Ökonomie sichtbar machen

Die Welt nationaler Schulden in Bildschirmgröße. Eine Ethnographie

Nationalökonomien und ihre Verschuldung sind eigentlich unüberschaubar. Am Beispiel sogenannter Entwicklungs- und Schwellenländer zeigt dieses Buch, wie Regierungen und internationale Finanzinstitutionen sich dennoch tagtäglich Übersicht verschaffen: Mithilfe spezifischer Beobachtungstechnologien können weit verstreute Daten in kompakte, ständig reprojizierbare Zahlengestalten transformiert werden.

Barbara Grimpe legt dar, dass die Leistungsfähigkeit dieser »skopischen Systeme« allerdings von der veränderlichen Wissenskultur einer vielstimmigen transnationalen Gemeinschaft von Schuldenexperten abhängt. Es wird deutlich, wie kulturell und historisch voraussetzungsvoll es ist, nationale Verschuldung auf kleinstem Raum begreifbar zu machen.

32,80 € *

2011-01-03, 290 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1608-8

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Barbara Grimpe

Barbara Grimpe, Universität Zürich, Schweiz

... mit Barbara Grimpe

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Nationale Verschuldung, für viele ein Makrophänomen, wird hier ethnographisch untersucht. Ich glaube, dies ermöglicht interessante neue Einsichten. Das Buch zeigt: Die Verschuldung eines Landes umfasst eine eigentlich unüberschaubare Menge weltweiter Beziehungen und Einflüsse. Wie werden Regierungen und internationale Finanzinstitutionen damit fertig? Mit Technologien, die diese Fülle in wenige Zahlen verwandeln, selbst aber wiederum von einer historisch wandelbaren, fragilen Wissenskultur abhängen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Zehn Monate konnte ich global reisende UN-Schuldenexperten bei ihrer – oft zwiespältigen – Zusammenarbeit mit Weltbank-, IWF- und Landesvertretern teilnehmend beobachten (2004 bis 2006; letzte Interviews führte ich 2009). So lernt der Leser alltägliches internationales Schuldenmanagement kennen, von Genf über Ouagadougou und Jakarta bis nach Buenos Aires. Hinzu kommen Einblicke in technologische Innenwelten. Derart wird die zugleich mikrosoziale wie globale Struktur des Feldes erkennbar, hoffe ich.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Zunächst ging es darum, die Finanzökonomie besser zu verstehen. Nationale Verschuldung stellt sich heute wesentlich als zeichenhafte, dabei komplexe und global verteilte Bildschirmrealität dar, ›in‹ der die Experten sich bewegen, durch die hindurch sie handeln. Für die Globalisierungsdebatte habe ich zudem den Begriff der ›Weltsituation‹ erarbeitet – eine Situation, die von verschiedenen Makroakteuren und -ereignissen mitstrukturiert wird. Schließlich interpretiere ich Technologie kultursoziologisch.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Zum Beispiel mit Menschen, die meinen, dass man über Schulden nicht lang zu debattieren braucht, in dem Sinn: man hat sie oder hat sie nicht; dass Zahlen, selbst wenn sie ein ganzes Land oder sogar mehrere Länder unter einen Hut bringen müssen, für sich sprechen können; dass ›rein ökonomisches‹ Finanzmanagement möglich ist und dass Technik und Information neutral sind, während Kultur jeweils höchstens als irrationaler, grundsätzlich vermeidbarer Störfaktor hineinspielt.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Nationale Verschuldung, eigentlich eine Welt für sich, in wenigen Zahlen darzustellen – dazu bedurfte und bedarf es viel historisch-kultureller Arbeit.

Besprochen in:

Neue Politische Literatur, 58 (2013), Steffen Doerre
Autor_in(nen)
Barbara Grimpe
Buchtitel
Ökonomie sichtbar machen Die Welt nationaler Schulden in Bildschirmgröße. Eine Ethnographie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
290
Ausstattung
kart., zahlr. z.T. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-1608-8
DOI
Warengruppe
1724
BIC-Code
JHB JFFS
BISAC-Code
SOC026000 POL033000
THEMA-Code
JHB GTQ
Erscheinungsdatum
2011-01-03
Auflage
1
Themen
Globalisierung, Bild, Wirtschaft
Adressaten
Soziologie, Cultural Studies, Wirtschaftssoziologie, Wissensgeschichte, Techniksoziologie
Schlagworte
Ökonomie, Globalisierung, Nationalstaat, Wissenskultur, Beobachtung, Visuelle Medien, Technologie, Zeitpraktiken, Wirtschaft, Bild, Wirtschaftssoziologie, Wissenssoziologie, Bildwissenschaft, Soziologie

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