Legitimierte Gewalt

Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Theatertexten von Elfriede Jelinek und Neil LaBute

Seit den Anfängen des Dramas steht der gewaltvolle Konflikt im Zentrum dramatischen Schaffens. Dennoch kommt es um die Jahrtausendwende zu einer Verschiebung in seiner Darstellung: Die Sprache rückt als Verhandlungs- und Austragungsort der Gewalt in den Vordergrund. In der Analyse zweier höchst unterschiedlich konzipierter Theatertexte – Neil LaButes »bash – stücke der letzten tage« und Elfriede Jelineks »Babel« – geht Natalie Bloch diesem Befund nach und zeigt, wie über das Medium der Sprache die Legitimierungen von Gewalt und ihre strukturellen, diskursiven und kulturellen Bedingungen freigelegt werden.

Darüber hinaus aktualisiert das Buch das Analyse-Instrumentarium für dramatische und nicht-dramatische Theatertexte.

36,80 € *

2011-08-22, 362 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1786-3

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Natalie Bloch

Natalie Bloch, Université du Luxembourg, Luxemburg

... mit Natalie Bloch

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Gewalt ist ein Thema, das in unserem Alltag allgegenwärtig ist – zumindest in seiner medialen Verlautbarungssprache. Gewalt ist zugleich eine Kennmarke der Macht, der Umgang mit ihr, das Sprechen über sie, zeigt, wo sich eine Gesellschaft rechtlich und moralisch befindet. In den von mir ausgewählten Theatertexten von Neil LaBute und Elfriede Jelinek wird die Sprache als Austragungs- und Verhandlungsort von Gewalt exponiert und damit ein entlarvender, provozierender Blick auf den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft gerichtet.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Analyse der Theatertexte Elfriede Jelineks und Neil LaButes zeigt trotz der gravierenden ästhetischen Unterschiede auch verblüffende Gemeinsamkeiten: Bei beiden ist es weniger die dargestellte Gewalt, die schockiert, als vielmehr die Art und Weise in der sie kommuniziert wird, der Umgang mit ihr. Denn sie wird nicht mehr als existentielle Erschütterung der symbolischen Ordnung der Gesellschaft dargestellt, sondern es wird die Gesellschaftsfähigkeit und Legitimität von Gewalt vorgeführt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In meiner Arbeit wird ein Wandel in der dramatischen Gewaltdarstellung beobachtet, der bislang kaum untersucht worden ist. Die Problematik bestand darin, den Eingang eines lebensweltlichen Phänomens – der Gewalt – innerhalb ästhetisch und formal höchst unterschiedlich gebauter Theatertexte zu vermessen. Dabei wurden Analysekategorien entwickelt, die in der Lage sind, diesen unterschiedlichen ästhetischen Strukturen gerecht zu werden und zugleich das hier fokussierte Verhältnis von Sprache und Gewalt zu erfassen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde mein Buch gerne mit Gewaltfoschern wie Wilhelm Heitmeyer oder Zygmunt Baumann diskutieren und wissen, wie sie die in den Theatertexten zugespitzten Tendenzen einschätzen würden. Besonders interessiert mich hier, wie sie in soziologischer Perspektive die diskursive Wahrnehmung und Legitimierung zeitgenössischer Gewalt sehen. Des Weiteren würde ich gerne mit Elfriede Jelinek und Neil LaBute über jeden beliebigen Punkt meiner Arbeit sprechen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ich beobachte den Paradigmenwechsel in der Darstellung von Gewalt in Theatertexten um die Jahrtausendwende.

Besprochen in:

GERMANISTIK, 52/3-4 (2012)
Philosophisches Jahrbuch, 120/1 (2013), Dagmar Fenner
Wirkendes Wort, 3 (2014), Marcus Schotte
Autor_in(nen)
Natalie Bloch
Buchtitel
Legitimierte Gewalt Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Theatertexten von Elfriede Jelinek und Neil LaBute
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
362
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1786-3
DOI
10.14361/transcript.9783839417867
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN DSB
BISAC-Code
PER011020 LIT004170 LIT004020
THEMA-Code
ATD DSB
Erscheinungsdatum
2011-08-22
Auflage
1
Themen
Theater, Gewalt, Sprache
Adressaten
Literaturwissenschaften, Theaterwissenschaften, Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften
Schlagworte
Theater, Drama, Gewalt, Sprache, Jelinek, LaBute, Theaterwissenschaft, Germanistik, Amerikanistik, Anglistik

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