Westlicher Geist im östlichen Körper?

»Medea« im interkulturellen Theater Chinas und Taiwans. Zur Universalisierung der griechischen Antike

Stehen weltweit aufgeführte griechische Tragödien tatsächlich – wie vielfach behauptet – für die »Universalität« der antiken Kultur? Anhand einer Analyse zweier »Medea«-Adaptionen aus China und Taiwan veranschaulicht Kuan-wu Lin die Problematik des gegenwärtigen interkulturellen Theaters: Die postmoderne Ästhetik wird ebenso in Frage gestellt wie die Tauglichkeit des postkolonialen Identitätskonzepts der »Hybridität« als strategisches Mittel zur Befreiung von Exotismus und Kolonialismus. Die kulturwissenschaftliche Pionierleistung auf dem Gebiet des interkulturellen chinesischen Theaters bietet zugleich eine exemplarische Aufarbeitung postkolonialistischer Theorie-Begriffe.

34,80 € *

2010-08-27, 376 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1350-6

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Kuan-wu Lin

Kuan-wu Lin, Übersetzerin und freie Journalistin, Deutschland

... mit Kuan-wu Lin

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Das Buch verdeutlicht die komplexen Zusammenhänge zwischen kulturpolitischen Programmen und geopolitischen Strategien, was erstaunliche Analogien der politischen Funktion des griechischen Theaters zwischen Antike und Gegenwart zutage fördert. Es räumt mit Missverständnissen über das interkulturelle Theater auf und entlarvt die tatsächlichen Ursachen sog. ›kultureller Konflikte‹. Dadurch kann es zu einem gleichberechtigten Dialog der Kulturen beitragen und stellt eine Bereicherung für jeden an Kultur und Politik interessierten Leser dar.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Bislang konzentrieren sich die Veröffentlichungen über das interkulturelle Theater auf Shakespeare-Adaptionen sowie Arbeiten westlicher Regisseure, wohingegen kaum wissenschaftliche Publikationen zu finden sind, die sich mit östlichen Adaptionen des antiken griechischen Theaters befassen. Das Buch eröffnet außerdem in zweifacher Hinsicht eine neue Perspektive für die Bedeutung der griechischen Antike sowie des interkulturellen Theaters: Zum einen wird die politische Dimension der griechischen Tragödie zum Vorschein gebracht, zum anderen sind auch östliche Standpunkte vertreten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch hinterfragt die von westlichen Wissenschaftlern vertretene These, dass der weltweite Einfluss der griechischen Tragödien auf ihre ›Universalität‹ zurückzuführen sei, und dass sie in Verbindung mit östlichen Theatertraditionen zur Befreiung des Ostens von hegemonialen Bestrebungen des Westens dienen soll. Es veranschaulicht weiterhin, wie die kulturellen Differenzen und Identitäten durch das interkulturelle Theater einseitig vom Westen definiert werden. Die Arbeit ist somit nicht nur für die Theaterwissenschaft relevant, sondern auch für andere Disziplinen wie Kulturwissenschaft, Politikwissenschaft oder Sinologie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen Künstlern, Theatermachern und Festival-Veranstaltern in Ost und West, die sich angeblich für einen gleichberechtigten interkulturellen Austausch einsetzen, sich jedoch unreflektiert der allgemein verbreiteten kulturellen Klischees und Vorurteile bedienen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Theorie des Postkolonialismus, der Problematik des Exotismus sowie des westlichen Kulturimperialismus.

»Kuan-wu Lin schreibt sich mit ihrer Arbeit in den postkolonialen Diskurs ein [...].«
Daniela Pillgrab, [rezens.tfm], 6 (2011)
»Die vorliegende Arbeit [verspricht] einen außerordentlichen Erkenntnisgewinn nicht allein theaterwissenschaftlicher Art, sondern auch im weiteren Horizont kulturwissenschaftlicher Forschung. Ebenso setzt die mustergültige methodische Vorgehensweise entschieden Maßstäbe, die auch jenseits ihrer Anwendung auf den spezifischen, hier verhandelten Erkenntnisgegenstand Gültigkeit haben.« Ulrike Sümegi, www.theaterforschung.de, 14.09.2010
Besprochen in:

GERMANISTIK, 52/1-2 (2011)
Autor_in(nen)
Kuan-wu Lin
Buchtitel
Westlicher Geist im östlichen Körper? »Medea« im interkulturellen Theater Chinas und Taiwans. Zur Universalisierung der griechischen Antike
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
376
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1350-6
DOI
10.14361/9783839413500
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN JFC HBTR
BISAC-Code
PER011020 SOC022000 POL045000
THEMA-Code
ATD JBCC NHTR
Erscheinungsdatum
2010-08-27
Auflage
1
Themen
Theater
Adressaten
Kulturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Sinologie, Politikwissenschaft
Schlagworte
Kultur, Theater, China, Antike, Medea, Tragödie, Postkolonialismus, Theaterwissenschaft, Interkulturalität, Kulturtheorie

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