Das »letzte Hemd«

Zur Konstruktion von Tod und Geschlecht in der materiellen und visuellen Kultur

Kleidung macht Körper kulturell sichtbar. Dies gilt auch für das »letzte Hemd«. Bekleidung, Aufbahrung und Verbildlichung sind Inszenierungsformen des Todes, die Bedeutung stiften – staatlich und privat. Aber wie geschieht dies? Ist das »letzte Hemd« beliebig? Auf der Basis welcher Kulturprämissen vollziehen sich Inszenierungen des Todes? Welche besondere Rolle spielt das Textile für Ritus, Kommunikation und Macht?

In diesem Band lenken interdisziplinäre und gendersensible Beiträge den Blick auf vestimentäre Körperbilder und Zur-Schau-Stellungen Toter vom 16. bis zum 21. Jahrhundert – und bereiten damit eine Kulturgeschichte des Totenkleids vor.

35,80 € *

2010-01-27, 360 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1299-8

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Karen Ellwanger

Karen Ellwanger, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Deutschland

Heidi Helmhold

Heidi Helmhold, Universität zu Köln, Deutschland

Traute Helmers

Traute Helmers, Freiberuflerin, Deutschland

Barbara Schrödl

Barbara Schrödl, Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz und Akademie der bildenden Kunst Wien, Österreich

... mit Karen Ellwanger, Heidi Helmhold, Traute Helmers und Barbara Schrödl

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Wir wissen nicht, ob die Welt dieses Buch braucht. Ganz sicher braucht es eine Gesellschaft, die sich zunehmend mit Todesphänomenen beschäftigt. Ritualfindungen sind auch in der nachmodernen bzw. ›nachreligiösen‹ Gesellschaft wichtige Prozesse. Mediengeschulte ›letzte Blicke‹ erfordern Darstellungskompetenzen in Fragen des letzten Hemds als Würdeformel. Wenn den Abschiedserfahrungen die Todesängste ausgetrieben werden sollen gilt es, ein Problembewusstsein für das Sprechen der Macht zu schärfen. Es geht um das Sichtbarmachen verborgener Autorschaften und der Konstruktion des Gezeigten.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch macht historische Charakteristika und aktuelle Entwicklungen des Totenkults und seiner Wunschbilder anschaulich. Die Zusammenschau unterschiedlicher Disziplinen offeriert Ansatzpunkte, romantisierte, naturalisierte und geschlechtlich konnotierte Totenkleidung anders zu sehen und die neue Faszination einer Nähe zum Leichnam zu hinterfragen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es wirft neue Fragen zu Sterben und Tod auf, führt bislang kaum beachtete Herangehensweisen ein und rückt ins Licht, welche Rolle Textilien dabei spielen. Die Repräsentationen des bürgerlichen Totenkults haben sich in das kulturelle und individuelle Gedächtnis eingeschrieben. Der Umgang mit Verstorbenen, die Trauerarbeit ist aber markant an Materialität, Körperlichkeit und Geschlecht gebunden. Insofern versteht sich die Publikation als notwendige Ergänzung des aktuellen, überwiegend im Bereich der Visuellen Kultur geführten Diskurses zur »Neuen Sichtbarkeit des Todes«.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Heidi Helmhold würde gerne mit ihrem Vater sprechen. Er ist Jahrgang 1929 und war zu jung, um im Zweiten Weltkrieg rekrutiert zu werden. Aber er war alt genug, um Erfahrungen von Tod, Gewalt und Grausamkeit zu machen. Diese Traumata hat er bis heute nicht aufgearbeitet. Er ist nicht in der Lage, einen Menschen sterben zu sehen, an ein Totenbett zu treten oder auch nur über Tod und Sterben zu sprechen. Auch wir anderen Herausgeberinnen haben Vergleichbares erlebt. Mit unserem Buch verbinden wir die Hoffnung, dass die Totenkleidung einen Ansatzpunkt bieten könnte, sich über das konkret Fassbare des Textilen dem so schwierigen Phänomen des Todes leichter nähern zu können.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wir empfehlen, während der Lektüre des Buches das Lachen nicht zu vergessen. Zum Beispiel mit Hilfe des Kabarettisten Mathias Richling im Sterbekleid.

»Dieser Band eröffnet neue und ungewöhnliche Blicke auf die Totenkleidung und ihre Bedeutung als letztem Repräsentationsmittel von Verstorbenen.«
Barbara Happe, Bayerisches Jahrbuch für Volkskunde (2011)
»Die Herausgeberinnen der [...] Publikation verstehen es, durch das Zusammenführen einer Vielzahl von Perspektiven intermediale Wechselwirkungen zwischen Text, Textil, Körper, Geschlecht und Bild zu befragen und darin das Verhältnis von materieller und visueller Kultur zu überdenken.«
Prof. Dr. Dr. Monika Leisch-Kiesl, kunst und kirche, 4 (2010)
»Insgesamt [...] bietet der Band eine Fülle ergebnisreicher Beiträge mit z.T. überraschenden Materialien für die Erforschung des vestimentären, materiellen und visuellen Umgangs vormoderner, moderner und nachmoderner Kulturen mit den Toten – umso mehr, als die für die jeweiligen Sinngebungsprozesse so entscheidenden Geschlechtercodierungen intensiv beleuchtet werden.«
Ulrike Vedder, www.querelles-net.de, 11 (2010)
»Eine interessante und vielseitige Zusammenstellung und ein Anstoß zum Weiterdenken, -lesen und vielleicht auch -forschen.«
Simone Veestra, L.MAG, 9/10 (2010)
Besprochen in:

FRIEDHOF UND DENKMAL, 2 (2010), Isabel von Papen
kulturen, 5 (2011), Lioba Keller-Drescher
Buchtitel
Das »letzte Hemd« Zur Konstruktion von Tod und Geschlecht in der materiellen und visuellen Kultur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
360
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-1299-8
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB JFCK AKT
BISAC-Code
HIS054000 DES008000
THEMA-Code
NHTB JBCC3
Erscheinungsdatum
2010-01-27
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Kulturgeschichte, Mode
Adressaten
Kulturwissenschaft, Textilwissenschaft, Kunstwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Theologie
Schlagworte
Textil, Tod, Gender, Politik, Kunst, Kultur, Kulturgeschichte, Mode, Gender Studies, Geschichtswissenschaft

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