und Massen-, Pop- und Subkultur und stellt in der Tat interessante Querverbindungen und Anschlüsse [...] her.«
Soziologische Revue, 1 (2008)
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Leserforum
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»Wer als wissenschaftlicher Beobachter über Popkultur im Allgemeinen und über Stars und Starkult im Besonderen schreibt, für den gilt im übertragenen Sinn, was Niklas Luhmann einmal mit Blick auf die Kommunikation von Verliebten gesagt hat: Hier wie ... mehr dort, so scheint es, leiden die Mitteilungen gemessen an den heißen Informationen, um die es geht, gewissermaßen an chronischer Unterkühlung. Eine Theorie des Populären, heißt das, verhält sich zu ihrem Phänomenbereich wie die Beteuerungen eines Verliebten zum Beteuerten. Man wird den Verdacht nicht los, zwischen dem einen und dem anderen öffne sich eine tiefe Kluft, und diese Kluft muss selbstverständlich überwunden werden: Auf Worte müssen also Taten folgen - obwohl, wie jeder weiß, Worte nicht eben selten vorangegangenen Taten erst zur Hilfe eilen. Warum also bei einem so heißen Phänomenbereich wie der Popkultur eine kühle Theorie? Christoph Jackes Antwort auf diese Frage ist ebenso einfach wie folgenreich: Es geht für die eine wie für die andere Seite, für die Kulturproduktion wie für deren wissenschaftliche Verarbeitung, um eine gesteigerte Kompetenz in Sachen Selbstbeobachtung durch Differenzmanagement. Es geht aber auch darum, medienkulturwissenschaftliche Analyse ›konkurrenzfähig zu machen, gegenüber postmoderner, ironisierender Kultur, moralisierenden Massenmedien und protestierenden sozialen Bewegungen. Und in Konkurrenz heißt: lose verbunden, aber mit gänzlich anderen Zielen‹ (S. 13). Neben einschlägigen Autoren aus dem Umfeld der Kritischen Theorie und der Cultural Studies liefert hier Siegfried J. Schmidts Kalte Faszination das theoretische Rüstzeug. Keine Kultur ohne Medien, keine Medien ohne Kultur, heißt es dort, und Christoph Jacke überführt diesen ›basalen komplementären Zusammenhang‹ (S. 19) eo ipso auf seine Analyse des Populären. Kultur, das ist für Schmidt, kurz gesagt, ein Interpretationsprogramm für kollektives Wissen. Deswegen, so zeigt Christoph Jacke, können wir aus der Perspektive einer Medienkulturwissenschaft höchst relevante Rückschlüsse auf die Verfassung jener Gesellschaft ziehen, in der wir leben. Kultureller Wandel, das kann man an Popkultur mustergültig ablesen, ist das Ergebnis einer ununterbrochenen, oszillierenden Bewegung zwischen zwei Ebenen: Sub und Main. Damit ist nicht Gutes und Schlechtes, Wichtiges und Nichtiges, Hohes und Niedriges, Wertvolles und Wertloses gemeint, sondern eine komplementäre Relation, an der sich Identitäten und Differenzen sowie Prozesse der gesellschaftlichen Ent- und Ausdifferenzierung festmachen lassen. Christoph Jacke entdramatisiert damit nicht nur die zuweilen aufgeheizte Kulturdebatte, er entbindet die Beschäftigung mit Kultur auch von ihrer Selbstverpflichtung auf engagierte Werk-Exegesen und verlagert den Schwerpunkt auf die Analyse von Beobachtungskonstellationen. Und nicht zuletzt: Es macht Spaß Christoph Jacke bei all dem zu folgen, etwa wenn er Horkheimers, Adornos, Habermas, Prokops oder Kellners Zugänge zur Beobachtung der Kultur der Gesellschaft wieder hervorholt und fruchtbar macht für eine Medienkulturwissenschaft in spe.«
(PD Dr. Guido Zurstiege, Berlin)
»Christoph Jacke will in seiner Studie Medien(sub)kultur nicht wenig: Letztlich geht es ihm um eine Theorie der Popkultur. Diese jedoch soll nicht das Phänomen ›Popkultur‹ für immer für die Wissenschaft theoretisch festschreiben, sondern vielmehr über ihre Beobachtungen, ihre ›Geschichten, Diskurse, Entwürfe‹ (so der Untertitel von Jackes Arbeit) in Anlehnung an Norbert Bolz 'Komplexitätsempfindlichkeit' schaffen. So setzt Christoph Jacke bei seinen Lesern ein Bewusstsein für ›den Möglichkeitenüberschuss an Definitionen und den Mangel an Eindeutigkeiten‹ in der Auseinandersetzung mit dem sich ständig verändernden Themenkomplex Pop, Kultur, Medien und Stars voraus und liefert selbst ein Beispiel, wie sich angesichts der 'Endgültigkeit der Vorläufigkeit' (S.J. Schmidt) Theorien schreiben lassen.
Dabei ist es Jackes Verdienst, Hinweise auf Kontingenz, Uneindeutigkeit und Vorläufigkeit keineswegs als Ausrede für Beliebigkeit und mangelnde theoretische Präzision zu missbrauchen. Mit Akribie arbeitet er sich zunächst durch die Ansätze der klassischen und modernen Kritischen Theorie, der Cultural Studies und des soziokulturellen Konstruktivismus und unterwirft sie dabei einem produktiven Re-Reading in Hinblick auf ihre Beobachtungs- und Beschreibungsmöglichkeiten für eine aktuelle Theorie der Popkultur. (Dies macht das Buch ganz nebenbei auch zu einer profunden Einstiegslektüre für verschiedene Ansätze der Kulturtheorie.) Ein zentraler Mechanismus ist Jackes Unterscheidung von Popkultur (Main) und Subkultur (Sub), deren dynamisches Zusammenspiel an allen drei Theoriekontexten (mit deren jeweils unterschiedlichen Perspektiven) herausgearbeitet wird. Jackes Studie schließt mit einer Skizze, wie die Kategorien Main und Sub für eine Beobachtung von zentralen Akteuren der Popkultur, den Stars, nutzbar gemacht werden können.
Christoph Jacke auf dem Weg zu einer Theorie der Popkultur zu folgen ist so für den Leser in mehrfacher Hinsicht gewinn bringend: Zunächst ist die Arbeit gespickt mit zahlreichen Beispielen, die unterhaltsam das Verständnis erleichtern und dabei demonstrieren, wie kenntnisreich der Autor sich auch in der Praxis des Pop bewegt. Darüber hinaus kann der Leser, während er einerseits Einblick in einen kontingenz-geschulten Prozess von Theoriebildung erhält, zugleich einige zentrale (und manche zu unrecht heute kaum beachtete) 'klassische' Theorieansätze der (Pop-)Kulturtheorie (neu) lesen lernen, so dass sich Geschichte wie Gegenwart des diffusen Feldes lichtet. Das ist sehr viel für eine wissenschaftliche Arbeit.«
(Martin Zierold, M.A.)
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