Situationistische Internationale

Eintritt, Austritt, Ausschluss. Zur Dialektik interpersoneller Beziehungen und Theorieproduktion einer ästhetisch-politischen Avantgarde (1957-1972)

Die »Situationistische Internationale« hat eine der einflussreichsten Kritiken der Kultur der 1960er Jahre ausgearbeitet, in der das Scheitern der historischen Avantgarden als zentraler Bestandteil in die eigene Theorieproduktion eingeht. Die zentralen Theoreme der Gesellschaft des Spektakels, der dérive, des détournement und der récupération sind nicht nur der Versuch, diese Gesellschaft zu subvertieren, sondern werden selbstreflexiv auf die eigene Gruppenstruktur, deren Organisation sowie die Aktivität der Mitglieder appliziert.

In Erweiterung bisheriger Ansätze zur Gruppensoziologie (Simmel, von Wiese) sowie zur Soziologie interpersoneller Beziehungen (Kracauer) stellt Max Jakob Orlich die Relevanz von intellektuellen Freundschaftsdyaden und Gruppenbindungen – sowohl für die Gruppenbewegungen als auch für die Theorieproduktion – anhand der Eintritte, Austritte und Ausschlüsse der Mitglieder dar. Das dabei verwendete umfangreiche empirische Material wird hier zum ersten Mal zugänglich gemacht.

42,80 € *

2011-03-14, 630 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1748-1

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Max Jakob Orlich

Max Jakob Orlich, Universität Freiburg, Deutschland

... mit Max Jakob Orlich

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Die Arbeit untersucht auf neuartige Weise und auf Basis umfangreicher Quellen die Rolle von Freundschaften für die intellektuelle Gruppenbildung. Sie tut dies an einem Gegenstand – der Situationistischen Internationale (S.I.) – der bis heute sowohl für die theoretische Forschung als auch als Ideengeber einer kritischen Praxis von Bedeutung ist. Was eine Untersuchung der S.I. lohnend macht, ist, dass sie weit mehr als andere ihr Verhältnis zur Tradition der Avantgarde reflektiert und so das kritische Potenzial avantgardistischen Denkens aktualisiert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Studie hat Modellcharakter für die Untersuchung von Intellektuellengruppen in Europa nach 1945. Neu ist, dass die zumeist angewandte Perspektive, wonach eine Gruppe in Auseinandersetzung mit Anforderungen ihrer Umwelt eine Identität ausbildet, konsequent erweitert wird durch die Anatomie der Dynamik formeller Organisation, Freundschaftsbeziehung und Ideenentwicklung. Sie erschließt das Zwischenreich der persönlichen Bindung an den Freund und der nicht minder persönlichen Bindung an eigene Ideen, die in kollektive Prozesse eingeflochten sind.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Studie gibt am Beispiel der S.I. aufschlussreiche Einblicke zur Funktionsweise intellektueller Freundschaften und Gruppierungen im Spannungsfeld von Kunst und Politik. Sie bietet so zum einen wichtige Grundlagenforschung zur S.I. und Hinweise zur Erklärung ihrer anhaltenden Aktualität. Zum anderen zeigt sie über das konkrete Beispiel hinaus wichtige Forschungsperspektiven im Bereich der Soziologie der Freundschaft wie auch der Gruppensoziologie, der Ideengeschichte und der Theorie der (Neo-)Avantgarde.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am reizvollsten wäre sicherlich die Konfrontation der Außen- mit der Innenperspektive und daher die Diskussion mit den beiden zentralen Figuren der Gruppe – Guy Debord und Asger Jorn – gewesen, um der Leidenschaft und der Energie, die ihrem Denken und Handeln zu Grunde lagen, noch näher zu kommen. Doch auch der Blick nach vorne, die Diskussion der Arbeit im Kontext urbanistischer Fragen und aktueller politischer wie auch künstlerischer Gruppen, die sich auf die S.I. beziehen, bietet interessante Fragestellungen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine leidenschaftliche Studie zur Gruppenstruktur und Theoriebildung der Situationistischen Internationale als bis heute bedeutsamer Avantgarde des 20. Jahrhunderts.

Besprochen in:

Phase 2, Sommer 2011, Lukas Holfeld,
anton, 20 (2011/12), Danny Walther
Archiv für Geschichte des Widerstandes und der Arbeit, 19 (2011)
Dejà Vu, 21 (2012)
microfon, 370/8 (2012)
Autor_in(nen)
Max Jakob Orlich
Buchtitel
Situationistische Internationale Eintritt, Austritt, Ausschluss. Zur Dialektik interpersoneller Beziehungen und Theorieproduktion einer ästhetisch-politischen Avantgarde (1957-1972)
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
630
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1748-1
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JHB ABA AC
BISAC-Code
SOC022000 SOC026000 ART009000 ART015000
THEMA-Code
JBCC JHB ABA AGA
Erscheinungsdatum
2011-03-14
Auflage
1
Themen
Kultur, Kunst
Adressaten
Soziologie, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Romanistik, Urbanismus, Linke Theorie
Schlagworte
Guy Debord, Kultur, Avantgarde, Gruppensoziologie, Gesellschaft des Spektakels, 1968, Kunst, Kultursoziologie, Kunstsoziologie, Kunstgeschichte, Soziologie

 

Anhang

Schaubilder (PDF)

Tabellen (PDF)

Exkurse (PDF)

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