|
|
 |
 |
 |
 |
 |
 |
Emmanuel Alloa, Alice Lagaay (Hg.)
Nicht(s) sagen
Strategien der Sprachabwendung im 20. Jahrhundert
2008, 308 S., kart., 28,80 €
ISBN 978-3-89942-828-5
Reihe Edition Moderne Postmoderne
Schlagworte:Sprache, Philosophie, Literatur, Schweigen, Passivität Adressaten: Philosophie, Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft
|
 |
Bestellen |
Das 20. Jahrhundert war durch eine radikale Rückbesinnung auf die Möglichkeiten und Grenzen von Sprache gekennzeichnet. Der neuzeitliche Traum einer restlosen Benennung des Weltganzen wird fraglich, wenn ihr Medium – die propositionale Aussagelogik – unter Verdacht gerät.
Der Band wirft die brisante Frage auf, ob der für das Jahrhundert prägende linguistic turn nicht so sehr in einer Hinwendung, als vielmehr in einer »Abwendung« vom Sagen besteht, die sich in der Entsagungsgeste von Melvilles Bartleby emblematisch verkörpert. Einzelanalysen zu literarischen Strategien bei Mallarmé, Wittgenstein, Celan, Foucault, Adorno, Derrida, Lévinas u.a.m. führen vor, wie Unterlassen nicht nur ein kritisches, sondern auch stets ein schöpferisches Moment in sich birgt.
Mit Beiträgen von Giorgio Agamben, Jean Clam, Rüdiger Zill u.v.a.m.
Emmanuel Alloa (M.A.) ist Lehrbeauftragter für Philosophie und Ästhetik an der Universität Paris VIII. An der FU Berlin schreibt er eine Dissertation zur Philosophie des Bildlichen.
Alice Lagaay (Dr. phil.) ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am SFB »Kulturen des Performativen« der Freien Universität Berlin, wo sie gegenwärtig an einem Projekt zur Verletzungsmacht der Rede und des Schweigens arbeitet.
Pressestimmen
»Mit der wohlformulierten Einleitung der Herausgeber und den sorgfältig ausgewählten Beiträgen [...] ist der Band ein weit gefasstes und genau durchdachtes Lehrbuch zur Rhetorik der Sprachabwendung.«
Felix Christen, IASL online, 26.01.2009
»Der ... mehr Band reflektiert vielstimmig exemplarische Gestaltungen der Möglichkeit des Scheiterns. Damit schließt er keine aufregende Debatte ab – er fordert ihre lebendige Fortsetzung.«
Jan Müller, www.kritikon.de, 18.02.2009
»In der Zusammenschau ergeben die Texte ein komplexes Bild, das der tatsächlichen Pluralität von Krisen und Umgangsweisen entspricht.«
Christian Grüny, Zeitschrift für Kulturphilosophie, 3 (2009)
Weiterempfehlen
Leserforum
|
 |
Lesetipps
Weitere Titel zu:
Interview
... mit Dr. phil. Alice Lagaay
1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
»Nicht(s) sagen« ist die erste systematische Aufarbeitung einer Gedankenfigur, die sich quer durch das 20. Jahrhundert zieht, und die nicht nur sprachphilosophische, sondern auch ethische und ästhetische Konsequenzen hat. Anerkannte Forscher bieten fundierte Analysen dieser Figur und ihrer Ausprägung bei den jeweiligen Autoren. Erst die Zusammenschau der Einzelanalysen jedoch lässt ... mehr die Wirkung dieser Figur im vergangenen Jahrhundert mit aller Deutlichkeit zutage treten.
2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Die poetische und philosophische Diagnose der Sprachkrise, die das frühe 20. Jahrhundert erfasste, wurde retrospektiv als negative Freilegung der Handlungsdimension der Sprache interpretiert. Eine solche Interpretation führte jedoch zu einseitigen Verengungen: sprachliche Vollzüge wurden paradigmatisch vom gelingenden Sprechakt her gedacht. Im Rückgang auf die Sprachkrise der Wiener Moderne fragt »Nicht(s) sagen« noch einmal nach Dimensionen des Unvermögens, der Unterbrechung und der Leerstelle, die die Rückseite der propositionalen Aussagestruktur bilden. Diese Dimensionen werden von den behandelten Autoren nicht nur beschrieben, sie werden sogar zum Grundzug regelrechter Schreibstrategien, die Räume des Nicht-Affirmativen auszuloten versuchen.
3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Das Thema des Bandes schreibt sich in eine allgemeine Tendenz ein, nach dem »performative turn« nun auch wieder stärker in den Vordergrund zu rücken, was die Performativitätstheorien außen vor lassen mussten. Statt das Sprachereignis vom Akt und von der Aktivität her zu denken, gewinnen Dimensionen des Unterlassens und der Passivität neue Bedeutung. Der Band zeichnet deren historische Genealogien in Moderne und Vormoderne nach und deutet auf Perspektiven einer Theorie der schöpferischen Enthaltung hin.
4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?
Dieter Mersch (Potsdam), Joseph Vogl (Berlin), Barbara Gronau (Berlin), Dirk Westerkamp (Kiel)
5. Ihr Buch in einem Satz:
»Nicht(s) sagen« skizziert die Fluchtlinien einer anderen Archäologie des
›linguistic turn‹ im 20. Jahrhundert, die weniger das Hin- als das Abwenden vom Sagen zum Leitfaden hat.
|