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Margarete Menz
Biographische Wechselwirkungen
Genderkonstruktionen und »kulturelle Differenz« in den Lebensentwürfen binationaler Paare
2008, 310 S., kart., 29,80 €
ISBN 978-3-89942-767-7
Reihe Gender Studies
Schlagworte:Binationale Paare, Interkulturalität, Gender, Migration Adressaten: Soziologie, Erziehungswissenschaft, Gender Studies, Biographieforschung
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Der gesellschaftliche Blick auf binationale Paare in Deutschland ist ambivalent: Er bewegt sich zwischen den Polen der Idealisierung (als Symbole einer multikulturellen Gesellschaft) und der Ablehnung (als Symbole für das »Fremdgehen« deutscher Frauen). Doch wie gestalten binationale Paare ihre Paarbiographien? Die vorliegende Studie analysiert Formen biographischen Lernens der Paare und wirft Licht auf die Bedeutung von Konstruktionen »kultureller Differenz« und von Geschlechterbeziehungen. Sie zeigt, dass sich durch die binationale Partnerschaft Möglichkeiten der Realisierung von Lebensentwürfen eröffnen, die herkömmliche Geschlechterbeziehungen herausfordern und erweitern.
Margarete Menz (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Allgemeine Pädagogik an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind interkulturelle Geschlechterforschung, Migrationspädagogik und qualitative Forschung.
Pressestimmen
»Gerade in Zeiten wie diesen, in denen Europa alles tut, um die Grenzen möglichst dicht zu machen, und vielfach versucht wird, eine Sichtweise von 'hier die InländerInnen - da die AusländerInnen' einzuzementieren, ist diese Studie ein wertvolles Argumentarium ... mehr in Sachen binationale Beziehungen.«
Angela Magenheimer, WeiberDiwan, 6 (2008)
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»Die Wechselwirkungen zwischen solchen strukturellen Ordnungskategorien wie gender und natio-ethno-kulturelle Zugehörigkeit analytisch in den Blick zu nehmen, unterscheidet sich grundlegend von Differenz affirmierenden Forschungsansätzen, die sie als ... mehr feststehende, vorab bestimmbare Bedingungen von Handlungen fassen. Es sind eben nicht nur ihre Wechselwirkungen, die so in den Blick kommen, sondern gleichzeitig auch die interaktiven Prozesse ihrer Herstellung und ihre Modifizierungen in situierten Praxen. Margarete Menz wählt für die Analysen dieser Wechselwirkungen und Herstellungsprozesse den Ort biographischer Konstruktionen binationaler Paare, die zum Zeitpunkt der Interviews gemeinsam in Deutschland leben. Über die Verortung von Biographie zwischen strukturellen Anforderungen und individuellen Gestaltungsmöglichkeiten werden biographische Erzählungen zu einer Art Dokument', in dem sich der Zusammenhang dieser beiden Ebenen zeigt. Der Blick auf binationale Paar-Biographien ist insofern viel- und insbesondere erkenntnisversprechend, als dass sich hier in besonderer Weise Bearbeitungsprozesse zeigen, in denen ›kulturelle Differenz‹ und Geschlechterbeziehungen relevant werden. Denn binationale Paare verfügen zwar über erweiterte Handlungsoptionen im Vergleich zu mononationalen Paaren, sind jedoch gleichzeitig mit speziell in der Migration auftretenden strukturellen Anforderungen konfrontiert. In den Biographiekonstruktionen dieser Paare zeigen sich die von ihnen zu leistenden Bearbeitungs- und damit biographischen Lernprozesse.
