Heiliger Krieg und Demokratie

Radikalität und politischer Wandel im islamisch-westlichen Vergleich

Der politische Islam – eine »terroristische« oder »faschistische« Bewegung? Entgegen dieser im Westen vielfach verbreiteten Wahrnehmung räumt der Band dem politischen Islam trotz aller Auswüchse als radikale Opposition eine zentrale Position auch in Prozessen der Demokratisierung und Modernisierung ein.

Der bislang in dieser Konsequenz verweigerte Vergleich mit der ebenfalls nicht widerspruchsfreien politischen Geschichte des Westens zeigt nicht nur erstaunliche Parallelen, sondern die tiefe Ambivalenz von Gefahren – aber auch Chancen –, die der politische Islam mit sich bringt. Für die Nahost- und Islampolitik des Westens kann es dann um nicht weniger gehen als um eine fundamentale Wende hin zu einer neuen Entspannungspolitik.

22,99 € *

27. Juli 2015, 282 Seiten
ISBN: 978-3-8394-1256-5
Dateigröße: 2.12 MB

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Kai Hafez

Kai Hafez, Universität Erfurt, Deutschland

... mit Kai Hafez

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Ich meine, dass dieses Buch sogar sehr dringend gebraucht wird. Bislang gibt es kaum Versuche, das Phänomen der politischen Gewalt und der Radikalität in der islamischen Welt in eine vergleichende Perspektive mit unserer eigenen Geschichte zu bringen. Ließen wir diesen Vergleich zu, würden wir möglicherweise eher verstehen, dass ein Phänomen wie das des modernen islamistischen Fundamentalismus nicht gänzlich irrational ist, sondern mit tiefgreifenden Umwälzungen zu tun hat, die dem Westen allesamt bekannt sind: Reformation, soziale Befriedung, politische Öffnung und fundamentale Opposition.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich glaube, mein Buch zeigt erstmals, dass die unterschiedlichen politischen Strömungen der islamischen Welt – vom Säkularismus über den religiösen Reformismus bis hin zum Fundamentalismus – Teil eines vollständigen politischen Aufbruchs diese Länder in eine Moderne sind, die bei aller oberflächlich betrachteten Fremdheit der westlichen Geschichte und jüngeren Gegenwart sehr ähnlich ist. Auch Martin Luther war kein Liberaler, sondern eifernder und intoleranter Traditionsbrecher – aber sicher ein wichtiger Baustein auf dem Weg in unsere heutige Moderne. Die Geschichte der islamischen Welt verläuft nicht identisch mit der des Westens, aber vielfach phasenversetzt nach einer durchaus ähnlichen Logik. Ich versuche, diese schwer erkennbaren Muster zentraler Entwicklungsprozesse zu entwirren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen Debatten in Wissenschaft und Gesellschaft zu?

Man darf wohl sagen, dass es heute kaum ein Thema gibt, dass Politik, Medien und Wissenschaft so beschäftigt wie der Umgang mit dem politischen Islam. Der Nahe Osten steht im Zentrum der globalen Verteilungskämpfe der Gegenwart. Unser aller Fähigkeit, den politischen Islam zu verstehen und seine paradoxen, zum Teil faschistoiden, zum Teil aber auch demokratisierenden Impulse richtig zu deuten, wird den Weltfrieden erheblich beeinflussen.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Der mediale Diskurs über den Islam und den Islamismus hat durch die starke Konzentration auf ikonische Bilder und stereotype Themen und Betrachtungen vielfach mehr Verwirrung als Verständnis gestiftet. Die oft langwierigen politischen Prozesse und den schwierigen Vergleich mit dem Westen verständlich zu machen, ist zuvorderst die Aufgabe der Wissenschaft, die die gesellschaftliche Relevanz ihrer Arbeit in den letzten Jahren immer ernster nimmt.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Barak Obama, aber wenn der keine Zeit für mich haben sollte, gern auch mit einem deutschen Außenminister, der an Fragen einer neuen Entspannungspolitik interessiert ist.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Radikalität und Gewalt waren und sind Begleiterscheinungen der meisten Prozesse der politischen Moderne – dies gilt für die islamische Welt ebenso wie für den Westen.

