Ökonomien der Zurückhaltung

Kulturelles Handeln zwischen Askese und Restriktion

Es gibt kulturelle, ästhetische und politische Handlungsformen, die einer Ökonomie der Zurückhaltung folgen. Handlung erscheint hier nicht nur als freiwilliges, affirmatives Tun, sondern auch als Zusammenspiel von Sich-Zurückhalten (Zaudern, Zögern, Diskretion) und Zurückgehalten-Werden (Nicht-Können, Nicht-Dürfen). Die interdisziplinären Beiträge des Bandes untersuchen ein diskursives Feld entlang der Begriffe Abstinenz, Diskretion, Reserviertheit und Beschränkung mit einem doppelten Fokus: der Askese als innerer, selbst auferlegter Zurückhaltung und der Restriktion als äußerem Zurückgehalten-Werden. Mit Beiträgen u.a. von Giorgio Agamben, Bazon Brock, Sybille

Krämer, Thomas Macho und Joseph Vogl.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. Einleitung

    Seiten 7 - 14
  4. Regel und Leben

    Seiten 15 - 26
  5. Möglichkeiten, das Wort désoeuvrement zu übersetzen

    Seiten 27 - 38
  6. Selbstzurücknahme. Reflexionen über eine medientheoretische Figur und ihre (möglichen) anthropologischen Dimensionen

    Seiten 39 - 52
  7. "Sich selbst erlernen heißt, sich selbst vergessen". Japanisch-buddhistische Perspektiven der Selbstzurücknahme

    Seiten 53 - 72
  8. Spielräume des Unverfügbaren: Figuren des Sich-Zurücknehmens von Musikern

    Seiten 73 - 94
  9. Kaltes Herz und kühler Kopf. Coolness und andere Formen der Affektökonomie

    Seiten 95 - 114
  10. Askese als kreative Strategie

    Seiten 115 - 128
  11. Das Theater der Askese. Zurückhaltung als ästhetische Praxis

    Seiten 129 - 146
  12. Ästhetik des Unterlassens. Zur Geschichte des Nicht-Geschehenen: Intervento minimo

    Seiten 147 - 166
  13. Kazimir Malevi?s Ökonomien: Zwischen Perfektion und Faulheit

    Seiten 167 - 188
  14. Ästhetik der Fadheit - Zur energetischen Ökonomie des Selbst

    Seiten 189 - 206
  15. Schreiben im "Hause der Regel". Zögling, Commis und Dichter bei Robert Walser

    Seiten 207 - 234
  16. "Das Zaudern ist ein Suchlauf in der antwortförmigen Welt." Ein Gespräch über ökonomisches Wissen, Askese als Subjekttherapie und das Lachen Franz Kafkas

    Seiten 235 - 248
  17. Das Denkmal der Läuferin

    Seiten 249 - 260
  18. Die Kraft des Geheimnisses. Eine Spurensuche auf enigmatischem Terrain

    Seiten 261 - 284
  19. Ökonomie und Individualität. Eine Metaphysik der Zurückhaltung mit Leibniz und Deleuze

    Seiten 285 - 312
  20. Theater und Tabu. Aisthetische Grenzerprobungen an tabu-immanenten Markierungen

    Seiten 313 - 330
  21. Nicht-Machen. Lassen! Zu Walter Benjamins pädagogischem Theater

    Seiten 331 - 352
  22. Wider das Projekt

    Seiten 353 - 360
  23. Cleaning Behind the Scenes

    Seiten 361 - 374
  24. Autorinnen und Autoren

    Seiten 375 - 382
  25. Abbildungen

    Seite 383
  26. Backmatter

    Seiten 384 - 386
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32,80 € *

2010-07-27, 388 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1260-8

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Barbara Gronau

Barbara Gronau, Universität der Künste Berlin, Deutschland

Alice Lagaay

Alice Lagaay, Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Hamburg, Deutschland

... mit Barbara Gronau und Alice Lagaay

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Weil die Dinge, die darin zu lesen sind, in keinem anderen Buch stehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Frage nach Zurückhaltung und Askese wird traditionellerweise vor einem religionswissenschaftlichen Hintergrund diskutiert. Der vorliegende Band ergänzt dies um eine ökonomiezentrierte Perspektive. Askese und Restriktion zeigen sich darin nicht nur als Verzicht, sondern als Produktionsform und als Regulierungswissen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mit dem ›performative turn‹ haben sich die Geistes- und Kulturwissenschaften auf die Tätigkeiten des Produzierens, Herstellens und Erzeugens konzentriert und den Menschen als ›homo creator‹ und ›homo generator‹ in den Vordergrund gerückt. Das Buch setzt diesem Denken die These entgegen, dass auch das Passive entscheidenden Anteil an der Konstitution sozialer Wirklichkeiten hat. Es markiert jene Kehrseiten, die aus dem Blickfeld einer gelingensfixierten Performanzforschung geraten sind: die Zurückhaltung, das Zaudern, den Entzug, die Fadheit usw.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit dessen kritischen Lesern.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Handlung ist nicht nur ein freiwilliges, intentionales Tun, sondern auch ein Zusammenspiel von Sich-Zurückhalten (Zaudern, Zögern, Diskretion) und Zurückgehalten-Werden (Nicht-Können, Nicht-Dürfen).

»In einer Zeit, die der zweifelhaften Figur des Wutbürgers zu ihrem historischen Auftritt verholfen hat, können diejenigen nicht ganz falsch liegen, die das Raffinement der Zurückhaltung im Spiel halten wollen.«
Ralf Konersmann, Süddeutsche Zeitung, 19.01.2011
Besprochen in:

GERMANISTIK, 51/3-4 (2010)
Autor_in(nen)
Barbara Gronau / Alice Lagaay (Hg.)
Buchtitel
Ökonomien der Zurückhaltung Kulturelles Handeln zwischen Askese und Restriktion
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
388
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1260-8
DOI
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC HBTB JHB
BISAC-Code
SOC022000 HIS054000 SOC026000
THEMA-Code
JBCC NHTB JHB
Erscheinungsdatum
2010-07-27
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Philosophie, Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Askese, Geheimnis, Unterlassen, Tabu, Zurückhaltung, Diskretion, Abstinenz, Kulturgeschichte, Kulturtheorie, Lebensstil, Theaterwissenschaft, Kulturwissenschaft

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