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Wulf D. Hund
Rassismus
2007, 170 S., kart., 15,80 €
ISBN 978-3-89942-310-5
Reihe Einsichten
Geeignet für BA- und MA-Studiengänge der Soziologie, Ethnologie, Gender Studies und Politologie sowie der Kultur- und Geschichtswissenschaften
Veranstaltungen: Soziale Probleme, Politische Soziologie, Friedens- und Konfliktforschung
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Dass die Rassismusanalyse sich nicht mit »dem Rassismus«, sondern mit unterschiedlichen »Rassismen« beschäftigt, ist mittlerweile ein methodischer Gemeinplatz. Rassismus muss in seinen spezifischen sozialhistorischen Ausprägungen und konkreten Verbindungen mit anderen Formen sozialer Diskriminierung untersucht werden. Dieser Band diskutiert die dazu entwickelten Ansätze und die damit verbundenen Probleme in drei zentralen Kontexten: kategorial im Hinblick auf zentrale Begriffe der Rassismusforschung, historisch im Zusammenhang mit den Formen rassistisch bestimmter Inklusion und Exklusion und politisch in Bezug auf Methoden und Funktionen rassistischer Vergesellschaftung.
Wulf D. Hund (Dr. phil.) ist Professor für Soziologie am Department für Wirtschaft und Politik der Universität Hamburg. Seine Veröffentlichungen beschäftigen sich mit Fragen der Gesellschaftstheorie, Kultursoziologie, Sozialgeschichte, Politischen Soziologie und der den Schwerpunkt seiner Forschung bildenden Rassismusanalyse.
Pressestimmen
»Das Buch ist ein originärer Beitrag zur Rassismusforschung und eine glänzende Einführung in die Rassismusanalyse nicht nur für ein allgemeines interessiertes Publikum, sondern vor allem auch für die Fachkreise.
Das Buch ist sprachlich brillant und ... mehr verständlich geschrieben und bietet einen Einblick in die Geschichte und Gegenwart rassistischer Diskriminierung sowie theoretische Positionen in der Rassismusanalyse. Als theoretisch und historisch fundierte Einführung mit einer enormen Materialfülle möchte ich das Werk allen Interessierten ans Herz legen.«
Prof. Dr. Gazi Caglar, www.sozialnet.de, 7 (2007)
»Der schmale Band liefert einen gut strukturierten Überblick über die unterschiedlichen Ansätze und die damit jeweils verbundenen Probleme.«
Zeitschrift für Politikwissenschaft, 4 (2007)
»Hund beschreibt [...] strukturiert, er unterstreicht die Varianz rassistischer Argumentationslinien; insgesamt trägt sein Buch zum Verstehen des Themas bei.«
Elke Hennig, Das Historisch-Politische Buch, 55/5 (2007)
»Das Buch stellt eine große Bereicherung der gegenwärtigen Forschungsdiskussion dar und ist nicht zuletzt eine kluge, gut durchdachte und auf knapp 167 Seiten verfasste Studie, die eine angenehme Lektüre bietet.«
Max Sebastián Hering Torres, www.sehepunkte.de, 8/5 (2008)
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»Wulf D. Hund analysiert in seinem glänzend geschriebenen Buch ›Rassismus‹ die 'rassische'/rassistische soziale Konstruktion von Differenz, die der Legitimation von Herrschaftsansprüchen und sozialer Ungleichheit dient. Rassismus - wie Hund ihn darlegt ... mehr führt zur Ein- und Ausgrenzung von Gruppen und schafft Gemeinschaften degradierter Anderer, von dem man sich gemeinschaftlich abgrenzen kann. Phänomene rassistisch-begründeter Ausgrenzung, so Hunds Ergebnis, existierten bereits bevor es einen Begriff oder eine Vorstellung von 'Rasse' oder 'Rassismus' gab.
