Wittgenstein als Moralist

Eine medienphilosophische Relektüre

Dieses Buch wirft ein vollkommen neues Licht auf das Denken Wittgensteins und auf die Entwicklung der Philosophie im 20. Jahrhundert. Bisher wurde Wittgensteins Philosophie immer aus dem Ringen mit ihrer Wissenschaftlichkeit verstanden. Logik und Positivismus sowie die Abkehr von deren Idealen strukturieren demnach das Werk.

Fasst man den Ansatz weiter und sieht eine praktische Lebenshaltung als vorrangig an, so erscheint Wittgensteins Denken als ein moralisches Aufbäumen gegen die Wiener Dekadenz, indem er ultimative Weltmaßstäbe fordert. Das spektakuläre Scheitern des Projekts kann als beispielhaft dafür gelten, wie Philosophie im 20. Jahrhundert zuerst nur noch als Literatur möglich erscheint, dann aber wegweisende Grundlage für eine Bild- und Filmtheorie wird und zuletzt den Ausblick zu einer Verbindung mit den Neurowissenschaften eröffnet.

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2009-10-27, 218 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1146-5

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Martin Gessmann

Martin Gessmann, Universität Heidelberg, Deutschland

... mit Martin Gessmann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Über Wittgenstein ist so unendlich viel geschrieben worden, dass man sich aufrichtig wundert, warum sich niemand jemals gefragt hat, was dieser Exzentriker in der Philosophie eigentlich wollte. Wesentlich an der neuen Lektüre ist die Einordnung Wittgensteins in die Literatur der Moralisten. In Zeiten der Dekadenz versucht sie, durch Überspitzung moralischer Ansprüche der Welt wieder einen Sinn für Ordnung beizubringen. Deshalb muss die Moral auch für Wittgenstein so zwingend sein wie logische Schlüsse.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit der Einordnung Wittgensteins als Moralist kann man auch nachvollziehen, vor welchen Herausforderungen und Veränderungen die Philosophie im 20. Jahrhundert im Ganzen gestanden hat. Die Enttäuschung, mit dem Vorhaben einer Wiederherstellung der Kultur grandios gescheitert zu sein, hat stilbildend auf eine ganze Epoche gewirkt. Und zu Beginn des 21. Jahrhunderts scheint sich schließlich noch eine besondere Chance aufzutun: Sobald Wittgensteins Resignation und seine Bescheidung mit den Lebenstatsachen in eine Verbindung mit den Lebenswissenschaften gebracht wird, so dass sich eine Aussicht auf die Philosophie als einer neuen Grundlagendisziplin eröffnet.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Forschungsdebatte um Wittgenstein ist zum ganz überwiegenden Teil analytisch geprägt. Und selbst dort, wo sie über die Grenzen einer technischen Behandlung hinaus fragt, werden die Antworten meist im Rahmen eines vorhersehbaren Common Sense der anglo-amerikanischen Moralphilosophie gegeben. Mit »Wittgenstein als Moralisten« wird dagegen der Versuch unternommen, einen wenig erbaulichen, dafür aber philosophisch wegweisenden Autor vorzustellen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Peter Sloterdijk, weil er wie kein anderer glaubhaft macht, die Tradition abendländischer Philosophie aus einem Geiste der Übertreibungen zu verstehen und sich Wittgenstein in besonderer Weise diesem Geiste verschrieben hat. Aber auch, weil Sloterdijk diesem Geiste offenbar nicht mehr viel Gutes zutraut und Wittgenstein eben doch auch als ein Autor vorgestellt werden muss, aus dessen Verzweiflung noch zu lernen ist.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Mit Wittgenstein kann man lernen, wie aus einem tief empfundenen Versagen der Philosophie eine einzigartige Chance zu ihrer Erneuerung werden kann.

Besprochen in:

Wittgenstein-Studien, 2 (2011)
Autor_in(nen)
Martin Gessmann
Buchtitel
Wittgenstein als Moralist Eine medienphilosophische Relektüre
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
218
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1146-5
DOI
10.14361/9783839411469
Warengruppe
1526
BIC-Code
HPC JFD HPQ
BISAC-Code
PHI016000 SOC052000 PHI005000
THEMA-Code
QDH JBCT QDTQ
Erscheinungsdatum
2009-10-27
Auflage
1
Themen
Medien, Bild, Ethik
Adressaten
Philosophie, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft
Schlagworte
Wittgenstein, Philosophie, Wissenschaft, Moral, Literatur, Bildtheorie, Medien, Ethik, Bild, Deutsche Philosophiegeschichte, Medienphilosophie, Bildwissenschaft

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