Das Mögliche regieren

Gouvernementalität in der Literatur- und Kulturanalyse

Wie lässt sich das Mögliche regieren, ohne es zu reglementieren? Dieser Band beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Wissensformen, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ›Regierung‹ im Sinne einer Organisierung und Durchformung von Gesellschaft ermöglichen, zu Konzeptionen dessen, was Robert Musil als »Möglichkeitssinn« bezeichnet hat: eine Form des Wissens, die über das Faktische, das Gegebene, das Notwendige hinausgeht.

Mit Schwerpunkt auf literarische Texte der Zwischenkriegszeit skizziert der Band ein Fächer und Disziplinen übergreifendes Wissen vom strategischen Einsatz des Möglichen, das wissenschaftliche Fragestellungen mit gesamtgesellschaftlichen Interessen und ästhetischen Fragen verbindet.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. INHALT

    Seiten 5 - 8
  3. Das Mögliche regieren. Einleitung

    Seiten 9 - 18
  4. Literarischer Möglichkeitssinn in der Moderne

    Seiten 19 - 30
  5. Das Mögliche denken. Musils Möglichkeitssinn, die Mystik und Foucaults Konzept der Kritik

    Seiten 31 - 48
  6. Die Organisation des Möglichen. Poetologien kapitalistischen Organisationswissens bei Robert Musil

    Seiten 49 - 72
  7. Kontingenzregulierung? Zur Poetik funktionaler Gesellschaftsorganisation in Robert Musils Mann ohne Eigenschaften

    Seiten 73 - 92
  8. Askese, Querulantentum und weitere Lebensstrategien in Franz Kafkas Romanfragment Das Schloss

    Seiten 93 - 112
  9. Verworfene Selbstentwürfe

    Seiten 113 - 118
  10. Duell im Moderne-Labor. Re(a)gieren im Ring: Der Boxer als Repräsentationstypus in der Zeit der Weimarer Republik

    Seiten 119 - 134
  11. Männer ohne Eigenschaften. Ernst Mach und Gilles Deleuze zwischen medialer Selbst-Empfindung und ,unschlüssigem' Selbst-Entwurf

    Seiten 135 - 150
  12. "[?] denn das Sichopfernkönnen beweist das Sich-Haben". Zum paradoxen Freiheitsentwurf bei Schiller, Foucault und in der selbstverletzenden Body Art

    Seiten 151 - 168
  13. "Better living through death". Zur Gouvernementalität medialer Trauerarbeit in Six Feet Under

    Seiten 169 - 186
  14. Utopische Räume

    Seiten 187 - 194
  15. Inselgeschichte. Johann Karl Wezels Robinson Krusoe

    Seiten 195 - 208
  16. Noch einmal "Acheronta movebo". Theodor Herzls zionistische Utopie als Lenkungstechnologie

    Seiten 209 - 230
  17. Regierung der Nichtgeeigneten und Machtunwilligen. Zur gesellschaftspolitischen Ordnung in Franz Werfels Stern der Ungeborenen

    Seiten 231 - 248
  18. Stadt am Netz. Virtuelle Gemeinschaften regieren

    Seiten 249 - 270
  19. Soziale und ökonomische Szenarien

    Seiten 271 - 278
  20. Gesteuerte Entwicklungen. Lebensläufe und Laufbahnen in Franz Kafkas Der Verschollene

    Seiten 279 - 294
  21. Unendliche Rationalisierung und unfertige Gesellschaft. Edgar Zilsels Epistemologie der Massenerscheinungen

    Seiten 295 - 316
  22. "Suppose you wanted to change the entire course of economic policy ...". Neoliberale Utopie und Regierungskunst

    Seiten 317 - 332
  23. Autorinnen und Autoren

    Seiten 333 - 336
  24. Backmatter

    Seiten 337 - 338
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29,80 € *

2011-01-01, 338 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1474-9

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Roland Innerhofer

Roland Innerhofer, Universität Wien, Österreich

Katja Rothe

Katja Rothe, Universität Wien, Österreich

Karin Harrasser

Karin Harrasser, Kunstuniversität Linz, Österreich

... mit Roland Innerhofer

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

In einer einzigartigen Zusammenschau beschäftigen sich unterschiedliche kultur-, geistes- und sozialwissenschaftliche Fächer mit dem Verhältnis von normativem oder faktischem Wissen zu einem ›Denken des Undenkbaren‹ (H. Kahn): die Literaturwissenschaften, wenn sie über das Verhältnis von Fakt und Fiktion nachdenken, die Historiographie in ihrer Reflexion von Ereignis und Erzählung, die politische Theorie ebenso wie die Philosophie.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Untersuchung von Diskursen aus dem Spektrum des regierenden Wissens wird in diesem Band mit der Frage verknüpft, wie sich in Relation zu solchen Wissensformen die Wahrnehmung individueller Handlungsspielräume einerseits und der Entwurf gesellschaftspolitischer Alternativen andererseits transformieren. Ausprägungen ›möglicher Welten‹, ›möglicher Gesellschaften‹ und ›möglicher Körper‹ werden mit Bezug auf eine Geschichte physischer, symbolischer und struktureller Gewalt untersucht, wobei jenen Momenten, in denen die Konstruktion imaginärer Möglichkeitswelten in Regulierungsphantasien umschlägt, besondere Aufmerksamkeit zukommt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Dass Konzeption und Ausgestaltung ›möglicher Welten‹ mit Medientechniken in Verbindung stehen, also an Apparaturen und Verfahren geknüpft sind, die im gleichen Maß die Wahrnehmung konstituieren wie das Auftauchen neuartiger epistemischer Entitäten ermöglichen, ist ein Umstand, der inzwischen in der kulturwissenschaftlichen Forschung erschlossen wurde. Die Beiträge dieses Bandes fragen aber nicht nur im Sinne einer ›Poetologie des Wissens‹ danach, wie sich Wissen formiert, innerhalb welcher Institutionen und Medienarrangements welche Wissensformen transportiert und transformiert werden, sondern auch danach, wie eine ›Epistemologie des Poetischen‹ auf Unverfügbares, Imponderables, Unkalkulierbares zugreift.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Michel Serres und Jacques Rancière.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Gesten der Ermöglichung, in denen sich wissenschaftliche mit gesellschaftlichen und ästhetischen Interessen verbinden, spornen umso mehr das Begehren nach Regierung an, je mehr sie sich ihm zu entziehen suchen.

Besprochen in:
www.cultureglobe.de, 14.02.2011
Germanistik, 53/1-2 (2012)
Buchtitel
Das Mögliche regieren Gouvernementalität in der Literatur- und Kulturanalyse
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
338
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1474-9
DOI
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JFC
BISAC-Code
LIT000000 SOC022000 LIT004170
THEMA-Code
DSB JBCC
Erscheinungsdatum
2011-01-01
Auflage
1
Themen
Kultur, Politik, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kultur- und Kunstwissenschaft, Geschichte, Soziologie, Philosophie
Schlagworte
Möglichkeitssinn, Gouvernementalität, Potentialität, Regulierung, Wissensgeschichte, Politik, Kultur, Literatur, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturtheorie, Germanistik, Literaturwissenschaft

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