Anthropotechniken im Sport

Lebenssteigerung durch Leistungsoptimierung?

Der auf Peter Sloterdijk zurückgehende Begriff der »Anthropotechnik« thematisiert Verbesserungsstrategien, die dazu beitragen sollen, das Leben und die menschliche Leistungsfähigkeit zu steigern. Der Sport bietet hierfür zahlreiche Anknüpfungspunkte: Er ist gekennzeichnet durch Machbarkeitsansprüche und Überbietungsanstrengungen, die in systematischen Übungen, Exerzitien, Artistiken, Askesen und anderen körperzentrierten Praktiken zum Ausdruck kommen.

Der Band erörtert Beispiele aus dem Umfeld athletischer Kulturen, die vom Technodoping im Behindertensport bis zu leistungssteigernden Architekturen im modernen Stadionbau reichen.

27,80 € *

2011-12-06, 264 Seiten
ISBN: 978-3-8376-1868-6

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Franz Bockrath

Franz Bockrath, Technische Universität Darmstadt, Deutschland

... mit Franz Bockrath

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?

Im Sport werden Anthropotechniken unter laborähnlichen Bedingungen entwickelt. Dabei geht es nicht nur um Leistungssteigerungen im engeren Sinne, sondern diese dienen als Modell für ein besseres Leben überhaupt. Der sportive Körper als lebendige Maschine avanciert dabei zur Ausdrucks- und Projektionsfläche für menschliche Empfindungen und Leidenschaften. Im vorliegenden Band werden bisher unbeachtete Aspekte körpertechnologischer Übungsprogramme exemplarisch veranschaulicht und kontrovers erörtert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Im modernen Sport orientieren sich die Zugriffsweisen auf die Natur des Menschen längst am technologisch Machbaren anstatt am ethisch Vertretbaren. Die Produktionskontrolle des Menschen ist hier bereits reale Möglichkeit. Um dies zu verstehen, bedarf es einer genauen Beobachtung und Reflexion sportbezogener Phänomene und Entwicklungen, die im Falle philosophischer Großentwürfe eher unbeachtet bleiben. Der vorliegende Band versteht sich daher als kritischer Beitrag zur aktuellen Debatte über ›Anthropotechnik‹.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Nachdem das Thema Doping im Sport bis in die mediale Berichterstattung hinein die öffentliche Aufmerksamkeit erregte, steht seit einigen Jahren der Begriff Enhancement im Fokus. Die von Peter Sloterdijk angereizte Debatte über Optimierungs- und Verbesserungsstrategien des Menschen, die einen umstrittenen Blick auf das abendländische Humanismusprojekt wirft, orientiert sich an den Möglichkeiten menschlicher Steigerungsbemühungen, deren Folgen und Begrenzungen im Sport paradigmatisch deutlich werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Zu den zeitgenössischen Autoren außerhalb der Sportphilosophie gehört sicherlich Peter Sloterdijk als umstrittener Stichwortgeber in der aktuellen Debatte über Humanisierungsstrategien und Anthropotechniken zum Kreis erwünschter Diskussionspartner. Aber auch der Wiener Philosoph Konrad Paul Liessmann, der polnische Soziologe und Philosoph Zygmunt Bauman, der jüngst verstorbene Publizist Claus Koch oder der Extrembergsteiger Reinhold Messner wären interessante Gesprächspartner.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Wer aus der existenziellen Not, sich anthropotechnisch verhalten zu müssen, eine Tugend der Selbststeigerung macht, vergisst leicht den Preis, der für zivilisatorische Übungen zu zahlen ist.

Besprochen in:
BISp, 11 (2012)
Autor_in(nen)
Franz Bockrath (Hg.)
Buchtitel
Anthropotechniken im Sport Lebenssteigerung durch Leistungsoptimierung?
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
264
Ausstattung
kart., zahlr. Abb.
ISBN
978-3-8376-1868-6
DOI
10.14361/transcript.9783839418680
Warengruppe
1691
BIC-Code
JHBS
BISAC-Code
SPO066000 SOC022000
THEMA-Code
JHBS
Erscheinungsdatum
2011-12-06
Auflage
1
Themen
Körper, Technik
Adressaten
Sportwissenschaft, Kulturwissenschaft, Körpersoziologie sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Anthropotechnik, Sport, Enhancement, Doping, Sportphilosophie, Leistungssteigerung, Körper, Technik, Sportwissenschaft, Soziologie

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