Georg Simmel im Kino

Die Soziologie des frühen Films und das Abenteuer der Moderne

Ging Georg Simmel ins Kino? Auf dem Weg zu einer kulturellen Institution bringt das Kino um 1907 einen individuellen Zuschauer hervor. Zur gleichen Zeit beschreibt Simmel Veränderungen des Sehens und die Individualisierung als Neuerungen der Epoche – ohne jedoch das neue Medium zu nennen.

Die enge Verwandtschaft des frühen Films mit der jungen Wissenschaft Soziologie liegt in ihrer direkten Reaktion auf die Moderne. Dieses Buch verbindet Simmels kulturphilosophische Analysen von Mobilität, Großstadt und Abenteuer mit dem jähen Ende der Wanderkinos, frischen Texten aus Filmzeitschriften und genauen Filmanalysen zu einer innovativen Soziologie des frühen Films.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Einteilung

    Seiten 9 - 22
  4. SESSHAFTWERDUNG DES KINOS UND FIXIERUNG DES PUBLIKUMS

    Souveräner Blick, flanierender Zuschauer: Die realistische Illusion des Panoramas

    Seiten 23 - 31
  5. Souveräner Blick, flanierender Zuschauer: Die realistische Illusion des Panoramas

    Seiten 32 - 62
  6. GEORG SIMMEL ALS THEORETIKER DER FRÜHEN KINEMATOGRAPHIE

    Die Vergnügungskultur begründet die Soziologie: "Infelices Possidentes"

    Seiten 63 - 84
  7. Die Großstadt und die Konzentration auf den Blick

    Seiten 84 - 91
  8. Der Taube im Kino

    Seiten 91 - 92
  9. DAS "KINO DER ATTRAKTIONEN" UND SEIN KOLLEKTIVES PUBLIKUM

    Cock Fight als eine "Attraktion" des Jahrmarkts

    Seiten 93 - 99
  10. President McKinley at Home und der direkte Blick in die Kamera

    Seiten 99 - 103
  11. Die Erforschung filmischer Bewegung bei den Brüdern Lumière

    Seiten 103 - 118
  12. Georges Méliès' Inszenierung der Bühne

    Seiten 118 - 130
  13. WAHRNEHMUNG DER ATTRAKTIONEN - ZWISCHEN ABENTEUER UND GEFAHR

    Alltag und Abenteuer bei Georg Simmel

    Seiten 131 - 142
  14. Die Kinematographie zwischen Abenteuer und Gefahr

    Seiten 142 - 164
  15. DER NARRATIVE FILM UND DIE INDIVIDUALISIERUNG DES ZUSCHAUERS

    Soziale Abgrenzungen im Zuschauerraum

    Seiten 165 - 171
  16. Bewegungen als Zeichen eines geschlossenen Erzählraums: The Girl and her Trust (1912)

    Seiten 171 - 184
  17. Individualisierung im Film und als Thema der Soziologie

    Seiten 184 - 208
  18. RESÜMEE: DIE KINEMATOGRAPHIE ALS PHÄNOMEN DER MODERNISIERUNG

    Seiten 209 - 218
  19. DANKSAGUNG

    Seiten 219 - 220
  20. ANHANG

    Bildnachweis

    Seite 221
  21. Bibliographie

    Seiten 222 - 245
  22. Backmatter

    Seiten 246 - 248
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27,80 € *

2009-10-27, 248 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1315-5

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Daniel Fritsch

Daniel Fritsch, Kulturmanager, Deutschland

... mit Daniel Fritsch

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Ganz einfach – um die Umbrüche der Digitalisierung zu verstehen, ist der Blick auf die Modernisierung notwendig. Mein Buch behandelt einen Zeitpunkt vor genau 100 Jahren. Die Entdeckung des Films damals, das ist mehr als eine neue Kunstform. Sein Diskurs wirft mit Themen wie Mobilisierung und Individualisierung große Fragen auf und beeinflusst den Wandel der Zeit. Das gilt auch für das Internet, das eine ästhetische Qualität besitzt und zugleich ökonomische und soziale Praktiken verändert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch ist die erste Archäologie der Entstehungsphase des narrativen Spielfilms. Erst vom Archiv aus erkennt man, wie wichtig dieser für die zentrale Rolle des Films im 20. Jahrhundert ist. Aufstieg und Niedergang der von mir entdeckten Zeitschrift ›Schwalbe‹ stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Und mein Blick auf Georg Simmel, der gleichzeitig die Soziologie erfindet, ordnet den Film erstmals der Modernisierung zu. Simmel spielte bisher kaum eine Rolle für den Film.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Kulturwissenschaft und die Kulturwissenschaften sind in einem ständigen Prozess der Selbstfindung. Die wissenschaftshistorischen Ansätze der Kulturwissenschaft bieten den Disziplinen der Kulturwissenschaften Perspektiven – und auch Vergnügen, wie man meinem Buch hoffentlich anmerkt. Der Filmwissenschaft ist das allerdings ganz fremd – anders als zum Beispiel der Kunstgeschichte. Das ist erstaunlich. Mit meinem Blick auf die nahe Soziologie ebne ich den wissenschaftshistorischen Weg.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Jürgen Habermas hat Anfang der 1980er Jahre einen Aufsatz über Georg Simmel geschrieben, als dieser noch ganz vergessen war. Jetzt, wo Simmel wieder in aller Munde ist, möchte ich ihm gerne meine Zusammenführung von Film und Soziologie zeigen. Und mit Gilles Deleuze natürlich. Deleuze nimmt mit Henri Bergson einen Wissenschaftler, der 1895 aktiv forscht, und entwickelt davon ausgehend seine Theorie des Films. Während er die ganze Filmgeschichte abdeckt, bleibe ich mit Simmel in der Epoche.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die heimliche Liebe zwischen Asta Nielsen und Georg Simmel, oder: warum wir bewegte Bilder brauchen.

»[Die] Studie von Daniel Fritsch eröffnet [...] eine neue Sicht auf das frühe Kino.«
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.06.2010
Besprochen in:
MEDIENwissenschaft, 3 (2010), Jan-Christopher Horak
Autor_in(nen)
Daniel Fritsch
Buchtitel
Georg Simmel im Kino Die Soziologie des frühen Films und das Abenteuer der Moderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
248
Ausstattung
kart., Klebebindung, 32 SW-Abbildungen, 4 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-1315-5
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JFD
BISAC-Code
SOC022000 SOC052000
THEMA-Code
JBCC JBCT
Erscheinungsdatum
2009-10-27
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Film
Adressaten
Filmwissenschaft, Ästhetik, Philosophie, Medienwissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Film, Medien, Kino, Georg Simmel, Soziologie, Gesellschaft, Kultursoziologie, Mediensoziologie

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