Der Sinn des Augenblicks

Überlegungen zu einer Musikwissenschaft des Alltäglichen

Die Musikwissenschaft spricht in der Regel von musikalischen Texten, manchmal von herausragenden musikalischen Ereignissen. Vom alltäglichen Umgang mit Musik spricht sie aber so gut wie nie. Und das kommt nicht von ungefähr, stehen sich ihre Idee von Wissenschaftlichkeit und die Idee des Alltäglichen doch geradezu antithetisch gegenüber.

Für jede Wissenschaft vom Alltäglichen gilt es, sich dieses Widerspruchs bewusst zu werden und einen Begriff des Alltäglichen zu entwickeln, der es ihr erlaubt, ihren Gegenstand genau zu definieren, und die entsprechenden methodischen Konsequenzen zu ziehen.

Eben dies leistet der Band in Auseinandersetzung mit dem soziologischen und kulturwissenschaftlichen Diskurs über das Alltägliche für die Musikwissenschaft.

28,80 € *

2010-05-10, 244 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1396-4

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Oliver Seibt

Oliver Seibt, Universität Amsterdam, Amsterdam, Niederlande

... mit Oliver Seibt

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Vom ›Alltäglichen‹ ist ständig und überall die Rede, ohne dass genauer spezifiziert wird, was damit eigentlich gemeint ist. Wenn man sich ›dem Alltäglichen‹ als Wissenschaftler, z.B. als Musikwissenschaftler, annehmen möchte, wird man um eine Definition des Begriffes aber nicht umhin kommen. Was ich im Rahmen einer (Musik-)Wissenschaft des Alltäglichen untersuchen will, und wie ich dabei vorgehen werde, hängt wesentlich davon ab, was ich unter dem Begriff verstehe.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In der Philosophie und den Sozialwissenschaften gibt es eine lange Tradition der Auseinandersetzung mit diesem nur scheinbar so selbstverständlichen Begriff des ›Alltäglichen‹. Diese versuche ich systematisch nachzuzeichnen und für eine erst noch zu entwickelnde Musikwissenschaft des Alltäglichen nutzbar zu machen, indem ich daraus eine Definition des Begriffes ableite, was mir in zweiter Instanz erlaubt, den Gegenstand einer solchen Musikwissenschaft zu bestimmen und mir Gedanken über eine sinnvolle Methodologie zu machen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Provokant formuliert würde ich behaupten, dass das ›Alltägliche‹, so wie ich es im Anschluss an den vornehmlich französischsprachigen sozialwissenschaftlichen Diskurs definiere, für die Musikwissenschaft nur indirekt von Bedeutung ist, insofern nämlich, als dass sie sich vornehmlich mit dem befasst, was ›nicht-alltäglich‹ ist. In gewisser Weise trägt sie sogar maßgeblich dazu bei, im Bereich der Musik aus Alltäglichem Nicht-Alltägliches zu machen. Das ist auch gar nichts Schlimmes, man sollte sich aber dessen bewusst sein.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am liebsten wäre mir eine Roundtable-Diskussion, an der die Theoretiker teilnähmen, um die es in meinem Buch geht – Freud, die Surrealisten, die Mitglieder des Collège de Sociologie, Lefebvre, Barthes und Certeau. Und damit es so richtig rund geht, sollten noch ein paar Vertreter der Frankfurter Schule mit am Tisch sitzen, vorzugsweise Adorno, dessen Einfluss auf die Musikwissenschaft hinsichtlich solcher Fragestellungen heute noch stark zu spüren ist.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein Plädoyer für eine Musikwissenschaft des Alltäglichen, eine Bestimmung ihres Gegenstandes und einige Überlegungen dazu, wie eine solche Musikwissenschaft aussehen könnte.

Besprochen in:

Positionen, 88/8 (2011), Christa Brüstle
Oe1/ORF - Intrada, 03.06.2016, Irene Suchy
Autor_in(nen)
Oliver Seibt
Buchtitel
Der Sinn des Augenblicks Überlegungen zu einer Musikwissenschaft des Alltäglichen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
244
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1396-4
DOI
Warengruppe
1591
BIC-Code
AVA
BISAC-Code
MUS020000
THEMA-Code
AVA
Erscheinungsdatum
2010-05-10
Auflage
1
Themen
Kultur, Musik
Adressaten
Alltagssoziologie, Cultural Studies, Musikwissenschaft, Musikethnologie, Popularmusikforschung
Schlagworte
Alltagsforschung, Alltagssoziologie, Musikwissenschaft, Alltagsleben, Idiographie, Musik, Kultur

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