Reproduziertes Leben

Biomacht in Zeiten der Präimplantationsdiagnostik

Wie kaum ein anderes Verfahren moderner Reproduktionstechniken ist die Präimplantationsdiagnostik zum Gegenstand allgemeiner gesellschaftlicher Aushandlungen geworden. In den öffentlichen Diskursen durchdringen sich rechtliche, historische und bioethische Perspektiven. Anhand deutscher und französischer Printmedien markiert Julia Diekämper den Reproduktionsdiskurs als den Ort, an dem sich Biopolitik manifestiert. Sie zeigt, wie sich eine politisch folgenreiche Normenverschiebung von der Ethik der »Heiligkeit des Lebens« zu einer Ethik des Heilens vollzogen hat, und dass sich das universalistische ethische Selbstverständnis ebenso wie der Versuch einer einfachen Homogenisierung europäischen Rechts als Illusion erweisen.

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2011-07-28, 416 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1811-2

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Julia Diekämper

Julia Diekämper, Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften Berlin, Deutschland

... mit Julia Diekämper

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Wenn es um so elementare Orientierungsfragen geht wie um die Gegenwart und Zukunft der menschlichen Fortpflanzung – wie sie etwa gerade erst im Deutschen Bundestag diskutiert worden sind –, dann ist es gewinnbringend, sich den Diskurs im Ganzen, also nicht nur die rationalen Argumente an der Oberfläche, sondern auch die Strategien ›unter‹ diesen, zu vergegenwärtigen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Wenn wir darüber reden, was in der Reproduktionstechnologie erlaubt sein sollte und was nicht, dann glaubt man automatisch, es mit Bioethik zu tun zu haben, mit Prinzipien der Würde und der Anerkennung. Aber wenn man wirklich hinschaut, was gesagt und wie begründet wird, dann erkennt man, wie komplex reale Aushandlungsprozesse sind. Die neue Perspektive ist also eine Erweiterung des Gesichtsfeldes, sozusagen eine Weitwinkelperspektive auf unsere normativ folgenreichen Redeweisen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Forschungsdebatten sind das eine – klarerweise boomt die bioethische Debatte um die Probleme am Anfang und Ende des menschlichen Lebens ebenso wie Anschlussdebatten an Foucaults Begriff der Biomacht –, was aber zentral ist: Durch den Beschluss des PID-Gesetzes im Juli 2011 im Bundestag, durch die vorausgegangenen und noch ausstehenden Debatten ist die Präimplantationsdiagnostik zu einer res publica geworden, zu einer Sache, die die Öffentlichkeit wirklich betrifft.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Gerade weil ich mich mit der Diskursanalyse methodisch zwischen die Stühle setzte, bin ich an offenen interdisziplinären Diskussionen interessiert. Wirklich anregend wären zudem Diskussionen mit Entscheidungstragenden, deren argumentatives, rhetorisches und normatives Fundament ich untersucht habe.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wenn es in einem Satz sagbar wäre, hätte ich diesen einen Satz aufgeschrieben – glücklicherweise ist mir der aber nicht eingefallen. Vielleicht so: Fasst man alle im Reproduktionsdiskurs wirksamen Strategien und Narrative ins Auge, löst sich die Illusion auf, es seien im Bereich der Reprodukionstechnologien verbindliche politische und rechtliche Regelungen in einem durch und durch rationalen Prozess herstellbar.

Besprochen in:

NordwestRadio, Sendereihe ›Glauben und Wissen‹, 17.07.2011, Thorsten Jantschek
Technology Review, 1 (2012)
www.querelles-net, 13/2 (2012), Tanja M. Brinkmann
Autor_in(nen)
Julia Diekämper
Buchtitel
Reproduziertes Leben Biomacht in Zeiten der Präimplantationsdiagnostik
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
416
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-1811-2
DOI
10.14361/transcript.9783839418116
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS PSAD
BISAC-Code
SOC057000 PHI005000 MED000000
THEMA-Code
JBFN MBS PSAD
Erscheinungsdatum
2011-07-28
Auflage
1
Themen
Medizin, Ethik, Biopolitik
Adressaten
Kulturwissenschaften, Philosophie, Politologie, Rechtswissenschaften
Schlagworte
Reproduktionstechnologien, Diskursanalyse, Biomacht, Körper, Gender, Präimplantationsdiagnostik, PID, Bioethik, Biopolitik, Ethik, Medizin, Medizinsoziologie, Life Sciences, Soziologie

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