Legitimierte Gewalt

Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Theatertexten von Elfriede Jelinek und Neil LaBute

Seit den Anfängen des Dramas steht der gewaltvolle Konflikt im Zentrum dramatischen Schaffens. Dennoch kommt es um die Jahrtausendwende zu einer Verschiebung in seiner Darstellung: Die Sprache rückt als Verhandlungs- und Austragungsort der Gewalt in den Vordergrund. In der Analyse zweier höchst unterschiedlich konzipierter Theatertexte – Neil LaButes »bash – stücke der letzten tage« und Elfriede Jelineks »Babel« – geht Natalie Bloch diesem Befund nach und zeigt, wie über das Medium der Sprache die Legitimierungen von Gewalt und ihre strukturellen, diskursiven und kulturellen Bedingungen freigelegt werden.

Darüber hinaus aktualisiert das Buch das Analyse-Instrumentarium für dramatische und nicht-dramatische Theatertexte.

Inhalt

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 10
  3. 1. Einleitung: Hintergrund und Fragestellung

    Seiten 13 - 36
  4. 2. Das Theater als spezifischer Ort für Gewaltdarstellungen unter soziologischen und semiotischen Gesichtspunkten

    Seiten 37 - 48
  5. 3. Das Spektrum der Gewaltverhältnisse

    Seiten 49 - 70
  6. 4. Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt

    Seiten 71 - 82
  7. 1. »Let's hurt somebody« - Zum Autor Neil LaBute

    Seiten 85 - 86
  8. 2. Die Makrostrukturen

    Seiten 87 - 118
  9. 3. Die sprachliche Präsentation der Gewalt

    Seiten 119 - 128
  10. 4. Sprache und Figur

    Seiten 129 - 144
  11. 5. Sprache und Raum: Weltmodelle und ihre Erlaubnis zum Mord

    Seiten 145 - 158
  12. 6. Textinterne Intertextualität: Die Schaltkreise der Macht

    Seiten 159 - 174
  13. 7. Textexterne Intertextualität

    Seiten 175 - 200
  14. 8. Ausblick: bash - Die Darstellung des Mordes als sozial akzeptiertes Verhalten

    Seiten 201 - 206
  15. 1. »[…] ich hab mich auf Dauerfeuer geschaltet« (PS, 137) - Zum Werk von Elfriede Jelinek

    Seiten 209 - 218
  16. 2. Textorganisation und Bauweise

    Seiten 219 - 228
  17. 3. Sprache und Körper: Körperloses Sprechen

    Seiten 229 - 242
  18. 4. Das wechselnde Gegenüber

    Seiten 243 - 252
  19. 5. Die intertextuelle Dimension: Das »Sowohl-Täter-als-auch-Opfer-Sein« (MS, 118)

    Seiten 253 - 272
  20. 6. Die mediale Gewalt

    Seiten 273 - 294
  21. 7. Die mythologische Gewalt

    Seiten 295 - 314
  22. 8. Die theoretische Dimension

    Seiten 315 - 322
  23. 9. Ausblick: Babel -Gewalt in der Allianz von Totalitarismus und Kapitalismus/Gewalt und die Ideologie des Kapitals

    Seiten 323 - 330
  24. 1. Schlussbetrachtung

    Seiten 333 - 338
  25. 1. Siglenverzeichnis

    Seiten 341 - 342
  26. 2. Quellen

    Seiten 343 - 344
  27. 3. Interviews/Kritiken/Reden

    Seiten 345 - 346
  28. 4. Literatur

    Seiten 347 - 356
  29. 5. Danksagung

    Seite 357
  30. Backmatter

    Seiten 358 - 362
Mehr
36,80 € *

2011-08-22, 362 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1786-3

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Natalie Bloch

Natalie Bloch, Université du Luxembourg, Luxemburg

... mit Natalie Bloch

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht. Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Gewalt ist ein Thema, das in unserem Alltag allgegenwärtig ist – zumindest in seiner medialen Verlautbarungssprache. Gewalt ist zugleich eine Kennmarke der Macht, der Umgang mit ihr, das Sprechen über sie, zeigt, wo sich eine Gesellschaft rechtlich und moralisch befindet. In den von mir ausgewählten Theatertexten von Neil LaBute und Elfriede Jelinek wird die Sprache als Austragungs- und Verhandlungsort von Gewalt exponiert und damit ein entlarvender, provozierender Blick auf den gegenwärtigen Zustand unserer Gesellschaft gerichtet.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Analyse der Theatertexte Elfriede Jelineks und Neil LaButes zeigt trotz der gravierenden ästhetischen Unterschiede auch verblüffende Gemeinsamkeiten: Bei beiden ist es weniger die dargestellte Gewalt, die schockiert, als vielmehr die Art und Weise in der sie kommuniziert wird, der Umgang mit ihr. Denn sie wird nicht mehr als existentielle Erschütterung der symbolischen Ordnung der Gesellschaft dargestellt, sondern es wird die Gesellschaftsfähigkeit und Legitimität von Gewalt vorgeführt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In meiner Arbeit wird ein Wandel in der dramatischen Gewaltdarstellung beobachtet, der bislang kaum untersucht worden ist. Die Problematik bestand darin, den Eingang eines lebensweltlichen Phänomens – der Gewalt – innerhalb ästhetisch und formal höchst unterschiedlich gebauter Theatertexte zu vermessen. Dabei wurden Analysekategorien entwickelt, die in der Lage sind, diesen unterschiedlichen ästhetischen Strukturen gerecht zu werden und zugleich das hier fokussierte Verhältnis von Sprache und Gewalt zu erfassen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde mein Buch gerne mit Gewaltfoschern wie Wilhelm Heitmeyer oder Zygmunt Baumann diskutieren und wissen, wie sie die in den Theatertexten zugespitzten Tendenzen einschätzen würden. Besonders interessiert mich hier, wie sie in soziologischer Perspektive die diskursive Wahrnehmung und Legitimierung zeitgenössischer Gewalt sehen. Des Weiteren würde ich gerne mit Elfriede Jelinek und Neil LaBute über jeden beliebigen Punkt meiner Arbeit sprechen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ich beobachte den Paradigmenwechsel in der Darstellung von Gewalt in Theatertexten um die Jahrtausendwende.

Besprochen in:

GERMANISTIK, 52/3-4 (2012)
Philosophisches Jahrbuch, 120/1 (2013), Dagmar Fenner
Wirkendes Wort, 3 (2014), Marcus Schotte
Autor_in(nen)
Natalie Bloch
Buchtitel
Legitimierte Gewalt Zum Verhältnis von Sprache und Gewalt in Theatertexten von Elfriede Jelinek und Neil LaBute
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
362
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1786-3
DOI
Warengruppe
1586
BIC-Code
AN DSB
BISAC-Code
PER011020 LIT004170 LIT004020
THEMA-Code
ATD DSB
Erscheinungsdatum
2011-08-22
Auflage
1
Themen
Theater, Gewalt, Sprache
Adressaten
Literaturwissenschaften, Theaterwissenschaften, Kulturwissenschaften, Sozialwissenschaften
Schlagworte
Theater, Drama, Gewalt, Sprache, Jelinek, LaBute, Theaterwissenschaft, Germanistik, Amerikanistik, Anglistik

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung