Der erzählte Zögling

Narrative in den Akten der deutschen Fürsorgeerziehung

Dieses Buch zeigt, wie Dokumente handeln, wie Informationen literarisch zu Tatbeständen gemacht werden – kurzum: wie ein Gegenstand herausgebildet wird und sich, einer Romanfigur nicht unähnlich, fortan bewähren muss. Brisant nur, dass es sich hierbei um reale Menschen handelt – um »zu erziehende« Minderjährige zur Zeit der Weimarer Republik und des »Dritten Reichs«. Erzählt und gehandhabt wurden sie an dem Ort, der die Dokumente über sie vermeintlich nur versammelte: der Zöglingsakte. Dort setzt die Rekonstruktion der narrativen Strukturen an, in welchen die Aktenproduktion der Fürsorgeerziehung ihre jeweiligen »Akten-Zöglinge« hervorbrachte.

35,80 € *

2011-08-29, 402 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1737-5

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Matthias Zaft

Matthias Zaft, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Deutschland

... mit Matthias Zaft

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Ob die Welt nun gerade dieses Buch braucht, hängt davon ab, wie die Welt zu Fragen steht. Ich habe den Eindruck, dass das Buch mehr Fragen stellt, als es beantwortet. Antworten gleichen einem guten Essen: nach dem temporären Genuss wird man schnell müde. Fragen hingegen halten wach.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Trotz fortwährendem Insistieren auf die sprachliche Bedingtheit faktischen Wissens befreit es die Akteure keineswegs von der Verantwortung für ihr Handeln, ihr sprachliches wie sonstiges Tun. Es sind weder nur die Worte, die, einmal in die Welt gebracht, von nun an den Fortgang der Ereignisse bestimmen, noch sind es die erzählerischen Konventionen allein, an denen sich eine Geschichte zu orientieren hat. Gebrauch und Verwendung der einen wie der anderen obliegen den handelnden, den tätigen Personen. Darin besteht ihre Freiheit – und ihre Verantwortung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Dass Wissen, Tatsachen, Fakten nicht vom Himmel fallen, dürfte kaum noch jemanden überraschen. Die Verwobenheit der Umstände mit dem Resultat eines Hervorbringungsprozesses findet meiner Wahrnehmung nach dennoch nur unzureichend Berücksichtigung in den historischen ebenso wie den Anwendungswissenschaften. Zwar schmückt die Erzähltheit von Welt, die narrative Erzeugung von Wirklichkeit als methodischer Zugang zunehmend mehr Untersuchungen, ernst zu nehmen scheinen dieses Heuristikum jedoch die wenigsten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wäre mein Französisch ein weniger Blamables, dann am liebsten mit Roland Barthes.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Was nicht in der Akte ist, ist nicht in der Welt.

»Zaft liefert das Methodenrepertoire und die exemplarische Ausführung, um nacharbeiten zu können, wie die umgebenden Umstände konkret auf zwangsuntergebrachte Menschen wirken und ihre Handlungsmöglichkeiten beeinflussen.«
Heinz-Jürgen Voß, literaturkritik.de, 6 (2012)
»Ein besonders lesenswertes spannendes Buch, das es wert ist, einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu sein.«
Sascha Omidi, www.socialnet.de, 29.05.2012
»[Die Studie stellt] für die weitere historische Beschäftigung mit Jugendfürsorge einen großen Gewinn dar.« Mischa Gallati, H-Soz-u-Kult, 05.03.2012
»Ein wichtiges Buch.«
Florian Mildenberger, Zeitschrift für Geschichtswissenschaft, 3 (2012)
»Das Buch bietet einen interessanten weiterführenden Ansatz, der sich wohltuend von der Akten-Gläubigkeit vieler sozialgeschichtlich ausgerichteter Studien unterscheidet.«
Frauke Klinge, Contraste, 1 (2012)
»[Die] über die Studie hinausweisende Bedeutung liegt nicht nur, aber auch darin, die immense Macht von Sprach-Handlung in (sozial)pädagogischen Kontexten, insbesondere in gutachterlichen und bürokratischen Zügen herausgearbeitet zu haben. Es ist dieses ein Befund von vielen einer insgesamt ausgesprochen anregenden Studie zur Fürsorgeerziehung im Nationalsozialismus.«
Petra Götte, Erziehungswissenschaftliche Revue, 11/1 (2012)
Autor_in(nen)
Matthias Zaft
Buchtitel
Der erzählte Zögling Narrative in den Akten der deutschen Fürsorgeerziehung
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
402
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1737-5
DOI
Warengruppe
1556
BIC-Code
HBTB PDX HBJD
BISAC-Code
HIS054000 SCI034000 HIS014000
THEMA-Code
NHTB PDX NHD
Erscheinungsdatum
2011-08-29
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Wissenschaftsgeschichte, Sprachwissenschaft, Sozialpädagogische Historiographie, Zeitgeschichte
Schlagworte
Sprachtheorie, Erzähltheorie, Aktant, Nationalsozialismus, Sozialrassismus, Kulturgeschichte, Sozialgeschichte, Wissenschaftsgeschichte, Deutsche Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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