Von Differenz zu Gleichheit

Frauenbewegung und Inklusionspolitiken im 19. und 20. Jahrhundert

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert hat die erste Frauenbewegung mit der Verankerung eigens Frauen vorbehaltener Bildungs- und Berufsbereiche zur Durchsetzung eines differenzbezogenen Musters der Fraueninklusion beigetragen. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hingegen tritt die zweite Frauenbewegung für ein uneingeschränktes Recht auf Gleichheit ein.

Das Buch führt diesen Wandel von Differenz zu Gleichheit auf konstitutive Zusammenhänge zwischen mobilisierungsfähigen Semantiken der Frauenbewegungen und Prozessen der Binnendifferenzierung des politischen Systems zurück. Seit den 1960er Jahren ist mit den modernen Volksparteien ein Staat entstanden, der der Garantie gesellschaftlicher Teilnahmerechte der Gesamtbevölkerung verpflichtet ist. Schichtung verliert als soziale Konfliktlinie an Bedeutung. Erst diese Entwicklung verhilft dem Anspruch der individuellen und sozialen Gleichheit der Geschlechter und dem Muster einer geschlechtsunabhängigen Inklusion zum Durchbruch.

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2009-05-27, 208 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1224-0

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Ingrid Biermann

Ingrid Biermann, Universität Erfurt, Deutschland

... mit Ingrid Biermann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Gleichheit bildet einen der zentralen Werte der modernen Gesellschaft. Historisch und soziologisch angelegt, beschreibt das Buch, dass die Durchsetzung des Anspruchs der individuellen und sozialen Gleichheit der Geschlechter voraussetzungsvoll war. Sie korrelierte mit der Nivellierung von Schichtung und mit der doppelten Inklusion von Frauen in das politische System, d.h. als Wählerinnen bzw. eigene Adressatengruppe der Parteien und als Adressatinnen des modernen Wohlfahrtsstaates. Diese Voraussetzungen treten erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es beschreibt mit den Begriffen ›Differenz und Gleichheit‹ nicht ein Nebeneinander bzw. ein Rivalisieren verschiedener Gleichheitskonzepte – diese Sichtweise trifft man oft in der Genderforschung an – sondern die historische Diskontinuität von ›Differenz zu Gleichheit‹. Es zeigt, dass soziale Bewegungen wie die Frauenbewegungen dann erfolgreich Protest mobilisieren, wenn sie über ein Gleichheitskonzept verfügen, das nach innen ein ›commitment‹ herstellt, und das zugleich über Anschlussmöglichkeiten an Modernisierungsprozesse in relevanten gesellschaftlichen Teilbereichen verfügt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Unter den Bedingungen des europäischen und globalen Wettbewerbs werden Fragen nach dem Verhältnis von individueller Gleichheit und Konkurrenz zwischen Arbeitnehmern/-innen drängender. Man sieht dies an supranationalen Gleichbehandlungsnormen, die die Chancengleichheit Benachteiligter unmittelbar mit dem Ziel einer hohen Arbeitsmarktintegration verbinden. Sie setzen für gesellschaftliche Integration auf die ökonomische Integration. Von Ebenen oberhalb des Staates gehen wichtige Impulse für einen weiteren Wandel moderner Gleichheitskonzeptionen aus.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Frauenrechtlerinnen, deren Gesellschaften sich in Modernisierungsumbrüchen befinden, z.B. mit Frauen aus Mittel- und Osteuropa.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch plädiert dafür, Gleichheit als Mobilisierungs- und Legitimationsstrategie zu thematisieren, deren Erfolg entscheidend davon abhängt, inwieweit der moderne Staat Verantwortung für die Inklusion der Bevölkerung in die Gesellschaft übernimmt.

»Die systemische Sicht fördert einen Blickwinkel, der einen schnellen Überblick in die Zusammenhänge sozialpolitisch bedeutsamer Veränderungsprozesse in ihren wechselseitigen Bezügen gestattet und die Eckdaten zur rechtlichen Gleichstellung erfasst.«
Rosemarie Lüters, www.socialnet.de, 11.12.2009
Besprochen in:

Revue de l'IFHA, 1 (2010), Paul Pasteur
Librairie Allemande, 24.11.2010, Paul Pasteur
Autor_in(nen)
Ingrid Biermann
Buchtitel
Von Differenz zu Gleichheit Frauenbewegung und Inklusionspolitiken im 19. und 20. Jahrhundert
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
208
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1224-0
DOI
10.14361/9783839412244
Warengruppe
1726
BIC-Code
JFSJ HBTB
BISAC-Code
SOC032000 HIS054000
THEMA-Code
JBSF NHTB
Erscheinungsdatum
2009-05-27
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Zivilgesellschaft
Adressaten
Soziologie, Geschichte, Gender Studies, Politikwissenschaft
Schlagworte
Gleichheit, Gender, Frauenbewegung, Politisches System, Wohlfahrtsstaat, Inklusion/Exklusion, Parteien, Soziale Bewegungen, Zivilgesellschaft, Gender Studies, Geschlechtergeschichte, Soziologie

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