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Margreth Lünenborg (Hg.)
Politik auf dem Boulevard?
Die Neuordnung der Geschlechter in der Politik der Mediengesellschaft
2009, 330 S., kart., zahlr. z.T. farb. Abb., 29,80 €
ISBN 978-3-89942-939-8
Reihe Critical Media Studies
Schlagworte:Medien, Geschlecht, Boulevardisierung, politische Kommunikation Adressaten: Kommunikationswissenschaft, Medienwissenschaft, Gender Studies, Politikwissenschaft, Soziologie
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Dieser Band befasst sich mit der Relevanz der Boulevardisierung des Politischen in den Medien und den Folgen für die Geschlechterverhältnisse. In einer für die deutschsprachige Forschung unorthodoxen Weise wird dabei gefragt: Birgt die Boulevardisierung des Politischen auch Potenziale, um die Geschlechterverhältnisse im öffentlichen Diskurs neu zu gestalten? Historische und aktuelle Analysen machen sichtbar, dass die Antwort ambivalent ausfällt.
Margreth Lünenborg (Dr. phil.) lehrt als Professorin für Journalistik am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft der Freien Universität Berlin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Journalismusforschung, kommunikationswissenschaftliche Geschlechterforschung sowie kulturorientierte Medienforschung.
Pressestimmen
»Alles in allem hat die Herausgeberin Lünenborg einen sehr runden, gut strukturierten, informativen Band vorgelegt, der das Forschungsfeld politische Kommunikation um wichtige Aspekte bereichert.«
Johanna Dorer, m&z, 3 (2009)
»Lünenborg greift ... mehr in ihrem Buch spannende Themen auf – und überrascht mit der Erkenntnis, dass Politik und Boulevard in der heutigen Mediendemokratie fast nicht mehr zu trennen sind.«
politik&kommunikation, 10 (2009)
»Die Beiträge des Sammelbandes [bieten] viele interessante Einblicke.«
Susanne Kassel, Feministische Studien, 2 (2009)
»Sehr lesenswert!«
Vera Linß, tv diskurs, 14/3 (2010)
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»Im Spiegel der Schlagzeilen hat Angela Merkel unbestreitbar eine rasante Entwicklung hingelegt: Wurde sie während des Wahlkampfs von der ›Titanic‹ noch als ›das‹ Merkel bezeichnet, so stellte die ›taz‹ schon am Tag nach der Kanzler-Wahl unmissverständlich ... mehr fest: ›Es ist ein Mädchen!‹ Fast drei Jahre dauerte es dann noch, bis republikweit getitelt wurde: Die Bundeskanzlerin ist - tatsächlich - eine Frau. Und dazu bedurfte es eines Dekollets. Mit diesem zeigte sich Merkel anlässlich der Eröffnung der Oper in Oslo, und trat damit eine Berichterstattungslawine los, die ihresgleichen suchte.
Wo Politik und Boulevard so sinnfällig zusammentreffen wie im medialen Diskurs über das Kanzlerinnen-Dekollet, wird über ›die Neuordnung der Geschlechter in der Politik der Mediengesellschaft‹ verhandelt. Zu diesem Prozess hat Margreth Lünenborg in dem von ihr herausgegebenen Band dreizehn Texte und eine Einführung versammelt. Die Aufsätze beleuchten die Strukturen im Journalismus, nehmen entweder einzelne politische AkteurInnen unter die empirische Lupe oder analysieren allgemeinere Genderdiskurse, thematisieren Rezeption und RezipientInnen oder lassen sich auf der historischen Dimension verorten.Ausgangspunkt des Bandes ist die Tagung »Politik auf dem Boulevard?«, zu der Margreth Lünenborg im September 2007 im Namen der Fachgruppe ›Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht‹ in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft eingeladen hatte. Hoch anzurechnen ist sowohl der Herausgeberin als auch den AutorInnen, dass es sich nicht um eine 1:1-Umsetzung der Tagungsbeiträge handelt, sondern dass diese aktualisiert sowie um die in der Diskussion gewonnenen Erkenntnisse ergänzt und aufeinander bezogen wurden.
Einzelne Beiträge zeigen recht deutlich Gefahren oder Grenzen der Boulevardisierung des Politischen auf, so der von Claudia Riesmeyer und Martina Thiele, die zeigen, wie Spiegel und Spiegel online in der Berichterstattung über die Ablösung von Sabine Christiansen Geschlechterstereotype reproduzieren (›Ersatz für Queen Blabla gesucht‹).
Ausgesprochen instruktiv und rezeptionsfreundlich sind die Texte von Jörg-Uwe Nieland über Merkels Strategien für den Ritt über den medialen Boulevard und von Marlène Coulomb-Gully über die HauptakteurInnen des französischen Präsidentschaftswahlkampfs 2007, Nicolas Sarkozy und Ségolène Royal.
Nicht abschließend umrissen wird das positive Potenzial der Boulevardisierung des Politischen für die Neuordnung der Geschlechter - hier ist offensichtlich weitere Empirie und Analyse vonnöten.
Zum Schluss stellt sich die Frage, ob es erstaunlich ist oder vielmehr bestens ins Klischee passt, dass die einzige Attribuierung von Merkels Auftritt in Oslo - um nicht zu sagen: von Merkels Dekolleté - als ›unvorteilhaft‹ ausgerechnet dem einzigen männlichen Beiträger des Bandes zuzuschreiben ist.
Petra Werner
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