Normalität auf Bewährung

Outings in der Politik und die Konstruktion homosexueller Männlichkeit

»Ich bin schwul – und das ist auch gut so.« Klaus Wowereits spektakuläres Bekenntnis löste 2001 eine Kaskade von homosexuellen Politiker-Outings aus. Nach Jahren des einvernehmlichen Verschweigens scheinen homosexuelle Männlichkeit und Staatsräson im massenmedialen Diskurs nun erstmals vereinbar. Anhand der vier prominenten Fallbeispiele Volker Beck (Grüne), Klaus Wowereit (SPD), Ole von Beust (CDU) und Guido Westerwelle (FDP) untersucht Andreas Heilmann die Normalisierung homosexueller Männlichkeit in der printmedialen Berichterstattung – und zeigt, warum der homosexuelle Staatsmann einstweilen nur eine prekäre Normalität auf Bewährung repräsentiert.

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2011-01-19, 354 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1606-4

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Andreas Heilmann

Andreas Heilmann, Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

... mit Andreas Heilmann

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu? Der zunehmend offene Umgang mit Homosexualität in den Spitzen der Politik wirft die Fragen auf: Ist unsere Gesellschaft, unser Staat tatsächlich liberaler und pluraler geworden? Repräsentieren offen schwule Politiker in vorbildlicher Weise eine aufgeklärte ›modernisierte‹ Männlichkeit? Und wo schlägt Emanzipation um in erneute Normierungen von Geschlecht und Sexualität? Welche Rolle spielen dabei die Medien und die Medialisierung der politischen Kommunikation?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Erstmals wird das Phänomen homosexueller Outings in der Politik systematisch empirisch erschlossen. Outings werden im spezifischen Kontext der Mediendemokratie als eigensinnige Handlungsweisen autonomer Akteure ebenso wie als subjektivierende und normierende Sprechweisen des massenmedialen Diskurses beleuchtet. In diesen verschiedenen Perspektiven zeigen sich die Ambivalenzen einer neuen ›Normalität auf Bewährung‹ zwischen Transformation und Resouveränisierung männlicher Herrschaft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In der Geschlechterforschung hat das Thema Männlichkeit Konjunktur. Die Analyse homosexueller Outings in einer Männlichkeitsarena wie der Politik trägt neue empirische und theoretische Erkenntnisse zu der aktuellen Debatte bei, inwieweit sich hegemoniale Männlichkeit durch Flexibilisierung erneuert und transformiert – oder ob sie gar erodiert. Für die politische Kommunikationsforschung liegt ein elaboriertes empirisches Fallbeispiel für die Symbiosebeziehung zwischen Politik und Medien vor.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

In sozial-, kultur- und medienwissenschaftlichen Fachkreisen ebenso wie im konkreten Praxisfeld. Darüber hinaus natürlich gerne in einer vertiefenden Nachlese ›unter Vieren‹: mit den Herren Volker Beck, Klaus Wowereit, Ole von Beust und Guido Westerwelle – ihre Fälle lesen sich als wirklich fesselnde Geschichten! Oder mit Fritz J. Raddatz, der im Focus am Beispiel Westerwelles die These vertritt, dass ›der deutsche Spießer‹ nur erfolgreichen Homosexuellen ihre Neigung ›verzeihe‹.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Warum geoutete schwule Politiker nicht etwa trotz, sondern auch wegen ihrer Homosexualität gewählt werden – und zu welchem Preis.

»Die Stärke der theoretisch und empirisch überzeugenden Studie liegt gegenüber vielen anderen Analysen darin, empirisch aufzuzeigen, wie hegemoniale Männlichkeit in den sozialen Praxen der Elite erzeugt und transformiert wird. Zugleich werden die Machtverhältnisse zwischen homo- und heterosexuellen Männlichkeiten plausibel theoretisch neu justiert.«
Sylka Scholz, Soziologische Revue, 36 (2013)
»Eine lesenwerte und anregende Studie, die auf einer breiten theoretischen und methodischen Grundlage aufbaut. Ein exzellentes Beispiel qualitativer Sozialforschung, das insbesondere zum Einstieg in diesen Methodenbereich eine gelungene Anleitung bzw. Orientierung bieten kann.«
Johannes von Stritzky, Zeitschrift für Sexualforschung, 26 (2013)
»Spannend zu lesende Studie.«
Gudrun Hauer, LAMBDA nachrichten, 143/1 (2012)
»[H]eilmanns Arbeit [zeigt] u.a., dass die neue Toleranz gegenüber Homosexuellen enge Grenzen kennt und nur so weit reicht, wie sich Spitzenpolitiker den Mustern hegemonialer Männlichkeit unterordnen.«
Marius Hildebrand, Portal für Politikwissenschaft, 11 (2011)
Besprochen in:
Rosige Zeiten, März/April 2011, Heinz-Jürgen Voß
www.schwule-seite.de, 3 (2011)
Psychologie Heute, 2 (2012), Christine Weber-Herfort
Autor_in(nen)
Andreas Heilmann
Buchtitel
Normalität auf Bewährung Outings in der Politik und die Konstruktion homosexueller Männlichkeit
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
354
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1606-4
DOI
10.14361/transcript.9783839416068
Warengruppe
1726
BIC-Code
JFSK JFSJ
BISAC-Code
SOC012000 SOC032000
THEMA-Code
JBSJ JBSF
Erscheinungsdatum
2011-01-19
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Medien, Politik
Adressaten
Soziologie, Gender Studies, Politikwissenschaft, Medienwissenschaft, Kulturwissenschaften
Schlagworte
Männlichkeit, Homosexualität, Normalisierung, Identität, Diskursanalyse, Mediendemokratie, Modernisierung, Stereotype, Gender, Medien, Politik, Queer Theory, Gender Studies, Soziologie

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