Macht die Gesellschaft depressiv?

Alain Ehrenbergs Theorie des »erschöpften Selbst« im Licht sozialwissenschaftlicher und therapeutischer Befunde

Die häufigste psychische Krankheit ist gegenwärtig laut WHO und EU die Depression, die in ihren Konsequenzen noch vielfach unterschätzt wird. Zu ihren Folgen zählt nicht selten der Suizid. Ihren Ursachen auf den Grund zu gehen, ist also dringlich. Gleichwohl fehlt in Psychologie und Medizin noch immer ein einheitliches Verständnis dieser affektiven Störung, und eine Erklärung ihrer Genese steht noch immer aus. Der französische Soziologe Alain Ehrenberg durchbricht nun mit seiner viel diskutierten Studie »Das erschöpfte Selbst, Depression und Gesellschaft in der Gegenwart« (deutsch 2004) die binnensystemische psychologische Betrachtung der zahlreichen Erscheinungsformen von Depression und bietet stattdessen eine einheitliche gesellschaftstheoretische Erklärung der Krankheit an.

Ehrenbergs These, die depressive Verstimmung sei als Zeitkrankheit vom gesellschaftlichen Weltsicht- und Selbstverwirklichungsdiskurs verursacht, wird in diesem Buch auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft – zum einen anhand eigener therapeutischer Praxisfälle, zum anderen durch Korrelation mit der aktuellen Wissenschaftsdebatte.

27,80 € *

2008-09-27, 268 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1017-8

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Elisabeth Summer

Elisabeth Summer, psychologische Psychotherapeutin und Verhaltenstherapeutin, Deutschland

... mit Dipl.-Psych. Elisabeth Summer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Inwieweit ›die Welt‹ meine Studie braucht, möchte ich nicht mutmaßen, zumal der Trend in der modernen Gesellschaft vorherrscht, das negative Selbstkonzept von Depressiven nicht ernsthaft infrage zu stellen. Ist dieses aber die Ursache von Depression, wie dargelegt wird, geht daran kein Weg vorbei. Sicher ist, dass eine befriedigende und allgemein akzeptierte Erklärung der modernen Krankheit Depression bisher in der wissenschaftlichen Literatur gefehlt hat, und dazu leistet das Buch einen wichtigen Beitrag, und damit auch eine Voraussetzung, dieser affektiven Störung therapeutisch wirksam und zuverlässig zu begegnen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der Soziologe Ehrenberg hatte mit seiner aktuellen Schrift »Das erschöpfte Selbst« erstmals eine Argumentationslinie vorgegeben, um Depression im gesellschaftlichen Ideologiekontext zu verstehen – allerdings mit dem Tenor, die bürgerlichen Freiheiten selbst seien es, die Menschen krank machen. Doch geht das selbstzerstörerische ›Problem‹ von Depressiven, ihre Individualität sei den sozialen Anforderungen nicht gewachsen, ihr Selbst daher deplaciert, mit der Realität keineswegs konform. Gerade diese kognitive Fehlorientierung, dem sozialen Diskurs entsprechend, lässt sie an sich selbst leiden und macht sie handlungsunfähig, nicht die Freiheit. Das belege ich anhand ausführlich dargelegter therapeutischer Fälle.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ist, wie schon der US-Therapeut Aaron T. Beck darlegte, eine fehlerhafte Selbstverortung von Depressiven in ihrer Umwelt Ursache ihrer Krankheit, wobei auch noch - was Beck nicht im Blickfeld hat – individuell übernommene, inadäquate euphorisierende ideologische Freiheitstheoreme der Gesellschaft die heutige Vermassung von Depressionen begründen, bedürfen Therapieforschung und –praxis einer grundlegenden Neuorientierung. Psychische und somatische Begleiterscheinungen von Depression sind dann auf einen kognitiven Ursprung zurückzuführen und zusammen mit diesem zu kurieren. Heilverfahren, die sich auf Symptome reduzieren, würden dann in ihrer Bedeutung relativiert.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Betroffenen, die Argumentationen gegenüber offen sind, die negative Selbstverortung Depressiver debattieren, und mit Kolleginnen und Kollegen aus der Psychotherapie, die Erfahrungen mit Depressionsfällen haben, an denen im Diskurs angeknüpft werden kann.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Theoretische Überlegungen und Fallanalysen zeigen, dass Depression auf eine sozial, d.h. freiheitsideologisch vorgeprägte kognitive Fehlorientierung der Kranken zurückzuführen ist.

Autor_in(nen)
Elisabeth Summer
Buchtitel
Macht die Gesellschaft depressiv? Alain Ehrenbergs Theorie des »erschöpften Selbst« im Licht sozialwissenschaftlicher und therapeutischer Befunde
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
268
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1017-8
DOI
10.14361/9783839410172
Warengruppe
1533
BIC-Code
JMH JFFH MBS
BISAC-Code
PSY031000 SOC057000 MED000000
THEMA-Code
JMH JBFN MBS
Erscheinungsdatum
2008-09-27
Auflage
1
Themen
Medizin
Adressaten
Psychologie, Medizin, Psychiatrie, Sozialpsychologie
Schlagworte
Psychologie, Psychotherapie, Psychische Erkrankungen, Depression, Medizin, Sozialpsychologie, Medizinsoziologie

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