Inszenierung als Widerstand

Bildkörper und Körperbild bei Paul Klee

In seinen Werken überträgt Paul Klee den Übergang von (innerer) Stimme und (äußerem) Bild in ein szenisches Spiel – und stellt uns vor das Problem einer möglichen Opferlosigkeit dieses Übergangs. Als Musiker, Zeichner und Maler experimentiert er vielfältig mit dieser szenischen Dramatik. Werkimmanent stellt sich dabei die Frage, wie die Gewalt der Sinnenübergänge in den Kunst- und Designproduktionen moderiert und Schuldfreiheit »naturhafter« Produktion erreicht werden kann.

Seine neurodermitische Erkrankung zeigt in äußerster Verdichtung – der Sklerose als Palimpsest der Organhäute – den einbehaltenen Schuldkonflikt am Körperbild und dessen nothafte Entäußerung in Malerei. Die Sklerose Klees ist die ultimative Antwort auf das faschistische Programm sich selbst restlos konsumierender (Kriegs-)Produktion.

33,80 € *

2009-12-27, 282 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1262-2

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Ralf Bohn

Ralf Bohn FH Dortmund, Deutschland

... mit Ralf Bohn

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Im vorliegenden Band werden Werk und Person Klees produktionsästhetisch entschlüsselt. Wenn Malerei grundsätzlich ›Körperausfluss‹ und ›Verkörperung‹ ist, lässt sich die tödliche Neurodermitis Klees als Konflikt einer sich nicht ablösenden Schuld deuten. Dieser Zusammenhang von Malerei und Körperinszenierung ist bisher noch nicht erfasst worden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Werk Klees ist ein Experiment für den Prozess der Personalisierung eines Menschen, der sich gegenüber der Gesellschaft nicht verschulden will. Produktion ohne Opfer ist aber selbst im Bild nicht möglich. Wenn Leinwand und Haut als Membranen und Widerstandsebenen der Schuld betrachtet werden, eröffnet sich eine neue Sichtweise auf Hautkrankheiten (wie sie Klee betraf) als Inszenierungen von Schuldvorbehalten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Arbeit ist nicht kunstwissenschaftlich, sondern philosophisch orientiert und konfrontiert eine Logik der Gabe mit einer Psychoanalyse der Schuldökonomie. Dabei kommen von Worringer bis Sartre, von Lacan bis Heidegger, von Deleuze bis Barthes, diejenigen Stimmen zu Wort, die auf die Selbstthematisierung von Produktion in Körperinszenierungen verweisen. Außerdem wird hier zum ersten Mal auf das Klee'sche Krankheitsbild reagiert, wie es von Hans Suter 2006 umfänglich dokumentiert wurde.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit denjenigen, die an philosophischer Aufklärung von Pathologie und Produktion mehr interessiert sind als an kunsthistorischem Geniekult. Sicher mit Rudolf Heinz, der in seinen pathognostischen Darstellungen einem Versuch der ›Psychoanalyse der Sachen‹ Sartres am nächsten kommt. Außerdem mit Kunstwissenschaftlern, die Kunst-Werke als technische Spitzenproduktionen ansehen, die ihren ambivalenten Dingstatus rezeptionspragmatisch inszenieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ohne Arbeit kein Leben – ein Minimalwiderstand muss sein.

Autor_in(nen)
Ralf Bohn
Buchtitel
Inszenierung als Widerstand Bildkörper und Körperbild bei Paul Klee
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
282
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1262-2
DOI
Warengruppe
1582
BIC-Code
ACX AB
BISAC-Code
ART015100 ART037000
THEMA-Code
AGA AB
Erscheinungsdatum
2009-12-27
Auflage
1
Themen
Körper, Kunst, Bild
Adressaten
Medienwissenschaft, Philosophie, Kunstwissenschaft, Psychoanalyse
Schlagworte
Kunst, Krankheit, Philosophie, Psychoanalyse, Paul Klee, Bild, Körper, Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, Politische Kunst, Bildwissenschaft, Kunstwissenschaft

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