Durch die Strukturierung ihrer Studie in drei unterschiedliche Blicke vermag Menz An-, Ein- und Ausblicke zu ihrem Themenkomplex zu geben. Anblicke gibt sie insofern, als dass sie zunächst andere Forschungszugänge und -ergebnisse zum Thema (binationaler) Paare referiert und im Hinblick auf ihre sensibilisierende Funktion für ihre eigene Forschung wendet. Ebenfalls thematisiert wird hier die Situation binationaler Paare in Deutschland, insbesondere strukturelle Zumutungen, mit denen sie aufgrund der Migration eines Partners konfrontiert sind. Im Sinne erziehungswissenschaftlicher Biographieforschung führt sie weiter ein Verständnis von Biographie als Bildungsprozess, in dem biographische Lernprozesse geschehen, ein. Indem die beiden Differenzen dabei als biographiegebundene Kategorien gefasst werden, die zur Ressource für biographische Konstruktionen werden können und kontext- und biographiespezifische Modellierungen erfahren, können anhand der Rekonstruktionen biographischer Lernprozesse ihre Wechselwirkungen analysiert werden.
Die Dreiteilung ihrer Studie entspricht nun eher nicht ihrem Forschungsprozess, orientierte sie sich doch am abduktiven Verfahren der Grounded Theory. So kann die abschließende Präsentation als Ergebnis eines zirkulären Prozesses der Auseinandersetzung mit Theorie und den biographisch-narrativen Interviews bezeichnet werden. Deutlich wird dies insbesondere anhand des von ihr entwickelten heuristischen Interpretationsmodells, das sie unter Einblicke präsentiert. Die anhand dieses Modells angelegte Heuristik ermöglicht es Menz, spezifische Formen von Bearbeitungsprozessen in Biographien binationaler Paare zu rekonstruieren. Das Analysemodell lenkt den Blick sodann auf zwei Dimensionen: der Paarhorizont umfasst die Bedeutung der Beziehung für die Einzelnen und ihre Anschlussfähigkeit an die bisherige Biographie; die Bearbeitungsfelder ergeben sich aus dem Thema der Biographie und umfassen die Bearbeitung struktureller Anforderungen. Als Form biographischen Lernens bezeichnet sie sodann die Art und Weise, in der im Verlauf der biographischen Konstruktion auf die beiden Kategorien Bezug genommen wird, und wie sich diese verändert. Im Rahmen ihrer gut einhundertseitigen Interpretation von drei binationalen Paar-Biographien, an deren Ende die (Re-)Konstruktion zwei verschiedener Formen biographischen Lernens steht, verdeutlicht sie sodann nicht nur die Plausibilität des Modells, sondern zugleich den Erkenntnisgewinn in Bezug auf die beiden Differenzkategorien.
Zu beantworten vermag Menz anhand der Ergebnisse ihrer Analyse abschließend im Teil Ausblicke auch, ob binationale Paare zu ›Prototypen der (Post)Moderne werden‹, da sie in besonderer Weise über ›Differenzkompetenz‹ verfügen, die eine Anforderung moderner Gesellschaften sei. Wichtig erscheint mir ihr Hinweis darauf, dass sich zeigen ließ, dass (und wie) selbstgewählte Mehrfachzugehörigkeiten trotz (oder aufgrund) massiver struktureller Zumutungen (wie durch die Konfrontation mit rassistischen Eindeutigkeitskonstruktionen) möglich sind, wenngleich diese in den analysierten Paar-Biographien eher keine bewusst' widerständige Orientierung aufweisen, da letztendlich die Realisierung individueller Lebenspläne im Mittelpunkt steht.
Mit dieser Studie gelingt es Menz nicht nur ein überzeugendes Modell der Analyse biographischer Lernprozesse in (binationalen) Paar-Biographien zu entwickeln und vorzustellen, sondern zugleich durch ihre Analyse biographischer Wechselwirkungen von gender und natio-ethno-kultureller Zugehörigkeigendes Modell der Analyse biographischer Lernprozesse in (binationalen) Paar-Biographien zu entwickeln und vorzustellen, sondern zugleich durch ihre Analyse biographischer Wechselwirkungen von gender und natio-ethno-kultureller Zugehörigkeit auch den Blick für strukturelle Zumutungen in der deutschen Migrationsgesellschaft und ihre Bedeutung für Biographiekonstruktionen zu schärfen. Sie leistet somit einen wichtigen Beitrag zur interkulturellen Genderforschung und unterbreitet eine überzeugende Analyse von Intersektionalität.«
Claudia Machold (wissenschaftliche Mitarbeiterin; Fakultät für Erziehungswissenschaft; Universität Bielefeld)
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