Imaginierter Westen

Das Konzept des »deutschen Westraums« im völkischen Diskurs zwischen Politischer Romantik und Nationalsozialismus

Am Kreuzungspunkt der Diskurse um Nation und Raum entstanden Ende des 19. Jahrhunderts Konzepte von Grenzen, die keine Linien mehr waren, sondern Räume. Dies war die Grundlage eines Raumbildes, das Deutschland nicht nur über seine Staats-, sondern auch über die deutsche Sprachgrenze hinaus vergrößerte. Der Band untersucht diese Transformation der Grenzen am Beispiel der deutschen Westgrenze. Anknüpfend an den antifranzösischen Nationsentwurf der Politischen Romantik und die wissenschaftliche Bestimmung der westlichen Sprachgrenze werden die Konzepte »Westmark«, »Westland« und »Westraum« rekonstruiert. Von den alldeutschen, jungkonservativen und nationalsozialistischen Diskursgemeinschaften geprägt, bezeichneten diese einen deutschen Grenzraum, der von der Kanal- und Nordseeküste bis zu den französischen Alpen und zur Rhône reichte, zugleich jedoch in hohem Maße symbolisch und ideologisch aufgeladen war. Als Gegenstück zum »Ostland« wurde dieses Raumkonstrukt zum Leitbild deutscher Kriegsziel- und Germanisierungspolitik und zu einem Symbolraum des »Neuen Europa« der SS.

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2009-04-27, 434 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1112-0

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Thomas Müller

Thomas Müller, Projekt »Route Charlemagne« der Stadt Aachen, Deutschland

... mit Thomas Müller

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Nun, ob die Welt mein Buch wirklich braucht? Ich weiß es nicht. Sollte aber der eine oder andere sich für ein Land interessieren, das es aus Sicht der alldeutschen, der völkischen und der NS-Bewegungen jenseits der deutschen Westgrenze gab, das sie für deutsch hielten und das sie dort, wo die Menschen französisch sprachen, mit Gewalt deutsch besiedeln wollten, so wird derjenige in meinem Buch eine historische Geographie dieses ›Westlandes‹ oder, wie ich es nenne, dieses imaginierten Westens finden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Als ich die imaginative Geographie dieses ›deutschen‹ Raumes umriss, machte ich drei Entdeckungen: erstens, dass die Konstruktion eines deutschen ›Raumes‹ beiderseits von Staats- und Sprachgrenze sehr viel früher einsetzte als allgemein angenommen; zweitens dass sie Teil einer grundlegenden Transformation des Grenzbegriffs im ausgehenden 19. Jahrhundert ist, die die Vorstellung linearer und verbindlicher Grenzen durch ein Konzept räumlicher und dynamischer Grenz-Länder ersetzt; drittens, dass sich die in diesem Sinne als ein Raum gedachte Westgrenze zuerst in den alldeutschen Zukunftsentwürfen um 1900 und dann in den durch das Kriegserlebnis der Westfront radikalisierten jungkonservativen Zirkeln mit Vorstellungen suspendierter Normalität, perpetuierter Gewalt und rassischer Antagonismen verbindet, die ganz wesentliche Elemente der NS-Herrschaft werden sollten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Vielleicht wird das Buch dazu beitragen, die Erforschung der intellektuellen Basis des nationalsozialistischen Raumordnungskrieges, der immer auch ein Selektions- und Vernichtungskrieg war, einmal mit den Forschungen über die Konstruktion von Räumen und über imaginative Geographien, wie sie unter dem Stichwort ›spatial turn‹ diskutiert werden, zu verbinden. Auf diese Weise könnte, historiographisch gedacht, so etwas wie eine Begriffsgeschichte des expandierenden Raumes entstehen, welcher, geographisch gedacht, der imaginativen Geographie des ›Deutschen‹ entsprechen könnte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Hannah Arendt. Ich hatte mich nie wirklich mit ihrem Werk beschäftigt. Als ich aber vor meiner Prüfung ihre ›Ursprünge und Elemente totaler Herrschaft‹ in die Hand nahm, war mir sofort klar, dass die Schlüsse, die sie in Bezug auf die ›politische‹ Überschreitung des Nationalstaats durch die pangermanischen und völkischen Bewegungen zog, fast identisch sind mit dem, was ich zur ›räumlichen‹ Überschreitung des Nationalstaats festgestellt hatte.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es ist die Konzeptgeschichte eines imaginierten Deutschland jenseits der realen deutschen Grenze.

»Indem [Müller] die verschiedenen Grenzabschnitte von der Nordsee bis zu den Alpen diskutiert, zeigt er die mitteleuropäische Dimension der ›Westgrenze‹ auf. Es ist zu wünschen, daß für die anderen ›Grenzabschnitte‹ ähnliche Studien folgen.«
Michael Fahlbusch, geographische revue, 1/2 (2011)
Besprochen in:

WLA-online-Archiv, 49/1 (2010), Christoph Brüll
Rheinische Vierteljahrsblätter, 75 (2011), Willi Oberkrome
Autor_in(nen)
Thomas Müller
Buchtitel
Imaginierter Westen Das Konzept des »deutschen Westraums« im völkischen Diskurs zwischen Politischer Romantik und Nationalsozialismus
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
434
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1112-0
DOI
10.14361/9783839411124
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLL
BISAC-Code
HIS010000 HIS054000 HIS037060
THEMA-Code
NHD NHTB
Erscheinungsdatum
2009-04-27
Auflage
1
Themen
Raum, Politik
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Kulturgeographie
Schlagworte
Raum, Grenze, Nationalismus, Westgrenze, Westmark, Westforschung, Politik, Europäische Geschichte, Sozialgeschichte, Geschichte des 19. Jahrhunderts, Kulturgeographie, Geschichtswissenschaft

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