Hunds lesenswerte Einführung in die Rassismusanalyse gliedert sich im Wesentlichen in drei Teile: In einem ersten Schritt veranschaulicht Hund, dass die differenzierende Verwendung solcher Kategorien wie 'Geschlecht', 'Nation' oder 'Klasse' der gleichen Logik folgt wie die Operation mit dem Begriff 'Rasse'. Dem großen Soziologen Pierre Bourdieu folgend, der von 'Klassenrassismus' spricht, schreibt auch Hund dementsprechend vom ›Nationalrassismus‹ und ›Geschlechterrassismus‹. All diesen Formen des Rassismus ist zueigen, dass sie auf der Grundlage einer gleichermaßen biologistischen wie kulturalistischen Argumentation den Anderen abgrenzend definieren und die Integrität des ausgeschlossenen Anderen in der Praxis gänzlich missachten.
Im zweiten Schritt der Darstellung beschreibt Hund Formen und Varianten der Ausgrenzung im Verlauf historischer Prozesse. So spricht er von der rassistischen Differenzierung zwischen 'Kultivierten' und 'Barbaren' in der Antike, der Trennung zwischen 'Reinen' und 'Unreinen' (z.B. im indischen Kastensystem), zwischen 'Erwählten' und 'Teufeln', zwischen Zivilisierten' und 'Wilden' (im Kolonialismus) oder der Differenzierung zwischen 'Wertem' und 'Unwertem' Leben.
Bei dieser historischen Analyse wird immer wieder anschaulich, wie aktuell bestimmte rassistische Differenzierungsformen auch heute noch sind. So schreibt er bspw. über die Trennung zwischen 'Erwählten' und 'Teufeln': Die ›Axis of evil‹, von der der Präsident der Vereinigten Staaten im Januar 2002 in seiner Rede zur Lage der Nation im Hinblick auf Kuba, Venezuela, Libyen, Syrien, Irak, Iran und Nordkorea gesprochen hat, [zeigt] dass sich die manichäische Zweiteilung der Welt nicht nur flexibel zur Verteufelung unterschiedlicher Gegner einsetzen läst, sondern auch in der Lage ist, Bündnisse zu organisieren und auf der Basis bloßer Verdächtigungen Kreuzzüge zu initiieren (S.61). Und auch die Mitverantwortung der Wissenschaften am rassistischen Diskurs wird immer wieder gesondert betont. Die ›eugenische Menschenverachtung‹ (S. 80) wird bspw. folgendermaßen in ihren zeitgenössischen Argumentationsvarianten anschaulich gemacht: ›Zu Beginn des 21. Jahrhunderts machte sich der Nobelpreisträger James D. Watson über 'sinnvolles Leben' Gedanken. Aus dessen Perspektive bezeichnete er ein geistig behindertes 'Spastikerkind' oder einen Menschen 'mit fortschreitendem Alzheimer' als 'Nicht-Existenz'. Auf sie träfe die Vorstellung der Deutschen [gemeint sind die Nazis; MSK] von 'unwertem Leben' zu, da man Menschen schließlich nur lieben könnte, weil sie menschlich sind‹ (S. 80). Alle genannten Formen der Ausgrenzung sind diskursive und soziale Praktiken ›negativer Vergesellschaftung‹, die an der gesellschaftlichen Produktion von Untermenschen' beteiligt sind.
Hund benennt im letzten Teil seiner Einführung unterschiedliche Methoden des Rassismus und der negativen Vergesellschaftung wie die räumliche Segregation oder die Macht des rassistischen Diskurses, die Differenzierung in den Körper einzuschreiben ('rassisierte Körper' (S. 105)).
Hund, der ein hervorragender Kenner der Rassismusforschung ist, liefert mit diesem schmalen Buch aus der Reihe ›Einsichten‹ des transcript-Verlages eine sehr gut lesbare und theoretisch wie historisch fundierte Einführung in die Rassismusanalyse, die gerade für Novizen in der Rassismusforschung nur empfohlen werden kann.«
Dr. Martin Spetsmann-Kunkel, Lehrgebiet Interkulturelle Erziehungswissenschaft, FernUniversität in Hagen
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