»Als einer der ersten deutschen Wissenschaftler überhaupt zieht er wissenschaftliche Parallelen zur westlichen Entwicklung von Moderne und Demokratie.
Sein Schluss: Der aktuelle politische Wandel ist durchaus vergleichbar und könnte sehr wohl auch in diesen Ländern auf lange Sicht zu einer eigenen Demokratie führen.«
Volker Stahr, Faust-Kultur, 2 (2011)
»Kai Hafez hat ein lehrreiches Buch geschrieben, das trotz des Zuganges eines islamisch-westlichen Vergleiches nicht in die Falle tappt, eine Dichotomie zu schaffen und eurozentrischen Diskursen zu verfallen. Trotz des komplexen Themas ist der Band verständlich geschrieben.«
Sebastian Kalicha, graswurzelrevolution, 12 (2010)
»Hafez will der gängigen Prognose nicht zustimmen, dass die islamische Welt vor einer Periode entfesselter Glaubenskriege stehe [...]; vielmehr will er mit seiner Analyse deutlich machen, dass das Abrutschen der islamischen Welt in ein Zeitalter religiös motivierter Gewalt keinesfalls unausweichlich sei. Insofern sieht er es als seine Aufgabe an, mit dem Vergleich zwischen den politischen Entwicklungen der Weltregionen eine intellektuelle Sensibilisierung zu bewirken. Ein Unterfangen, das notwendig und sinnvoll ist, trotz oder gerade wegen der derzeit eher pessimistischen Einstellungen.«
Jos Schnurer, www.socialnet.de, 30.11.2009
»Dieser Band geht in erfreuliche Opposition zu den üblichen Thesen und Annahmen in unseren Massenmedien: Der bislang verweigerte Vergleich mit der ebenfalls nicht widerspruchsfreien politischen Geschichte des Westens zeigt nicht nur erstaunliche Parallelen, sondern die tiefe Ambivalenz von Gefahren – aber auch Chancen –, die der politische Islam mit sich bringt.«
Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 17.11.2009
Besprochen in:
Joseph Alagha, International Affairs, 88/2 (2012)
IP, 5/6 (2011), Jahn Kuhlmann
Volker Stahr, Faust (Kulturmagazin), 2 (2011)
Ester Saletta, Journal of Contemporary European Studies, 19/1 (2011)
www.wienerzeitung.at, 11.01.2010
Rheinischer Merkur, 14.01.2010
Aschot Manutscharjan, Das Parlament, 10 (2010)
Wilhelm Kropp, Westdeutsche Zeitung (WZ), 15.09.2010
DAMID, 7/8 (2010)
Jahrbuch Extremismus & Demokratie, 22 (2010), Lazaros Miliopoulos
Anthropological Abstracts, 8 (2009)
www.buchtest.de, 13.11.2009
Autor_in(nen)
Kai Hafez
Buchtitel
Heiliger Krieg und Demokratie Radikalität und politischer Wandel im islamisch-westlichen Vergleich
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
282
Ausstattung
1 Farbabbildung
ISBN
978-3-8394-1256-5
DOI
10.14361/9783839412565
Warengruppe
1733
BIC-Code
JPF JFSR2
BISAC-Code
POL042000 SOC049000 POL032000
THEMA-Code
JPF QRPP
Erscheinungsdatum
27. Juli 2015
Themen
Islam, Zeitdiagnose, Gewalt, Politik
Adressaten
Politikwissenschaft, Orient- und Islamwissenschaft, Soziologie, Philosophie, interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Islam, Moderne, Reform, Demokratisierung, Autoritarismus, Terrorismus, Imperialismus, Politik, Gewalt, Politische Ideologien, Islamwissenschaft, Demokratie, Politikwissenschaft

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