Interkulturelles Theater zu Beginn des 21. Jahrhunderts

Ästhetik – Politik – Postkolonialismus

Das Theater ist seit jeher von interkulturellem Austausch geprägt. Besonders die Avantgarden des 20. Jahrhunderts verdeutlichen, dass die Begegnung mit dem kulturell Andersartigen immer wieder zu radikal neuen Ästhetiken geführt hat. Theater ist aber nicht bloß eine Kunstform: Es hat stets auch eine politische Dimension. Umso mehr erstaunt es, dass die Wissenschaft über Jahre interkulturelles Theater kaum beachtet hat – trotz der Diskussionen interkultureller Probleme im Zeitalter der Globalisierung.

Hier eröffnet sich ein Feld für kultur- und theaterwissenschaftliche Reflexion, das neuer Ansätze bedarf – vor allem für das Verhältnis von Ästhetischem und Politischem. Während das Politische oft in den Stoffen einer Aufführung gesehen wird, weist dieses Buch nach, dass das Ästhetische im interkulturellen Theater immer zugleich das Politische ist. Es beschreibt aktuelle Formen der Verflechtung differenter Theaterkulturen aus Asien, Süd- und Nordamerika und entwickelt dabei die theoretischen Grundzüge einer postkolonialen Ästhetik interkulturellen Theaters.

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2008-12-27, 296 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1055-0

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Christine Regus

Christine Regus, Goethe-Institut Berlin, Deutschland

... mit Christine Regus

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil es aktuell und einem zentralen kulturpolitischen Problem gewidmet ist: Globalisierung verunsichert und die Sehnsucht nach kollektiver Identität innerhalb klarer Grenzen wächst. Das Sprechen von ethnischen oder nationalen Identitäten hat in unseren Feuilletons Konjunktur. In anderen Regionen der Welt löst es gewalttätige Konflikte aus und zeigt so, dass die Hoffnung, das Lokale könne durch Abschottung oder Kulturkampf geschützt werden, letztlich zu einer fatalen Entgegensetzung von Eigenem und Fremdem führt. Eine Rhetorik der Abgrenzung findet sich auch immer noch in Kulturpolitik, kuratorischer Praxis und den Künsten selbst. Und auch der Alltag zeigt: Irritation, Begehren und Aggression gehören zur Erfahrung der Interkulturalität und erfordern verstärkte Reflexion. Das Buch ist aktuellem Theater gewidmet, das hierzu in den letzten Jahren besonders interessante Beiträge auf die Bühne brachte.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Auseinandersetzung mit interkulturellem Theater im 21. Jahrhundert hat noch keinen Eingang in die relevante Literatur gefunden. Die einschlägigen Publikationen aus den 1980ern und 90ern sind nicht mehr auf aktuellem Stand, für das Thema entscheidende gesellschaftliche Prozesse wie Globalisierung und Migration werden dort genauso wenig berücksichtigt wie neuere theoretische Ansätze, etwa der postkoloniale Diskurs oder eine Ästhetik des Performativen. Das vorliegende Buch integriert diese Entwicklungen und wendet sie auf aktuelle Theaterinszenierungen aus Asien und den Amerikas an.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es erstaunt, dass seit einigen Jahren im deutschsprachigen Raum kaum mehr etwas Relevantes zu Theaterformen veröffentlicht wurde, die als ›interkulturell‹ bezeichnet werden können. Seit Neuestem kommt dem Thema aber wieder große Aufmerksamkeit zu; vor wenigen Wochen startete etwa das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit knapp zehn Millionen geförderte und hochkarätig besetzte geisteswissenschaftliche Kolleg ›Verflechtung der Theaterkulturen‹ an der Freien Universität in Berlin unter der Leitung der renommierten Theaterwissenschaftlerinnen Erika Fischer-Lichte und Gabriele Brandstetter. Ohne Zweifel wird das Thema dadurch wieder die Beachtung erfahren, die es verdient.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit denen, die meinen, genau zu wissen, was ›deutsches‹, ›afrikanisches‹ oder ›asiatisches‹ Theater ausmacht. Und denen, die meinen, avanciertes Theater sei nur im Westen zu finden, woanders gebe es nur Folklore. Und denen, die auch heute noch exotistische Spektakel mit ›Völkerverständigung‹ begründen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine Einführung in Ästhetik und Politik interkulturellen Theaters zu Beginn des 21. Jahrhunderts.

»Ein Verdienst der Studie kann nicht hoch genug geschätzt werden: Die Untersuchung wendet sich neuen Gegenständen zu und trägt somit zu einer Reflexion der bisherigen Abgrenzung des Bereichs bei, die letztendlich zu einer Erweiterung des Verständnisses führen könnte.«
Christian Steltz, Zeitschrift für interkulturelle Germanistik (ZIG), 2/1 (2011)
»In jeder der drei Aufführungsanalysen findet sich eine beeindruckende Zahl von Themen und Motiven; interessant ist auch die Berücksichtigung der eigenen Emotionen und Widerstände der Analysierenden. Im Schlusskapitel fasst Regus die Ergebnisse zusammen und konstatiert, dass das neue interkulturelle Theater postdramatisch und institutionskritisch ist.
Wichtige und interessante Studie.«
Brigitte Dalinger, [rezens.tfm], 17.11.2009
»Die Untersuchung [...] vereint sinnlich-konkrete, genaue Beschreibungen mit hoch intelligenten Analysen; Grundprobleme des Verstehens werden präzise herausgearbeitet; Begriffe und Kategorien werden in sorglicher terminologischer Arbeit geklärt; Theoretisierungen machen vielfältige Erfahrungen mitteilbar, ohne sich dogmatisch zu verfestigen.«
Prof. Dr. Hans Wolfgang Nickel, www.socialnet.de, 21.09.2009
»Christine Regus legt [...] ein sehr interessantes und obendrein lesbares Buch vor.«
Susan Mahmody, www.theaterforschung.de, 18.08.2009
Autor_in(nen)
Christine Regus
Buchtitel
Interkulturelles Theater zu Beginn des 21. Jahrhunderts Ästhetik – Politik – Postkolonialismus
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
296
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1055-0
DOI
10.14361/9783839410554
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN HBTR JFC
BISAC-Code
PER011020 POL045000 SOC022000
THEMA-Code
ATD NHTR JBCC
Erscheinungsdatum
2008-12-27
Auflage
1
Themen
Postkolonialismus, Theater
Adressaten
Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft, Ethnologie, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft
Schlagworte
Theater, Postkolonialismus, Interkulturalität, Globalisierung, Cultural Studies, Theaterwissenschaft, Kulturtheorie

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