Sozialhygiene als Gesundheitswissenschaft

Die deutsch/deutsch-jüdische Avantgarde 1897-1933. Eine Geschichte in sieben Profilen

Dieses Buch bietet die erste Gesamtschau der Sozialhygiene als Wissenschaft in Deutschland. Gesundheit wurde unter starker deutsch-/jüdischer/ Teilhabe zum Wissenschaftsobjekt! Was entstand, war eine frühe Form der Gesundheitswissenschaft, die sich auf Statistik, Interdisziplinarität, Epidemiologie und Gesundheitsfürsorge stützte und die durch ihre ätiologische und prophylaktische Sichtweise von Gesundheit und Krankheit das Selbstverständnis der Medizin revolutionierte.

Die Sozialhygieniker verankerten »Gesundheit« in der Gesellschaft – ihre Bemühungen zielten letztendlich auf Bevölkerungsgesundheit, nicht nur auf die Besserstellung und Gesundheit der unteren Sozialschichten. Soziale Gerechtigkeit bedeutete ihnen Gleichstellung aller vor der Gesundheit.

Anhand von sieben Profilen deutsch/deutsch-jüdischer Wissenschaftler zeichnet das Buch die Geschichte der Sozialhygiene nach und zeigt, wie sie schließlich dem NS-Terror zum Opfer fiel. Nicht zuletzt verdeutlicht es ein tragisches Geschehen: Alfred Grotjahn, der Initiator, inkorporierte mit seiner Eugenik einen Explosivstoff von großer Sprengkraft in das Fundament des jungen Fachs ...

29,80 € *

2009-10-27, 422 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1144-1

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Wilfried Heinzelmann (verst.)

Wilfried Heinzelmann, Gesundheitswissenschaftler, Deutschland

... mit Wilfried Heinzelmann

1. »Bücher die die Welt nicht braucht«. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil im Zeitalter von Globalismus und »Krise« Freiheit und soziale Gerechtigkeit bedroht sind. In der deutschen Sozialhygiene 1897 - 1933 erweisen sich die neuen Probleme als die alten. Es musste A. Grotjahns Versuch entgegengewirkt werden, seine »rationelle« Eugenik zu realisieren, ein sozialtechnologisches Programm zur Ausrottung erblicher Degenerationen, möglich nur in einem autoritären Staat. Dann galt es, soziale Gerechtigkeit auf dem Weg über Bevölkerungsgesundheit, d.h. durch gesetzliche Gleichstellung aller Bürger vor der Gesundheit zu gewährleisten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Perspektive, dass schon zu Beginn des Jahrhunderts und nicht erst 1980 die Gesundheitswissenschaften in unserem Land ihren Anfang nahmen, nur abrupt unterbrochen durch die Nazis. Gesundheit ist im wachsenden Diesseitigkeitsglauben seit der Aufklärung an die Stelle der religiösen Inhalte ins Zentrum unserer existentiellen Grundanschauungen gerückt. Gesundheit und Krankheit müssen aus zwei Blickwinkeln beurteilt werden, aus individueller Sicht und aus epidemiologischer, d.h. aus Bevölkerungssicht. Nur dadurch erkennt man Gesundheit als das Primäre.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Zusammenhang mit einer Umorientierung der deutschen Geschichtsforschung und steigendem Interesse englischsprachiger Autoren wandte sich um 1980 das Interesse vermehrt jüdischen Sozialhygienikern und nazistischen Verfolgungstaktiken zu. Erst der Exodus der jüdischen Experten 1933, der das Fach ausbluten ließ, machte deutlich, wie stark die deutsch-jüdische Fraktion in der Disziplin wirklich war. Diskussionen löste die Erkenntnis aus, in welchem Ausmaß sich A. Grotjahn, der Begründer des Fachs, am Abbau bürgerlicher Freiheiten beteiligte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren und warum?

Mit jedem, der an den schwer errungenen bürgerlichen Rechten in unserer Republik strikt festhält – oder im Gegenteil gerade dies nicht zu tun gedenkt. Es ist eben nicht richtig, zu glauben, sie seien unabänderlich gesichert. Das Beispiel Grotjahns und partiell auch seiner deutsch-jüdischen Mit- und Gegenspieler in der Sozialhygiene zeigt, wie auch hervorragende Wissenschaftler, fast nur halb bewusst, politisch verhängnisvolle Wege einschlagen können. Das Glück, mit einem Politiker über ein (solches) Buch zu diskutieren, wird sich allerdings kaum ergeben.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Mein Buch soll ein Zeugnis sein für die Aktualität problemgeschichtlicher Betrachtung: Anfängen nachzuspüren, um unsere Gegenwart illusionslos zu verstehen.

»Die Publikation besticht durch ihre Materialfülle.«
Michael Kaasch, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft (ZfG), 59/9 (2011)
Buchtitel
Sozialhygiene als Gesundheitswissenschaft Die deutsch/deutsch-jüdische Avantgarde 1897-1933. Eine Geschichte in sieben Profilen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
422
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1144-1
DOI
10.14361/9783839411445
Warengruppe
1510
BIC-Code
PDX MBX HBLW
BISAC-Code
SCI034000 MED051000 HIS037070
THEMA-Code
PDX MBX
Erscheinungsdatum
2009-10-27
Auflage
1
Themen
Medizin, Wissenschaft, Judentum
Adressaten
Gesundheitswissenschaften, Medizingeschichte, Sozialgeschichte, Genetik
Schlagworte
Sozialhygiene, Gesundheitswissenschaften, Judentum, Eugenik, NS-Regime, Alfred Grotjahn, Wissenschaft, Medizin, Wissenschaftsgeschichte, Medizingeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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