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Thomas Kunz
Der Sicherheitsdiskurs
Die Innere Sicherheitspolitik und ihre Kritik
2005, 422 S., kart., 29,80 €
ISBN 978-3-89942-293-1
Reihe Sozialtheorie
Schlagworte:Innere Sicherheit, Neue Soziale Bewegungen, Kriminalität, Diskursanalyse Adressaten: Politologie, Soziologie, Kriminologie, Bewegungsforschung
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Seit fast 40 Jahren wird der Sicherheitsdiskurs durch die gegenläufige Bezugnahme von Innerer Sicherheitspolitik und linker Kritik geprägt. Letztere galt im Sicherheitsdiskurs über lange Jahre hinweg selbst als Feindbild. Erstmals rückt diese kritische Position nun in den Mittelpunkt der Forschung. Aus diskursanalytischer Perspektive untersucht der Autor konservative und kritische Positionen zu Innerer Sicherheit - und kommt zu überraschenden Befunden: Trotz ihrer vordergründigen politischen Gegenläufigkeit sind auffällige Gemeinsamkeiten und geteilte Grundannahmen feststellbar.
Zudem werden im Sicherheitsdiskurs gegenwärtig sog. Fremde bzw. »kriminelle Ausländer« als Hauptfeindbilder mobilisiert, d.h. Konstruktionen, die wesentlich rassistisch fundiert sind. Angesichts jener bereits angesprochenen Gemeinsamkeiten lautet deshalb eine weitere zentrale Frage, ob bzw. inwieweit die heutige Kritik an Innerer Sicherheitspolitik diesen Feindbildwandel berücksichtigt.
Das Buch leistet mit der beschriebenen Fokussierung einen längst überfälligen Beitrag zum Verständnis und zur Neubewertung des Verhältnisses zwischen Innerer Sicherheitspolitik und ihrer - fast schon traditionell zu nennenden - Kritik.
Thomas Kunz (Dr. phil.), Politikwissenschaftler, ist tätig im Bereich Evaluation und Begleitforschung von Projekten der Sozialen Arbeit. Er ist Lehrbeauftragter am Fachbereich Sozialpädagogik der Fachhochschule Darmstadt und am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt a.M. Seine Forschungsschwerpunkte sind: Innere Sicherheit und Rassismus, Migrations- und Integrationspolitik, Inklusion/Exklusion, Fremdheitskonstruktionen und Diskurstheorie.
Pressestimmen
»Der Begriff der 'inneren Sicherheit' hat sich seit den frühen 70er-Jahren zunächst im politischen, sodann im administrativen und zuletzt auch im wissenschaftlichen Bereich etabliert. Dennoch ist der Terminus inhaltlich nicht präzise gefasst und findet ... mehr in verschiedenen Verwendungszusammenhängen und politischen Lagern eine je eigene Verwendung. Vor diesem Hintergrund geht es Kunz darum, den 'Sicherheitsdiskurs' zu analysieren und den inhaltlichen Hintergrund verschiedener Positionen aufzudecken. Das Buch bietet damit eine ausführliche Übersicht über die Entwicklung der sprachlich-begrifflichen Repräsentation einer Politik der inneren Sicherheit sowie der Kritik an dieser Politik.«
ZPol-Bibliografie, 3 (2005)
»Thomas Kunz verfolgt die wechselvolle Karriere des Begriffs seit den sechziger Jahren und verweist auf Kontinuitäten und Brüche.
