Postspektakuläres Theater

Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste

Postspektakuläres Theater – damit ist nicht etwa ein Theater in einer Gesellschaft nach dem Spektakel gemeint. Vielmehr schlägt diese Studie die Bezeichnung für solche Formen der zeitgenössischen szenischen Kunst vor, die das kritische Potential der Aufführung vor dem Hintergrund veränderter Bedingungen des Spektakels nicht mehr in der Betonung von Unmittelbarkeit suchen, sondern es stattdessen anhand eines Ausspielens von Mittelbarkeit entfalten. Während Überlegungen zur Alterität der Aufführung in der Regel die Ko-Präsenz von Akteuren und Zuschauern voraussetzen und deren Beziehungen als unmittelbare denken, entwirft diese Studie einen anderen Begriff der Aufführung und zeigt, dass deren Alterität stets eine vermittelnde dritte Instanz involviert.

Aus eingehenden Analysen zahlreicher Arbeiten so unterschiedlicher Künstler_innen wie Rabih Mroué, Mette Ingvartsen, Heiner Goebbels, Erwin Wurm u.a. werden weitreichende theoretische Konsequenzen gezogen, die über die Theaterwissenschaft hinaus auch allgemein kunstwissenschaftliche Fragestellungen und solche der philosophischen Ästhetik betreffen. So wird beispielsweise das Verhältnis von Aufführungs-, Inszenierungs- und Werkbegriff neu bestimmt sowie entscheidend zur Diskussion um die Entgrenzung der Künste und zur Beschreibung ästhetischer Erfahrung beigetragen.

Auszeichnung

Dissertationspreis der Justus-Liebig-Universität Gießen (Sektion Sprach-, Literatur-, Kultur- und Geschichtswissenschaften sowie Philosophie) 2009

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Vorwort

    Seiten 9 - 10
  4. Einlass: Postspektakuläres Theater

    Seiten 11 - 30
  5. Programm: Thesen - Theorie - Aufbau - Methoden

    Seiten 31 - 46
  6. Prolog: dramatisch - postdramatisch - postspektakulär

    Seiten 47 - 48
  7. I.1. Signifikanten des Begehrens: Postspektakuläre Videobilder

    Seiten 53 - 55
  8. I.2. Zwei im Dreierverhältnis: Two von Paul Gazzola

    Seiten 56 - 89
  9. I.3. Face-Inter-Face: Looking for a missing employee von Rabih Mroué

    Seiten 89 - 108
  10. II.1. Jenseits der Body-Art: Postspektakuläre Körper

    Seiten 112 - 121
  11. II.2. Organlose Körper

    Seiten 121 - 129
  12. II.3. Körperlose Organe

    Seiten 129 - 148
  13. II.4. Dimensionen der Entstellung in Arbeiten von Mette Ingvartsen

    Seiten 148 - 186
  14. II.5. Theater des Virtuellen: Körperlose Organe und Genießen des Anderen

    Seiten 186 - 191
  15. II.6. Jenseits des Spiegels: Pièce pour bras von Brice Leroux

    Seiten 191 - 202
  16. III. Theater der Objekte

    Seite 205
  17. III.1. Exzessive Objekte statt ekstatische Dinge: Postspektakuläre Gegenstände

    Seiten 205 - 207
  18. III.2. Objekthaftigkeit: Vom Objekt als Gegenstand zum Objekt als Abwesenheit

    Seiten 207 - 230
  19. III.3. Jenseits der Leinwand: M.#10 Marseille von Romeo Castellucci/ Socìetas Raffaello Sanzio

    Seiten 230 - 238
  20. III.4. Wenn die Dinge stiften gehen: Stifters Dinge von Heiner Goebbels

    Seiten 238 - 266
  21. IV.1. Inszenierung als ,Exszenierung': Postspektakuläre Rahmung

    Seiten 269 - 270
  22. IV.2. Die Ansage: This Performance von David Weber-Krebs

    Seiten 270 - 271
  23. IV.3. Die ,Vor-Schrift': One Minute Sculptures von Erwin Wurm

    Seiten 272 - 278
  24. IV.4. Informations-Artikulation zwischen Zeigen und Erzählen

    Seiten 279 - 280
  25. IV.5. Information als selbstreflexive Rahmung: Die Metaisierung des ,Neben-Sächlichen'

