Kommunizierende Automaten

Die Dynamisierung der Schrift als medienhistorische Zäsur

Spätestens seit dem Jahr-2000-Problem wird diskutiert, ob Automatentechnik eine Superstruktur der Gesellschaft (H. Böhme) darstellt. Peter Fey erläutert anhand dieses historischen Beispiels jene epochalen Implikationen, die sich aus der programmierten Befähigung der Automaten zur Kommunikation ergeben. In kulturwissenschaftlicher Perspektive schlägt er einen Bogen von den Überlegungen Jan Assmanns zur Verschriftung des Rechts im antiken Griechenland zu den Handlungsanweisungen für Automaten in der Jetztzeit. Wird die Dynamisierung der Schrift eine historische Zäsur herbeiführen wie die Ausformulierung gesetzlicher Anweisungen vor 2500 Jahren?

Ein interessantes Kapitel der Mediengeschichte ebenso wie ein Ausblick auf zukünftige gesellschaftliche Entwicklungen durch die Kybernetik.

25,80 € *

2009-12-27, 250 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1335-3

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Peter Fey

Peter Fey, IT-Berater, Deutschland

... mit Peter Fey

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Aktuell zeigen sich in den Ökonomien der modernen Gesellschaften enorme Veränderungen, die zum Teil dramatische Folgen haben. Viele Menschen fragen sich anhand eines Jahresverdienstes eines Bankchefs von ca. 300.000.000 (300 Millionen) Dollar und der Verluste einzelner Banken im Bereich mehrerer hundert Milliarden Dollar, was die Ursache dafür ist. Überraschenderweise scheint es so zu sein, dass die Medienwissenschaften hier eher Antworten geben als die Wirtschaftswissenschaften. In meinem Buch zeige ich, dass der Einsatz sprachgesteuerter Automaten eine einschneidende historische Zäsur darstellt. Unter anderem wird dadurch das Medium Geld seines Speichercharakters beraubt und ist nicht länger ein tatsächliches Äquivalent für geleistete Arbeit. Die Gründe für die maßlosen Gehälter und die horrenden Verluste (nicht nur der Banken) können anhand eines medienwissenschaftlichen Diskurses analysiert werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es geht im Kern um die Frage: Was bedeutet der Einsatz sprachgesteuerter Automaten, welche historischen Auswirkungen hat er? Betrachtet man diesen Einsatz genauer, so stellt sich heraus, dass es hierbei im Kern um Normierung geht. Handeln wird so detailliert beschrieben, so in der maschinellen Kommunikation normiert, dass Automaten nicht nur Befehle ausführen können, sondern auch selbst Befehle übermitteln und damit Handlungen delegieren können. Das führt zu einer interessanten Beobachtung, die Jan Assmann als Wasserscheide zwischen der alten und der neuen Welt, zwischen dem alten Ägypten und dem antiken und gleichzeitig so modernen Griechenland ausgemacht hat. Während die Gesetze bei den Ägyptern eher allgemein beschrieben worden waren, wurden sie im antiken Griechenland detailliert normiert. Recht und damit auch Rechtsprechung wurde an schriftliche Normen gebunden. Dies, so Assmann, war der entscheidende Kern zum Entstehen der westlichen Gesellschaft. Es ist faszinierend, diesen Gedanken einer umfassenden historischen Zäsur auf die Moderne und das Automatenhandeln zu übertragen. Das Jahr-2000-Problem stellt hier einen ungeheuer großen Schatz historisch nachprüfbarer Ereignisse bereit.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Seit Jahren wird in den Medienwissenschaften intensiv darüber gestritten, ob, um mit Knut Hickethier zu sprechen, die Medien – und damit vor allem die Medientechnik – wirklich als entscheidende Determinanten eines historischen Prozesses angesehen werden können. Es geht im Kern um die Frage, was die Analyse des Einsatzes von Medien für Ergebnisse erbringen kann, besonders hinsichtlich der grundlegenden Konfiguration von Gesellschaften, also darum, beispielsweise zu fragen, welchen Einfluss die Kommunikation von Automaten auf die ökonomischen Strukturen hat, ob dies dazu führen muss, Geschichte – und nicht nur Mediengeschichte – neu zu definieren, weil die Medien selbst zu Geschichte prägenden Faktoren geworden sind. Auch in diesem Zusammenhang bietet das Jahr-2000-Problem reichhaltiges Anschauungsmaterial.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wenn ich die Möglichkeit hätte, würde ich Physiker, Informatiker, Linguisten, Soziologen, möglicherweise auch Historiker und selbstverständlich Medienwissenschaftler zu einer Diskussion einladen über Automatensprache, maschinelles Handeln und Außenwahrnehmung. Ich wäre sehr gespannt, welche Ergebnisse diese interdisziplinäre Veranstaltung zeitigen würde.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Bedeutung der maschinellen Kommunikation für die Gesellschaft und das Subjekt.

Besprochen in:

IASL-online, 02.09.2011, Stefan Höltgen
Autor_in(nen)
Peter Fey
Buchtitel
Kommunizierende Automaten Die Dynamisierung der Schrift als medienhistorische Zäsur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
250
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1335-3
DOI
10.14361/9783839413357
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD TBX
BISAC-Code
SOC052000 HIS054000 TEC056000
THEMA-Code
JBCT JBCT1 TBX
Erscheinungsdatum
2009-12-27
Auflage
1
Themen
Medien, Technik
Adressaten
Medienwissenschaft, Textlinguistik, Informatik
Schlagworte
Automatensprache, Medien, Maschinelle Kommunikation, Jahr-2000-Problem, Informationstechnologie, Technikgeschichte, Technik, Mediengeschichte, Digitale Medien, Informatik, Medienwissenschaft

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