Inszenierung und Vertrauen

Grenzgänge der Szenografie

Was sich in sozialen Praktiken auf Undarstellbares bezieht, verlangt nach Vertrauenserweisen. Inszenierungen als Konstruktionen gesellschaftlicher Beziehungen sondieren und besorgen solche Verbindlichkeiten. Die Beiträge dieses Bandes beschäftigen sich mit der Frage, wo – von der Warenpräsentation bis zur Inszenierung von Krisen und Katastrophen – die Grenzen und Möglichkeiten szenografischer Konzepte liegen und welche ökonomischen, ethischen und gestalterischen Kriterien der Vertrauenskonstruktion denkbar sind. Die Autorinnen und Autoren aus Wissenschaft, Kunst und Design thematisieren die Wirkungen szenografischer Arbeit und den Stand der szenologischen Reflexion.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhaltsverzeichnis

    Seiten 5 - 6
  3. Szenografie & Szenologie

    Seiten 7 - 8
  4. Vertrauen inszenieren? Einführung

    Seiten 9 - 40
  5. Vertrauensökonomie und mediale Inszenierung

    Seiten 41 - 74
  6. Vertrauensinszenierungen. Die Inszenierung zwischen Vertrauen und Misstrauen

    Seiten 75 - 92
  7. Paranoia - Festival des Vertrauensmords. (Auch) Zu Inszenierungen dieser unserer Universalpathologie

    Seiten 93 - 108
  8. Die Kunst des Bühnenbildes als Paradigma einer Ästhetik der Atmosphären

    Seiten 109 - 118
  9. Der "Messias-Faktor". Über eine Vertrauensfigur in Inszenierungen von Politik und Kultur

    Seiten 119 - 134
  10. Die tausend Gesichter des ausgestopften Kondors oder die Chancen des Realen

    Seiten 135 - 156
  11. Interaktive, intermediale Performance. Ein Forschungsbericht

    Seiten 157 - 166
  12. Vertrauen und künstlerischer Prozess. Einblick in das Kreativlabor

    Seiten 167 - 188
  13. Spatial Narratives als Inszenierung des Vertrauens

    Seiten 189 - 206
  14. Türme. Über die Konstruktion von Vertrauen in der Architektur

    Seiten 207 - 216
  15. Szenografie oder die Macht der Verführung

    Seiten 217 - 234
  16. Der Shinkansen. Die perfekte Inszenierung des Vertrauens

    Seiten 235 - 244
  17. Szenografien des Ausnahmezustands

    Seiten 245 - 262
  18. Pushing the Limits

    Seiten 263 - 280
  19. Bürgschaft des Vertrauens. Die Inszenierung als sanktionsfreier Ort

    Seiten 281 - 308
  20. Inszenierung und Vertrauen in der Politik. Von der Entschärfung des zwischenstaatlichen Sicherheitsdilemmas

    Seiten 309 - 326
  21. Szenografie in Gedenkstätten. Sinn und Grenzen des szenografischen Prinzips

    Seiten 327 - 348
  22. Ritual and Szenography in the Context of Tribal society

    Seiten 349 - 362
  23. Früchte des Vertrauens. Ein Kurzinterview

    Seiten 363 - 366
  24. Balance und blindes Vertrauen. Ein Briefwechsel

    Seiten 367 - 380
  25. Die Autoren

    Seiten 381 - 389
  26. Backmatter

    Seite 390
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32,80 € *

2011-03-27, 392 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1702-3

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Ralf Bohn

Ralf Bohn FH Dortmund, Deutschland

Heiner Wilharm

Heiner Wilharm, Fachhochschule Dortmund, Deutschland

... mit Ralf Bohn

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Alle Welt beschwört derzeit die Kapitalisierung von Vertrauen. Die Bundeskanzlerin erklärt 2011 zum Jahr des Vertrauens. Um Vertrauen zu erwerben, muss man Handlungen, ihre Motivationen und Strategien offen legen. Vertrauensbildung stellt eine soziale Inszenierungspraxis dar, die in einer Mediengesellschaft professionell gelernt werden kann. Wie man sowohl im ästhetischen wie politischen Sinne Vertrauen entfaltet, simuliert und dissimuliert, zeigt im szenografischen Zusammenhang dieses Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ästhetik und Politik – das sind in einer Medienwelt nicht länger getrennte Handlungsfelder. Auch die Trennung von Akteuren und Beobachtern ist seit der performativen Wende nicht aufrecht zu erhalten. Was sich auf Aktualität, Spontanität und Unsichtbarkeit bezieht, bedarf besonderer Bindungskräfte und Vertrauensmaßnahmen. Die Beiträge zeigen, dass solche Initiativen im Rahmen szenografischer Professionalisierung narrative Leitstrategien und Grenzgänge beinhalten, die mehr tun als nur magische Handlungsoptionen zu beschwören.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Luhmanns systemtheoretische Darstellung aus dem Jahr 1968 ist immer noch die Referenzschrift zum Thema Vertrauen. Wenn von der Finanz- über die Atom- bis zur Umweltkrise Vertrauen beschworen wird, dann handelt es sich um magische Akte der Hilflosigkeit, die zeigen, dass der aus systemischer Sicht abgeleitete Beobachterstatus kein Kriterium für Vertrauen abgeben kann. Nicht als Rationalisierungen, sondern gerade als deren affektiv aktualisierte Infragestellung sind Vertrauensinszenierungen neu zu denken.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Bei den derzeitigen Vertrauenskrisen mit der noch amtierenden Regierung, aber auch mit den populären Führungsfiguren der allenthalben aus dem Boden sprießenden Empörungsaktivisten, die die herkömmlichen Strategien des Vertrauens subversiv herausfordern.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es wird gezeigt, dass mediale Inszenierungen vertrauensbildend sein können, wenn sie ihre Motive und Strategien im narrativen Spiel offen legen und dadurch Handlungsoptionen initiieren, statt sie zu befehlen.

»[I]nsgesamt ist der Band eine Fundgrube an klugen und inspirierenden Beobachtungen.«
Die Deutsche Bühne, 8 (2011)
Autor_in(nen)
Ralf Bohn / Heiner Wilharm (Hg.)
Buchtitel
Inszenierung und Vertrauen Grenzgänge der Szenografie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
392
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1702-3
DOI
Warengruppe
1585
BIC-Code
AK JFC HP
BISAC-Code
DES008000 PHI034000 SOC022000
THEMA-Code
AK JBCC QD
Erscheinungsdatum
2011-03-27
Auflage
1
Themen
Kultur, Kunst, Design
Adressaten
Szenografie, Kunstwissenschaft, Gestaltungswissenschaften, Kulturwissenschaft, Philosophie
Schlagworte
Szenografie, Inszenierung, Vertrauen, Krise, Szenologische Reflexion, Design, Kultur, Kunst, Kulturphilosophie, Kultursoziologie, Medienkunst

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