    Seiten 280 - 289
  26. IV.6. ,Par-Agon' statt Hypermarkt: ?eský Sen - Der tschechische Traum von Vít Klusák/Filip Remunda

    Seiten 289 - 305
  27. IV.7. ,Neben-Schauplatz' statt Hypertheater: The Theatre von International Festival

    Seiten 305 - 336
  28. V.1. Von der Aufführung zum Text, vom Text zur Aufführung und zurück: Ein Exkurs

    Seiten 341 - 355
  29. V.2. Konsequenzen

    Seiten 355 - 392
  30. V.3. Ästhetische Erfahrung als Genießen des Anderen: Ein Resümee

    Seiten 392 - 399
  31. V.4. Revue-Passe

    Seiten 399 - 408
  32. Bibliographie

    Seiten 409 - 420
  33. Abbildungsverzeichnis

    Seiten 421 - 422
  34. Backmatter

    Seiten 423 - 424
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35,80 € *

2009-10-27, 424 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1219-6

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André Eiermann

André Eiermann, Justus-Liebig-Universität Gießen, Deutschland

... mit André Eiermann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

»Postspektakuläres Theater« hinterfragt grundlegende Prämissen der Theaterwissenschaft und gibt unkonventionelle Antworten – insbesondere auf die Frage, was eine Aufführung ist. Ausgehend von der Beobachtung, dass sich viele Aufführungen der zeitgenössischen szenischen Kunst mit hergebrachten theaterwissenschaftlichen Kategorien nicht angemessen beschreiben lassen (und diesen Kategorien mitunter sogar widersprechen), entwickelt die Arbeit Begriffe, die eine solche Beschreibung ermöglichen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im Zusammenhang der Entwicklung eines Aufführungsbegriffs, der die Begegnung von Akteuren und Zuschauern weder als unmittelbare noch als Bedingung der Aufführung denkt, eröffnet das Buch auch neue Perspektiven auf Begriffe wie Performativität, Theatralität, Inszenierung, Ereignis und ästhetische Erfahrung. Zudem zeigt es, dass die Entgrenzung der Künste seit den 1960er Jahren nicht nur als ›performative Wende‹ von der bildenden zur szenischen Kunst, sondern in beide Richtungen verläuft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

»Postspektakuläres Theater« gibt der aktuellen theaterwissenschaftlichen Diskussion wichtige Impulse, indem es nicht nur längst überfällige Revisionen etablierter Begriffe vornimmt, sondern auch neue Begriffe in die Diskussion einbringt. Das Buch erschließt entscheidende, bislang jedoch kaum berücksichtigte Aspekte der Ästhetik zeitgenössischer szenischer Kunst und es eröffnet interdisziplinäre Anschlussmöglichkeiten, die insbesondere für die Beschreibung entgrenzter Kunst relevant sind.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Grundsätzlich natürlich mit allen, die Interesse haben. Darüber hinaus wären Jacques Lacan und Guy Debord auf jeden Fall zwei Kandidaten gewesen. Auch Diskussionen mit Slavoj Zizek, Hans-Thies Lehmann und Erika Fischer-Lichte wären sicher sehr spannend – und mit den Künstlerinnen und Künstlern, über deren Arbeiten ich geschrieben habe.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Postspektakuläres Theater« bewegt sich zwischen Theorie und Praxis des Theaters, um die Herausforderungen anzunehmen, mit denen sie einander konfrontieren.

Besprochen in:

www.nachtkritik.de, 12.01.2010, Esther Boldt
Autor_in(nen)
André Eiermann
Buchtitel
Postspektakuläres Theater Die Alterität der Aufführung und die Entgrenzung der Künste
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
424
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1219-6
DOI
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN JHB
BISAC-Code
PER011020 SOC022000
THEMA-Code
ATD JHB
Erscheinungsdatum
2009-10-27
Auflage
1
Themen
Theater, Ästhetik
Adressaten
Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Tanzwissenschaft, Kunstwissenschaft, Kulturwissenschaft, Psychoanalyse, philosophische Ästhetik
Schlagworte
Alterität, Aufführung, Performativität, Theatralität, Ästhetische Erfahrung, Theater, Ästhetik, Theaterwissenschaft, Körper

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