Der Golem-Effekt

Orientierung und phantastische Immersion im Zeitalter des Kinos

Meyrinks Bestseller »Der Golem« und der Stummfilm, in dem sich eine kabbalistisch belebte Lehmfigur ihrem Schöpfer entzieht, durchbrechen geläufige Vorstellungen von Fiktion. In beiden wird vorgeführt, wie Kunstwerke lebendig werden oder Menschen mit Kunstfiguren interagieren können. Dass sich zeitgleich ähnliche ästhetische Paradoxe auch in den Erzählungen südamerikanischer Autoren wie Quiroga, Borges, Bioy Casares, Palma, Hernández oder Cortázar finden, hängt eng mit dem gemeinsamen Bezug auf das unvertraute Medium des Kinos zusammen. Matei Chihaia zeigt, wie in diesen Texten die Durchdringung einer filmischen Parallelwelt mit der Lebenswelt des Zuschauers, dessen Desorientierung oder Reorientierung, zu einem phantastischen »Golem-Effekt« stilisiert wird.

33,80 € *

2011-03-14, 392 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1714-6

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Matei Chihaia

Matei Chihaia, Bergische Universität Wuppertal, Deutschland

... mit Matei Chihaia

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

»Der Golem-Effekt« erforscht zum ersten Mal die modernen Fiktionen um die Gestalt des Golem in einem größeren Zusammenhang, der auch andere Mythen des Übergangs von Kunst zu Leben (Pygmalion, Don Quijote) einbezieht. Außerdem liefert das Buch einen Beitrag zur Kulturgeschichte der Orientierung und der Phantastik. Schließlich ist es einer der ersten deutschsprachigen Kommentare zu Autoren wie Felisberto Hernández, Horacio Quiroga und Clemente Palma.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In Anschluss an Todorov und Alazraki öffnet »Der Golem-Effekt« eine kulturwissenschaftliche Sicht auf die Poetik phantastischer Erzählungen, in Bezug auf J.-M. Schaeffer auf das Verhältnis von Immersion und Metalepse. Zum ersten Mal werden europäische und südamerikanische Fiktionskonzepte des 20. Jhdts. vergleichend nebeneinander gestellt. Neben dem Verhältnis von Literatur und Kino erschließen diese auch Immersions-Diskurse der neueren Medientheorie.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Unterschied zur älteren medienwissenschaftlichen Forschung lege ich den Schwerpunkt auf die metafiktionale Reflexion über das Kino. Diese wird nicht im Kontext der Technikgeschichte, sondern in demjenigen divergenter essayistischer und narrativer Inszenierungen der Fiktion analysiert. Die dabei entdeckten Diskurse der ›Desorientierung‹ und ›Reorientierung‹ kommen dem aktuellen nteresse an Raum-Modellen (dem sog. ›spatial turn‹) entgegen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Hans-Ulrich Gumbrecht, Renate Lachmann, Joachim Paech, Marie-Laure Ryan, Jean-Marie Schaeffer, Monika Schmitz-Emans, Annette Simonis, Linda Simonis, Ulrike Sprenger, Victor I. Stoichita, Rainer Warning, Marianne Wünsch u.a.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Im Zeitalter des Kinos entsteht eine neue Art von phantastischer Unschlüssigkeit: der Golem-Effekt.

»Matei Chihaia ist es gelungen, ein wieder sehr präsentes und umstrittenes Thema aus vielerlei Blickwinkeln zu betrachten, in Szene zu setzen und profunde Einblicke zu vermitteln.«
Maike van Delden, Romanische Forschungen, 126 (2014)
Besprochen in:
www.vetiver.weblog.ro, 3 (2011)
Variations, 19 (2011), Johannes Binotto
Germanisch-Romanische Monatsschrift, 62/3 (2012), Matthias Hausmann
Jahrbuch immersiver Medien 2011, Matthias Bauer
http://brecha.com.uy, 16.12.2016
Autor_in(nen)
Matei Chihaia
Buchtitel
Der Golem-Effekt Orientierung und phantastische Immersion im Zeitalter des Kinos
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
392
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1714-6
DOI
10.14361/transcript.9783839417140
Warengruppe
1566
BIC-Code
DSB JFD APFA
BISAC-Code
LIT004280 PER004030
THEMA-Code
DSB JBCT ATF
Erscheinungsdatum
2011-03-14
Auflage
1
Themen
Film, Literatur
Adressaten
Germanistik, Romanistik, Philosophie, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Film, Argentinische Literatur, Deutsche Literatur, Erzähltheorie, Raumtheorie, Immersion, Literatur, Spanische Literatur, Romanistik, Literaturwissenschaft

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