Das Familiengedächtnis der Wittgensteins

Zu verführerischen Lesarten von (auto-)biographischen Texten

Welche Rolle spielen die »Familienerinnerungen« von Ludwig Wittgensteins Schwester Hermine bei der Entwicklung des Wittgenstein'schen Familiengedächtnisses? Nicole L. Immler untersucht die Biographieforschung zu Wittgenstein und bietet eine quellenkritische Analyse seiner autobiographischen Reflexionen und deren Verknüpfung mit seinen philosophischen Gedanken.

Die Studie geht den Konstruktionsprinzipien von Erzählung, Erinnerung und Identität nach, zeigt die mitunter dramatischen Wechselwirkungen zwischen Autobiographie und Familiengedächtnis und die Verschränkungen von Texten von bzw. über Ludwig Wittgenstein. Ein Buch über die Relevanz Wittgensteins für die Kulturwissenschaft.

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2011-03-30, 398 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1813-6

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Nicole L. Immler

Nicole L. Immler, Universität Utrecht, Niederlande, und Österreichische Akademie der Wissenschaften, Österreich

... mit Nicole L. Immler

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Das Buch geht zurück zu Primärquellen: Erstmals wird eine der Hauptquellen der biographischen Ludwig Wittgenstein-Forschung, die Familienchronik von Hermine Wittgenstein, als Gesamttext analysiert. Damit wird die Schwester als eine bewusst gestaltende Autorin sichtbar. Zugleich wird gezeigt, wie Wittgenstein selbst das Thema Autobiographie gehandhabt und auch thematisiert hat – bevor ihn die Biographen verortet haben. Darüber hinaus zeigen Familieninterviews die Bedeutung eines Familiengedächtnisses im Heute.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Schwierigkeiten einer Annäherung an eine so genannte ›biographische Wahrheit‹ beginnt bereits beim autobiographischen Material; mit der Frage, inwieweit die Biographisierten selbst, ihr Leben nach Rollenbildern gestalten; Erzählmuster, die Biograph/-innen oft verstärken statt deren konstruktiven und kontextuellen Charakter näher zu beleuchten. Ob die Leseanweisung lautete ›the duty of genius‹ (Ray Monk) oder ›a family at war‹ (Alexander Waugh) – es liegen unterschiedliche Biographiemodelle und Menschenbilder zu Grunde, mit jeweils anderen Grenzen der Erklärungskraft.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ludwig Wittgenstein gilt als gequälter Denker, die Familie Wittgenstein als pathologische Gemeinschaft – faszinierende Erzählweisen, doch legitim? Die Lesart einer Kohärenz zwischen Werk und Leben hat bei Wittgenstein einen ethischen Rigorismus ins Bild und Spielerisches aus dem Bild gerückt. Bei den Familienbiographien sucht oft eine psychologisierende Perspektive die historische Erklärungskraft in einzelnen Ereignissen und Familienkonstellationen, statt individuelle Spielräume und gesellschaftliche Bedingungen sichtbarer zu machen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den ›Wittgensteinianern‹, Biographen und Familienmitgliedern, denn die Familienchronik funktioniert sowohl innerhalb der Forschungsgemeinschaft wie in der Familie als eine Art ›kollektiver Text‹, der Deutungshoheiten festgeschrieben hat. Über das Familiengedächtnis wird zwar die Geschichte erschlossen, aber noch mehr sichtbar gemacht wie persönliche Erzählungen, historisches Bewusstsein und Identitätsentwürfe zusammenhängen, also eine klassische Frage der Kulturwissenschaft.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Fragen zur Biographie werden von Philosophen gerne als bloße Anekdoten betrachtet – sie sind jedoch mehr; haben sie doch oft Einfluss darauf genommen, wie Wittgenstein auch als Denker wahrgenommen wurde.

»Immlers gender-sensitive reading navigates the memoirists rhetorical gestures of modesty and understatement very effectively, uncovering moments of self-realization, emancipation, and family leadership that might otherwise go unnoticed in the text. The study thus points towards approaches that could be mobilized in a more concerted critical investigation of its own central category – that of family itself.
Caitriona Ni Dhúill, Austrian Studies, 21 (2014)
»Immlers schöne Monographie [leistet] einen beachtenswerten Beitrag zur Autobiographie- bzw. Biographieforschung sowie zur Wittgenstein-Forschung.«
Till Kinzel, Informationsmittel (IFB), 5 (2013)
»[The authors] thorough analysis and investigation of the (auto-)biographical sources of the Wittgenstein familiy, her original response to stereotypical images of them, and not least her broad expertise in the field of biographical studies make it a reference book that any scholar working on the Wittgensteins' biography will find it hard, if not impossible, to do without.«
Sarah Anna Szeltner, Biography, 35/3 (2012)
Besprochen in:

GERMANISTIK, 52/3-4 (2012)
Biography, 35/3 (2012), Sarah Anna Szeltner
Wittgenstein-Studien, 4 (2013), Ursula Prokop
Autor_in(nen)
Nicole L. Immler
Buchtitel
Das Familiengedächtnis der Wittgensteins Zu verführerischen Lesarten von (auto-)biographischen Texten
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
398
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1813-6
DOI
10.14361/transcript.9783839418130
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC DSB HPC
BISAC-Code
SOC022000 LIT004170 PHI016000
THEMA-Code
JBCC DSB QDH
Erscheinungsdatum
2011-03-30
Auflage
1
Themen
Familie, Kulturgeschichte, Literatur
Adressaten
Kulturwissenschaft, Philosophie, Literaturwissenschaft
Schlagworte
Wittgenstein, Autobiographie/Biographie, Erinnerung, Familiengedächtnis, Familienchronik, Literatur, Kulturgeschichte, Familie, Erinnerungskultur, Germanistik, Deutsche Philosophiegeschichte, Kulturtheorie, Kulturwissenschaft

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