Dem kritischen Diskurs, der sich gelegentlich über seine Nähe zum affirmativen Diskurs nicht völlig im Klaren ist, empfiehlt Kunz Selbstreflexion, um Erstarrung zu vermeiden. Der kritische Sicherheitsdiskurs müsse sich bewusst werden, dass von rechtsbeschränkenden Sicherheitsvorkehrungen heute Ausländer und Flüchtlinge am stärksten betroffen sind und nicht die Bürger.«
Rudolf Walther, FR, 09.11.2005
»Die Absicht des Buches, zur Selbstreflexion der Kritik Innerer Sicherheitspolitik anzuregen, ist lobenswert und wichtig. Kunz hat viele Einsichten versammelt, die dringend diskutiert werden müssen; etwa die ständigen Warnungen vor dem Ende des Rechtsstaates, der trotz der ungehörten Warnungen immer noch nicht zu Ende ist, oder die bekannte Faschisierungsthese.«
Bürgerrechte & Polizei, Cilip, 83/1 (2006)
»Die Zeiten ändern sich, die Topoi der Diskurse kaum - dieser Eindruck entsteht beim Lesen der materialreichen Studie von einem Sicherheitsdiskurs, in dem sich zwar die Feindbilder verschieben, aktuelle Konjunkturen jedoch als Kontinuitätslinien sich bis in die 1970er Jahre zurück verfolgen lassen. Verf. versucht, im Untersuchungszeitraum von 1972-1998 die deutsche Innere Sicherheitspolitik einer kritischen Diskursanalyse zu unterziehen. Indem er seine Arbeit als Weiterentwicklung der Kritik der Inneren Sicherheit versteht, fordert er die verbliebenen kritischen Akteure auf anzuerkennen, dass Zuwanderungsdiskurs und Sicherheitsdiskurs sich längst miteinander verwoben haben: Die Effekte dieser Allianz seien schon in Sub-Themen der 70er Jahre angelegt gewesen, und die ihnen zugrunde liegenden Fremd- und Selbstkonstruktionen in den 90ern intensiviert worden [...].«
Sven Bergmann, Das Argument, 266 (2006)
»Die Verschiebung des zentralen Objekts im Sicherheitsdiskurs auf eine rassistische Kategorie, der des Ausländers, ist die wesentliche Änderung. Inwiefern die rotgrüne Koalition sich dieser Verschiebung widersetzte oder - die Vermutung liegt weit näher - sie zumindest tolerierte, wenn nicht sogar förderte, wäre die sinnvolle Fortsetzung dieses Buches. Denn der Verdienst des Buches liegt im dezidierten Nachweis und der Bestätigung der pessimistischen Verdachtsmomente. Wer auf diesem Gebiet nie Erfreuliches erwartet hat und erhofft, kann belegen warum.«
ZAG, 49 (2006)
»Der Autor argumentiert, dass auch jene Stimmen, die sich kritisch zur Politik der Inneren Sicherheit der jeweiligen Bundesregierung verhielten, sich letztendlich affirmativ zu diesem konservativen Sicherheitsdiskurs verhielten [...]. Insgesamt liegt nun also eine erste Studie zu diesem Themenbereich vor, deren zentrale These von der gegenseitigen Verwiesenheit von 'konservativem' und 'kritischem' Diskurs Beachtung verdient [...].«
Holger Nehring, H-Soz-u-Kult
»Diese akribische und äußerst materialreiche diskursanalytische Untersuchung zum Thema 'Innere Sicherheit' [...] zeigt auf der Grundlage von Fachlexika und verschiedener Spezialdiskurse (Soziologie, Politologie, Kriminalsoziologie, Kriminologie, Kriminalistik und Rechtswissenschaft) auf, wie unterschiedlich das Konzept 'Innere Sicherheit' verstanden wird und welche (politischen) Diskurspositionen sich affirmativ, aber auch kritisch damit verbinden.«
Siegfried Jäger, DISS-Journal, 15 (2007)
»[E]ine Fundgrube bemerkenswerter Gedanken, Zusammenstellungen, Vergleiche, Quellen und Blickwinkel: Der Autor stellt die tragenden Diskurse der inneren Sicherheit brilliant zusammen.
Wer in diesem Thema mitdiskutiert, sollte dieses Buch lesen.«
Jörg Bergstedt, contraste, 273/6 (2007)
»Die Stärke der Untersuchung liegt darin, dass sie nicht nur zeigen kann, wie gerade die Diffusität des Sicherheitsdiskurses auf seinen verschiedenen Ebenen diesem dazu verhalf, so ubiquitär zu werden.«
Soziologische Revue, 32/1 (2009)
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